Hochzeit römische Antike

Heiraten in der Römischen Antike
Digitale Präsentation zur Ausstellung „Desiderias Hochzeit“ des Römermuseums Schwarzenacker
Wie sah das Leben von Frauen in unserer Region vor 2.000 Jahren aus?
Damals gehörte das Gebiet des heutigen Saarpfalz-Kreises zum Römischen Reich.
Die Hochzeit war (auch) zu dieser Zeit ein wesentliches Ereignis im Leben. Das Römermuseum Schwarzenacker erzählt in seiner Ausstellung den Ablauf eines solchen Tages aus Sicht einer fiktiven Frau: Desideria.
Im Rahmen des Frauenspuren-Projekts werden auf dieser Seite Ausschnitte der Ausstellung digital präsentiert.

- Salvete
- Hygiene
- Schönheit
- Düfte
- Frisur
- Die Braut
- Schmuck
- Opfer
- Götter
- Hochzeit
- Kleidung
- Rolle der Frau
- Gastmahl
- Erotik
Salvete amici imperii romani. Mein Name ist Desideria1. Er bedeutet...
...‚die Erwünschte‘. Ich bin fast vierzehn Jahre alt. Nach meiner Geburt wurde ich meinem Vater vor die Füße gelegt. Er hob mich auf und erkannte mich auf diese Weise als seine Tochter an. Ich glaube, er hat sich gefreut.
Heute werde ich mit dem Mann vermählt, dem ich schon seit sieben Jahren versprochen bin. Ich freue mich, dass ihr mir an diesem ganz besonderen Tag zur Seite steht!“
Mein großer Tag beginnt wie jeder andere. Auch wenn ich vor Aufregung kaum geschlafen habe,...
...gehe ich wie immer zuerst auf die Toilette, die latrina. Eine Art Toilettenbürste, das xylospongium2, ist ziemlich nützlich. Wer keine eigene Toilette hat, benutzt einen Nachttopf oder eine Urinflasche3. Da Urin zum Bleichen und zum Reinigen verwendet wird, kann man mit dem Verkauf des Blaseninhaltes ein kleines Vermögen verdienen.
Ist das kleine Geschäft verrichtet, wasche ich mein Gesicht mit einem Schwämmchen4 und Eselsmilch. Das soll Falten vorbeugen. Auf meinen restlichen Körper trage ich Mixturen aus Natron, Lupinenmehl, Soda, Öl, Ziegenfett und Asche auf, die in kleinen Flaschen5 aufbewahrt werden. Anschließend schabt meine Sklavin die reinigenden Mittelchen mit dem strigilis6 wieder ab.
Für die Pflege meiner strahlend weißen Zähne brauche ich den Zahnstocher meines Toilettbesteckes7. Mit den Fingern reibe ich meine Zähne mit einem Zahnpulver aus Asche von Eselszähnen, Eselsmilch oder Urin ein. Mit dem Ohrlöffelchen meines Toilettbesteckes säubere ich mir die Ohren. Auch für die Maniküre brauche ich mein Toilettbesteck.“
Meine Sklavin bereitet Cremes und Schminkpasten vor. Auf Schminktäfelchen8-10...
...wird das Pulver unter Zugabe von duftenden Ölen mit Spateln11-13 zu Pasten verarbeitet. So entstehen Make-up, Rouge, Lidschatten und Kajal.
Ich benutze ein Make-up aus Hefe, Kreide14 oder Bleiweiß. Rote Wangen stehen für Gesundheit und Schönheit. Also trägt meine Sklavin Rouge15 aus Lackmus-Flechten, Rötel oder Ocker auf.
Die Augen setze ich mit grünem oder blauem Lidschatten aus Malachit16 und Lapislazuli17 in Szene. Meine Augen und Brauen, betone ich mit einer Art Kajal, den meine Sklavin aus zerriebener Holzkohle18, Wasser, Öl oder Speichel mischt.
Körperbehaarung unter den Achseln und an den Beinen entfernt meine Sklavin mithilfe einer Pinzette oder mit Enthaarungscremes. Sie enthalten Harz oder Öle. Deswegen sind sie weder hautverträglich noch riechen sie angenehm.“
Nur gut, dass meine Sklavin ein sensibles Näschen hat. Sie kann für jeden Anlass...
