Digitale Zeichnung des Portraits einer Frau

Ruth Ricarda Bruch

Geborene Bergmann

 20.12.1911 in St. Ingbert

  13.08.1999 in Saarbrücken

Über Ruth Ricarda Bruch

Lyrikerin

Andere genießen in dem Alter ihren wohlverdienten Ruhestand, doch sie legte erst richtig los. Im Alter von fast siebzig Jahren begann die St. Ingberterin ihre ersten Gedichte zu veröffentlichen. In einem Interview im März 1981 mit einem Reporter der Saarbrücker Zeitung sagte sie:

Ich bin immer in etwas verliebt. In ein Bild, ein Buch, einen Mann, eine Frau, in die Farbe einer Blume, in den Klang einer Stimme, in eine Plastik – manchmal gleichzeitig in alles und jeden.“[1]


Warten heißt Sammeln

Als ihr erster Gedichtband erschien, war Ruth Ricarda Bruch bereits 71 Jahre alt. Dieser trägt den Titel „Warten heißt Sammeln“. In dem Band finden sich Gedichte aus fast jedem bis dahin erlebten Jahrzehnt. Sie schreibt schließlich nicht erst seit gestern. Mit 14 Jahren begann sie regelmäßig Gedichte zu verfassen, wovon es einige auch in ihr erstes Buch geschafft haben. Lange Zeit zögerte sie damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Schlussendlich gab sie dem Drang ihrer Familie und Freunde nach und fing an erste Gedichte in Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen. Ihre ersten Texte schrieb Ruth mit 14 Jahren über die Geburtstage ihrer Eltern, die Hochzeit von befreundeten Familien, aber auch über den Verlust einer ihrer beiden Schwestern. Ernsthafte Themen wie Tod und Trauer zogen sich wie ein roter Faden durch ihr Leben und ihre Gedichte.

Schwarz-Weiß-Foto von Ruth Ricarda Bruch, die lachend zwei Männern gegenüber steht. Einer hält ihren Gedichtsband in den Händen.
Ruth Ricarda Bruch bei der Veröffentlichung ihres ersten Gedichtbands „Warten heißt Sammeln“.


Eine saarländische Lyrikerin

Ruth Ricarda Bruch kam am zwanzigsten Dezember 1911 als Tochter des Rechtsanwalts Ludwig Bergmann auf die Welt. Bereits in den Teenagerjahren begann sie erste Gedichte zu schreiben. Die Themen wurden mit dem Tod einer ihrer beiden Schwestern schnell ernst und halfen dabei die Trauer zu bewältigen. 1932 machte Ruth ihr Abitur in Saarbrücken. Ihr Ehemann, Studienrat Jakob Wilhelm Bruch, starb früh. Er fiel 1944 im Zweiten Weltkrieg. Einige ihrer Gedichte handeln vom Tod ihres Mannes, von Trauer und Leid. Wieder andere spenden Hoffnung und Trost. Vielleicht waren die Zeiten, in denen sie aufwuchs, und die vielen Verluste der Grund dafür, dass sie „immer in etwas verliebt“ war - eine Attitüde und Eigenschaft, die sich viele Menschen heutzutage immer noch wünschen. Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung ihres ersten Buches „Warten heißt Sammeln“ starb auch ihr Sohn Michael Bruch im Alter von 44 Jahren. Sein Tod wirkt in ihrem zweiten Gedichtband „Wind im Haar“ schwer nach. Dem gegenüber stand allerdings ihre Liebe zum Detail, zu den kleinen Dingen. Neben Zeilen voller Wehmut und Trauer, findet sich in ihren Texten das Motiv des Traums: Die Flucht aus der Welt, weg von der Vergänglichkeit.

Schwarz-Weiß-Foto von Ruth Ricarda Bruch mit einer Zigarette im Mund.
Ruth Ricarda Bruch.

In einem Interview anlässlich ihres achtzigsten Geburtstags sprach sie davon, dass Liebe, die aus dem Herzen kommt, nicht altersgebunden sei. Und damit basta! Mit fünf Gedichten ist sie auch in der Anthologie „Glashaus“, einer Sammlung von Gedichten saarländischer Autoren, vertreten. Diese wurde 1991 veröffentlich. Selbst im hohen Alter schrieb sie weiterhin lyrische Texte. Trotz der Trauerfälle und dem vielen Leid, das sie erlebte, gab es immer ein Hauptthema in ihrem Leben: Liebe! Die sichtlich emanzipierte Lyrikerin, die optisch ein bisschen an einen weiblichen Heinrich Böll erinnerte, kann man nur bewundern. Ihre Denkweise und die in vielen Gedichten festgehaltene Leichtigkeit, kombiniert mit den ernsten Themen des Lebens, hat so das Potenzial Generationen zu überdauern.


Verfasst von: Jonathan Batz, Bachelor-Student an der Universität des Saarlandes

Veröffentlicht: 21.10.2025; Zuletzt aktualisiert: 30.03.2026.

Zitate

Du willst mich finden,
aber wer
weiß, wo ich bin.
Hat denn das Binden
der Worte noch einen Sinn
und jede Gebärde
zum Leben hin?

Lieg ich noch quer
im Schoß der Erde,
die mich hält und nicht gibt,
und muß ersterben
im Werben
um Licht,
ungeboren?

Vielleicht hat Gott mich geliebt
und wieder verloren
und sucht mich nicht
und will mein Vergehen
vor dem Beginn.

Du willst mich sehen,
aber ich bin
noch ohne Gesicht.“

Ruth Ricarda Bruch: Sterben und Werden, 02.08.1999.
aus: Nachlass Emil Dillmann im Stadtarchiv St. Ingbert

Ruth Ricarda Bruch hat […] ihre Gedichte nur für sich selbst geschrieben,  ‚um das, was mich berührt und bewegt, schmerzt und freut, beglückt und bedrückt, ängstigt und ermuntert, zu bewältigen‘. 
Ihre Lyrik, das ist sie selbst.“

Auszug aus dem Nachruf auf Ruth Ricarda Bruch.
Emil Dillmann: In alle und alles verliebt gewesen, in: Saarbrücker Zeitung, 16.08.1999.

Fußnoten

[1] Ruth Ricarda Bruch im Interview mit der Saarbrücker Zeitung. Dillmann, Emil: Immer in etwas verliebt, in: Saarbrücker Zeitung, 21.03.1981.

Zum Weiterlesen / Literatur

Bruch, Ruth Ricarda: Warten heißt Sammeln. Dillingen/Lebach 1983.

Dies.: Wind im Haar. St. Ingbert 1988.

Leonhardt, Katja: Weibliches Schreiben in regionalen Strukturen – Saarländische Lyrikerinnen der Gegenwart. München 2008.

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