Digitale Zeichnung des Portraits einer Frau

Berta Folz

Geborene Engelbert

 30.12.1899 in Medelsheim

  1980 in Auersmacher


Über Berta Folz

Von Hofherrin und Mutter zu Romanfigur 

 Sie lebte nur für ihre Familie, Selten nahm sie sich mal Zeit für sich. Nie hatte sie eine Freundin, mit der sie irgendetwas unternahm. Wenn es ihren Kindern gut ging, war sie zufrieden.“

Quelle: Folz-Philipp, Erna Maria: Berta. Eine Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert, Norderstedt 2000, S. 266.

Ein Leben was auf den ersten Blick ordinär erscheinen mag, entpuppt sich beim genaueren hinschauen als ein relevantes Zeitzeugnis weiblicher Lebensrealitäten Anfang des 20. Jahrhunderts. Kriege, Armut, und einschränkende soziale Normen prägten diese Zeit. Diesen historischen Wert erkannte auch die Autorin Erna Maria Folz-Philipp in der Lebensgeschichte ihrer Mutter Berta und verfasste einen biographischen Roman über sie. 

Die erste Liebe und Familiengründung

Berta Folz ist am 30. Dezember 1899 in Medelsheim, bei Gersheim, geboren. Sie war das vierte von den insgesamt acht Kindern von Nikolaus Engelbert und Luise Allgaier. Ihr Vater war Handwerker und betrieb zunächst eine Werkstatt. Nachdem er diese jedoch in finanziellen Ruin gewirtschaftet hatte, musste er die Werkstatt 1909 aufgeben. 

Daraufhin siedelte die Familie nach Lothringen um. Die Zeit dort war geprägt von Armut und dem Ausfall der Mutter, die gesundheitlich unter einer Fehlgeburt litt. Dadurch musste Berta bereits im Kindesalter Haushalt und Kinderbetreuung übernehmen. 1912 hatte sich die finanzielle Lage der Familie wieder gebessert und die Familie konnte nach Medelsheim zurückkehren, wo der Vater erneut eine Werkstatt eröffnete. Während des ersten Weltkrieges wurde Bertas Bruder Erhard eingezogen und fiel drei Jahre später. 

Berta begann zu dieser Zeit eine Romanze mit einem jungen Mann namens Peter. Da dieser jedoch evangelisch war, untersagte ihr Vater weitere Treffen mit ihm. Doch Berta widersetzte sich den Anweisungen des Vaters und traf sich weiterhin heimlich mit ihrer großen Liebe. Im Jahr 1919 schickte ihr Vater sie jedoch auf den Drehbrunner Hof, um dort zu arbeiten. Das Leben dort war sehr isoliert, da sie aufgrund der ständig anfallenden Arbeit wenig Möglichkeiten hatte nach Medelsheim zu gelangen und sich mit Peter zu treffen.

Dunkelblaues Buchcover mit einem Schwarz-Weiß-Foto von Berta Folz.
Cover des Buches "Berta. Eine Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert"  von Erna Maria Folz-Philipp, erschienen im BoD · Books on Demand GmbH Verlag.

Derweil wuchs im Dorf das Gerücht, dass Berta mit dem Hofherr Georg Folz ein Verhältnis habe. Tatsächlich entsprach dies aber nicht der Wahrheit. Zwar hatte Georg Gefallen an der deutlich jüngeren Berta gefunden, jedoch beruhte dies nicht auf Gegenseitigkeit. Als Berta aber erfuhr, dass Peter ausgewandert war, willigte sie schließlich ein Georg zu heiraten. Als seine Ehefrau wäre sie weg von ihrem kontrollierenden Vater und zugleich finanziell abgesichert. Ihre Hochzeit fand schließlich in Blieskastel statt. Berta wurde mit der Hochzeit zur Hofherrin, Hauswirtschafterin und Gärtnerin. Sie bekam mit Georg zunächst zwei Kinder, Tochter Hilde und Sohn Otmar.

Umzug nach Hanweiler

Obwohl sie gut umsorgt war und Georg ihr ein liebenswürdiger Ehemann war, wünschte Berta sich mehr vom Leben als ewig auf dem Hof zu verharren. Als die Agrarkrise auch den Drehbrunner Hof traf und Tochter Hilde ins schulfähige Alter kam, sah Berta ihre Chance diesem Wunsch ein Stück näher zu kommen. Sie überzeugte Georg schließlich den Hof zu verpachten und für ein paar Jahre nach Hanweiler Bad-Rilchingen zu ziehen, solange die Kinder auf der Schule waren. Um das Jahr 1929 nahmen sie einen Kredit für ein Haus auf, welches über ein Café und Fremdenzimmer verfügte. Trotzdem blieben die Einnahmen jedoch gering. Außerdem setzten nach einiger Zeit auch die Zahlungen der Pacht für den Hof aus.