...herrlich duftende Cremes oder Parfüms kreieren, die in sehr schönen Balsamarien19-25 aufbewahrt werden. Wenn man Salz und Harze dazugibt, halten sie länger.
Erstaunlicherweise kennt meine Sklavin alle Aromen, alle Zutaten und sogar die Mengenangaben! Sie gewinnt konzentrierte Wohlgerüche aus Blüten, Samen, Blättern und sogar Rinde. Das Extrakt wird mit einem Öl aus grünen Oliven oder unreifen Trauben vermischt.
Die Zutaten für gute Odeurs stammen aus den entlegensten Teilen des Imperiums und sind ein Vermögen wert. Für Telinum werden 9 Aromen27-35 mit Öl vermischt. Dieses Parfüm benutzt Julius Caesar. Kleopatra scheint es gerne zu riechen. Vielleicht sollte ich es heute auch mal ausprobieren?“
An meinem Hochzeitstag muss meine Erscheinung makellos sein. Dazu gehört auch...
...eine passende Frisur. Ein Blick in meinen kleinen Handspiegel36 verrät, dass meine Haare noch weit von der Makellosigkeit entfernt sind! Um dem Abhilfe zu schaffen, braucht man unzählige Haarnadeln37-43, einen schrecklichen, schmerzbehafteten Kamm44 und eine ornatrix45, eine Sklavin, die nur für meine Frisur zuständig ist. Manchmal eskaliert die Lage. Bei mir nur ein bisschen. Ich meine, im Vergleich zu dem, was sich am Frisiertisch der Kaiserinnen zuträgt.
Im julisch-claudischen Kaiserhaus46 tragen die kaiserlichen Damen die Haare relativ schlicht. Die Schmerzen halten sich wohl noch in Grenzen. Aber in den folgenden 100 Jahren möchte man sich die Tragödien zu früher Stunde gar nicht vorstellen. Mit dem Ondulier-Eisen werden die Haare zu einer wahren Lockenpracht aufgetürmt47. Das kann sehr schmerzhaft sein. Und es geht gelegentlich fürchterlich schief. Dafür gibt es doch Haarteile und Perücken! Erst in der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. verlieren die Frisuren der Kaiserinnen48 an Konfliktpotential.
Mit Henna49 aus Ägypten schimmern die Haare leicht rötlich. Um die Haare dunkel zu färben, verwenden wir eine spezielle, wenig appetitliche Tinktur. Sie basiert auf Blutegeln, die sechzig Tage lang unter Luftverschluss in Wein und Essig eingelegt werden50. Eine helle, blonde Haarfarbe ist sehr angesagt. Das Bleichen der Haare mit Urin51 finde ich eklig, aber meine Mutter hält das Färben mit Goldstaub52 für übertrieben.
Eine blonde Perücke oder wenigstens ein Haarteil53 aus germanischem Frauenhaar ist mein sehnlichster Wunsch.
Anhand von Münzen mit den Bildnissen der Kaiserinnen weiß ich immer, welche Frisur im Kaiserhaus gerade „in“ ists.o.. Auch plastische Bildnisse zeigen interessante Frisuren63-64. Aber die topmodischen Frisuren sind am heutigen Tage kein Thema.“
Denn meine Hochzeitsfrisur folgt der Tradition und dem Brauch. Sie besteht aus...
...sechs Zöpfen, in die Wollbänder eingeflochten sind. Die Zöpfe werden zu einem Dutt zusammengefasst. Ein Kranz bekrönt meine Frisur. Er besteht aus Kräutern und Blumen, die ich heute Morgen gesammelt habe65.
Den Stoff für mein Brautkleid, die weiße tunika recta, habe ich selbst hergestellt. Als angehende matrone beherrsche ich alle Facetten der Textilverarbeitung aus dem EffEff. Für das Kleid der Kleider habe ich Unmengen Wolle gesponnen. Aus ganz feinen Fäden entstand am Webstuhl ein dünner weicher Stoff, aus dem ich einen topmodischen Chiton geschneidert habe. Das ist ein langes Kleid, das an den Ärmeln punktuell zusammengenäht wird. Dieses Modell ist der letzte Schrei in Griechenland.
Über der tunika trage ich eine safranfarbene stola. Sie ist in der Taille durch ein cingulum gegürtet. Erst in der Hochzeitsnacht darf der Knoten des Gürtels von meinem Bräutigam gelöst werden.
Meine Brautschuhe bestehen aus ganz feinem gelben Ziegenleder. Man nennt den Brautschuh socculus luteus.
Das Gesamt-Arrangement wird durch das flammeum, einen leuchtend orangefarbenen Schleier, abgerundet. Orange und Gelb symbolisieren das Herdfeuer und stehen für das häusliche Umfeld, in dem ich als frisch gebackene Matrone und neuer Haushaltsvorstand ab morgen meine Aufgaben wahrnehmen werde.
Mein Zukünftiger wird nichts an meinen Matronen-Qualitäten auszusetzen haben.“
Allerdings muss er dafür sorgen, dass ich an seiner Seite durch ein glamouröses Erscheinungsbild unseren Wohlstand...
...und somit seine gesellschaftliche Stellung hervorheben kann. In meinem Schmuckkästchen18-19 sollte auf keinen Fall gähnende Leere herrschen.
Es sollte schöne Pretiosen enthalten, und zwar nicht zu knapp bemessen. So wie bei meiner Mutter. Sie hat einen wunderschönen Armreif20 mit Punzmustern, Melonenperlen21 mit Unheil abwehrender Wirkung und einfache Glasperlen. Außerdem zählt ihr Geschmeide viele Fingerringe23-28 aus verschiedenen Materialien: Silber, Bronze, Eisen und Knochen.
Fibeln29-37 dürfen natürlich nicht fehlen. Meine Oma hat ihr einige Fibeln vermacht. Die Gewänder meiner Mutter werden also durch uralte Erbstücke, aber auch topaktuelle Fibel-Modelle zusammengehalten.“
Wie es die Tradition will, habe ich gestern Abend mein Spielzeug den Göttern geopfert. Ich heirate heute, also bin ich kein Kind mehr, sondern eine Matrone. Als solche...
...soll ich aber die Brettspiele beherrschen, um mich als gewitzte Gastgeberin zu erweisen. Also habe ich die Rundmühle behalten und nur meinen Würfelturm und die Nüsse geopfert86-88.
Schweren Herzens habe ich mich von meinen Astragalen, meinem Terracotta-Hahn und meiner gut gefüllten Spardose getrennt89-91.
Mir ist bewusst, dass Ehefrauen und Herrinnen über Haus und Hof nicht mehr mit Puppen92 spielen. Trotzdem habe ich mein Puppengeschirr93-94 nur sehr ungern in den Opferschacht geworfen!
Wir alle müssen Opfer bringen, sagt mein Vater. Er hat den Göttern vor gar nicht allzu langer Zeit ein schwangeres Schaf95 als Geschenk dargebracht. Zu Ehren der Götter verbrennt er Weihrauch96 und Myrrhe97 in einem Räucherkelch98. Die Opfergaben drapiert er auf einem großen Teller99. Gestern haben wir ein letztes Mal ein Rauchopfer in meinem Lieblings-Rauchopferaltar vollzogen...“
...Er sieht aus wie ein Bilch100 und hat seinen festen Platz beim lararium101, dem Hausaltar meiner Eltern. Unsere beiden Laren102-103...
...sind die Schutzgötter unseres Hauses und bewahren uns vor Unheil. Für mich als zukünftige Matrone gehört es sich, am Vorabend der Hochzeit die Muttergottheit104 und Iuno105, Göttin der Ehe und der Hochzeit, um Beistand zu bitten.
Meine Wünsche in Bezug auf meinen Bräutigam habe ich Venus106, der Göttin der Liebe und der Schönheit anvertraut. Was das Herdfeuer betrifft ist die Göttin Vesta107 die richtige Ansprechpartnerin.“
Ich kenne meinen Bräutigam schon seit unserer Verlobung. Aber nur flüchtig. Er heißt Severus...
...und ist 16 ¾ Jahre alt. Unsere Eltern haben vor sieben Jahren beschlossen, dass wir heiraten. Mein Vater sagt, dass es für beide Familien finanzielle und politische Vorteile hat. Heute ist es also soweit.
Noch vor der Katzenwäsche habe ich mit meiner Mutter einen Blick in die Zukunft geworfen. Juno sei Dank, das Omen ist vielversprechend ausgefallen. Nun kann mein Bräutigam kommen!
Im Haus meines Vaters werden wir die Eheschließung108 mit einem rauschenden Fest feiern.