Da Berta und Georg noch weiterhin für die Abgaben und Steuern des Hofes aufkommen mussten, konnten sie die anfallenden Kosten nicht mehr tragen. Auch als sie einen neuen Pächter für ihr Land bestimmten, besserte sich die finanzielle Lage nicht, sodass sie letztendlich den Drehbrunner Hof an die Bank abtreten mussten. Mittlerweile hatten Berta und Georg Zuwuchs von zwei weiteren Kindern bekommen, Sohn Hermann und Tochter Erna Maria. Um die Familie weiterhin ernähren zu können, musste Georg daraufhin im Straßenbau arbeiten.

Der zweite Weltkrieg und die Jahre danach

Während des zweiten Weltkrieges musste Berta mitsamt ihrer Familie insgesamt zweimal evakuiert werden. Zunächst gingen sie in den Harz, später nach Vilseck in Bayern. Aufgrund der starken Lebensmittelknappheit, ging Berta während dieser Zeit für ihre Familie betteln. Ihr ältester Sohn Otmar überlebte den Krieg als Soldat. Bertas Bruder Hermann kam jedoch ums Leben. 1953 verstarb schließlich auch ihr Ehemann Georg. Da er erst spät begonnen hatte in die Versicherung einzuzahlen, fiel Bertas Rente sehr klein aus. Bis sie von der Auszahlung eines Erbanteils leben konnte, musste sie deswegen zunächst von einem ihrer Söhne finanziert werden. 

Erst in ihren 1970er Jahren, konnte Berta allmählich das Leben für sich selbst genießen. Sie wurde Teil einer Strickgruppe, lernte andere Frauen kennen und reiste erstmals nach Lourdes und Österreich. Dann erlitt sie jedoch einen Schlaganfall und ihre Gesundheit verschlechterte sich. Ihre Tochter Erna kümmerte sich um sie, bevor Berta in das Pflegeheim in Auersmacher bei Kleinblittersdorf musste. Dort verstarb sie im Alter von 80 Jahren.


Verfasst von: Luisa Spindler, Studentin der Historisch Orientierten Kulturwissenschaften und Praktikantin im Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises

Veröffentlicht: 30.03.2026; Zuletzt aktualisiert: 27.04.2026.

Zitate

Sie fuhren zum Ende des Dorfes. Unter einem alten Kastanienbaum stand ein kleines, verwahrlostes Haus mit einem verfallenen Schuppen. Die Fensterläden waren verschlossen und die Steintreppe, die zur Haustür führte, war mit Moos beachten. Das Mauerwerk zeigte tiefe Risse; auf dem Dach fehlten einige Ziege. Es war das Armenahhaus der Gemeinde. [...]

Berta konnte sich kaum vorstellen, dass der Vater mit ihnen in diese heruntergekommene Haus ziehen wollte. Doch er hielt an, zog einen Schlüssel, den der Bürgermeister ihm gegeben hatte, aus der Hosentasche und sagte zu Luise: ‚Das ist unsere neue Heimat. [...]‘.“

Folz-Philipp, Erna Maria: Berta. Eine Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert, Norderstedt 2010, hier: S. 25.

Heilig Abend. Der Duft von Gänsebraten, Weinkraut und Röstkartoffeln zog durch das Haus. Berta sah durchs Küchenfenster den Schorsch über den Hof kommen. Er trug die Stalllaterne in der einen Hand und stapfte durch den Schnee zur Schmiede. Er wird den Heinrich zum Essen rufen, dachte sie. Bin mal gespannt, ob es ihm gelingt, die beiden Querköpfe an den festlichen Tisch zu bekommen.“

Folz-Philipp, Erna Maria: Berta. Eine Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert, Norderstedt 2010, hier: S. 75-76.

Nach zwei Jahren fuhr Schorsch zum ersten Mal auf den Hof, um nach dem Rechten zu sehen. Er fiel aus allen Wolken, als er sah, wie in dieser kurzen Zeit alles heruntergewirtschaftet wurde. [...]
Sie hatten einmal achtzig Hektar Land besessen und nun waren sie innerhalb von drei Jahren hoch verschuldet. Bertas Rechnung war nicht aufgegangen.“

Folz-Philipp, Erna Maria: Berta. Eine Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert, Norderstedt 2010, hier: S. 127.

Zum Weiterlesen / Literatur

Folz-Philipp, Erna Maria: Berta. Eine Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert, Norderstedt 2010.

Gefördert durch:

Logo zur Kofinanzierung von der Europäischen Union


Logo für das Minsterium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz Saarland


Das Logo der lokalen Aktionsgruppe Biosphärenreservat

Hier wird in den ländlichen Raum investiert!

Weiterlesen...