Ich glaube, danach wird es ernst, weil ich mein Elternhaus zusammen mit meinem Gemahl verlassen werde. Er wird mich den Armen meiner Mutter entreißen und mich – begleitet von kryptischen Gesängen und Schreien – in das Haus seines Vaters bringen. Dabei verteilt mein Ehemann Nüsse, Süßigkeiten und Kuchen an Schaulustige. Man nennt diesen feierlichen Umzug deductio.
Ich bin dabei tief verschleiert und muss von zwei Brautjungfern geführt werden. Sie tragen für mich meine Spindel und die Rohwolle. Und natürlich die drei Münzen. Ich darf nicht vergessen, die erste Münze an der ersten Straßenkreuzung zu deponieren. Die zweite werde ich den Hausgöttern im Haus meines Schwiegervaters opfern. Die dritte Münze bekommt mein Mann als symbolische Mitgift.
Wenn wir bei meiner neuen Bleibe angekommen sind, umwickle ich als zukünftige Hausherrin die Türpfosten mit Wollbändern und salbe die Tür mit Öl. Mein Mann wird mich über die Türschwelle heben. Anschließend werde ich das Herdfeuer109 entzünden. Und dann kommt die Hochzeitsnacht110. Mit Severus.
Inzwischen, im Alter von fast 14 Jahren, habe ich mich gedanklich an ihn gewöhnt und an den Verlobungsring111, den er mir vor langer Zeit geschenkt hat. Ich glaube, er mag mich. Ein bisschen. Vielleicht werden wir sogar irgendwann ein Liebespaar112?
Jedenfalls werde ich unser Heim behüten und sorgsam mit den Schlüsseln113-116 umgehen. Die schönsten Einrichtungsgegenstände117-118 sind gerade gut genug. Für die Umsetzung meiner Wünsche hinsichtlich der textilen Ausstattung unseres Hauses ist ein eigener Webstuhl119 nötig. Ich werde eine – bestenfalls blondhaarige – Sklavin120 mit den textilen Aufgaben betrauen.“
Am Tag nach der Hochzeit gilt für mich auch eine ganz andere Kleiderordnung. Kleider sagen viel über ihre Trägerinnen aus. Seidenkleider...
...gelten als unschicklich. Sagt Severus. Er hat es kürzlich bei Seneca gelesen. Kleider aus Seide enthüllen mehr, als dass sie verhüllen. Matronen in Seidenkleidern verbindet man mit einem unseriösen Lebenswandel. Gegen bunte Kleidung hat Severus nichts einzuwenden.
Als verheiratete, römische Frau121 trage ich meine tunica, ein schlauchförmiges Gewand aus Wolle oder Leinen. Darüber ziehe ich die stola. Sie ist ein Mittelding aus Kittel und Schürze und sehr nützlich bei den alltäglichen Arbeiten. An den Schultern wird sie mithilfe von Fibeln oder Stoffstreifen zusammengehalten. Die palla ist ein großes rechteckiges Stoffstück, das ich mantelartig um den Körper lege. Wenn ich das Haus verlasse, verhülle ich damit mein Haupt. Außerdem trage ich nicht meine Sandalen, sondern die calcei muliebris. Diese geschlossenen Schuhe aus weichem Leder können mit Seidenstickereien, Perlen oder sogar Edelsteinen verziert sein!
Wenn ich Severus, mit der Toga bekleidet, bei öffentlichen Auftritten begleite, wird man meinen sozialen und gesellschaftlichen Status an meinem Matronen-Outfit erkennen.“
Severus ist ein Leben in der Öffentlichkeit zugedacht. Junge Männer erhalten...
...eine Ausbildung, um auf ihre Rolle und ihre Aufgaben in der Welt der Erwachsenen vorbereitet zu sein. Mädchen auch. Aber anders.
Frauen nehmen sich hauptsächlich der häuslichen Belange an und sorgen für geordnete familiäre Verhältnisse. Mein Leben spielt sich eher hinter den Kulissen ab: Ich werde ALLES geben für Heim und Familie!
Die Sklavenschar werde ich gut organisieren und das Herdfeuer wird nicht erlöschen.
Nähnadeln, Webgewichte, Spinnwirtel, Rohwolle und Scheren127-134 sind in puncto Wollverarbeitung fester Bestandteil meiner Arbeitswelt. Es heißt ja, selbst Kaiserin Livia fertigt des Kaisers neue Kleider selbst an. Ich bin guter Dinge, dass eine Sklavin unter meiner Anleitung diese Arbeiten hervorragend verrichten wird.
Unser Kinderglück wird unbeschreiblich sein135-138. Drei Jungs wären nicht schlecht. Dann nämlich hätte ich meiner Pflicht Genüge getan. Mädchen sind im Hinblick auf die Mitgift bei der Hochzeit einfach nicht für jeden erschwinglich. Töchter armer Familien werden manchmal ausgesetzt oder sogar getötet!
Bildung bringe ich auch mit. Ich kann anmutig tanzen und musizieren139 - 141. Singen ist allerdings so eine Sache. Aber meine Bildung kann sich „ohne Wenn und Aber“ sehen lassen. Ich kann lesen und schreiben142-150.
Severus sagt, mehr sei gar nicht nötig. Wenn ich der Gesellschaftsspiele einigermaßen mächtig wäre, würde ich als Gattin des Gastgebers bei jedem Bankett eine gute Figur machen.“
Severus und ich werden als Mitglieder der Oberschicht unsere Freunde, Bekannten und Geschäftsfreunde zu opulenten...
...Gastmählern einladen. Unschwer nachzuvollziehen, dass wir unseren Gästen keine gewöhnlichen Gefäße151-156 zumuten.
Severus schätzt die Rezepte von Apicius, einem zeitgenössischen Feinschmecker. Im Rahmen eines gepflegten Gastmahls werden mehrere Gänge aufgetragen. Beim Verzehr der teilweise befremdlich anmutenden Speisen, wie beispielsweise gebratenen Haselmäusen oder Flamingozungen, sind Löffel157-161 aus Silber, Bronze oder Knochen hilfreich. Flüssige und breiartige Gerichte werden gelöffelt, während Nahrung von fester Konsistenz mit dem spitzen Ende des Löffels aufgespießt werden. Mit einer Art Gabel162 lassen sich Muscheln gut öffnen und feinste Schneckchen gut essen163!
Unser Stand verlangt nach Repräsentation! Also weise ich die Sklaven an, die Speisen auf hochglänzendem Luxusgeschirr aus Terra Sigillata164-168 zu servieren.
Aber auch golden glänzende Bronzegeschirre169 - 174 und Glasgefäße175-178 vermitteln den Eindruck einer gewissen Noblesse. Es gilt nicht als unkultiviert, mit den Fingern zu essen. Ein Sklave steht mit Kanne und Griffschale zur Reinigung der Hände bereit.
Männliche Gäste werden sich die drei Liegen, die clinen, in unserem Speisezimmer, dem triclinium, teilen. Während ich den Geschehnissen in meinem Korbsessel sitzend beiwohne, nehmen die Herren die Speisen im Liegen ein.“
Unsere Terra-Sigillata-Schüsseln zeigen zuweilen erotische Szenen179-180. Und manchmal...
...wird viel zu viel Wein getrunken181. Kein Wunder, dass so manch abendliche Zusammenkunft im Freundeskreis nach dem Verinnerlichen der optischen Anreize schnell zur Orgie ausartet.
Da werde ich aber auf keinen Fall mitmachen! Severus wird auch an meiner Sittlichkeit nichts auszusetzen haben. Er wird niemals an meinen Matronen-Qualitäten zweifeln! Ich werde ihm auch keinen Vorwand liefern, sich eine oder mehrere Mätressen zu halten. Ich werde ihm keinen Vorwand liefern, mich zu verstoßen und meine Mitgift einzubehalten. Verstoßene Ehefrauen landen nämlich auf der Straße. Sie müssen ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdienen.
Die Nachfrage auf diesem Sektor ist riesig182. Allein in Pompeji gibt es 22 Bordelle, sogenannte lupanaria. Dort kann man spintrien kaufen. Auf der einen Seite dieser Wertmarken werden die dargebotenen Dienste abgebildet, auf der anderen Seite der Preis der Dienstleistung in Form einer römischen Zahl.
Das Los der Prostituierten ist unglaublich hart. Selbst ihre Schutzgöttin Venus vermag es nicht zu lindern. Eine lupa185, also eine Prostituierte, erkennt man an ihrem werbewirksamen, grellbunten Make-up und an den blondierten Haaren oder Perücken. Durch auffällig farbige, knielange Tuniken sowie durch einen aufreizend kurz geschnittenen Überwurf unterscheiden sie sich ebenfalls deutlich von den ehrenhaften Matronen.“


