Digitale Portrait-Zeichnung einer Frau

Ledwina (Lidwina) Lechner

 20.03.1913 in Rodalben

  im Jahre 2000 

Über Ledwina Lechner

NS-Widerständlerin

Ich habe in der Schule als Lehrerin der Entlaßschülerinnen immer wieder die Mädchen aufgeklärt über den Nationalsozialismus und seine schlimmen Folgen und bin gewiß, daß diese Mädchen nie liebäugeln werden mit solch extremen politischen Weltanschauungen”. [1]

Elternhaus und Profeß

Ledwina Lechner wurde am 20. März 1913 in Rodalben, als fünftes von acht Kindern in eine römisch-katholische Familie geboren. Ihre Eltern Franz Lechner und Dorothea geb. Klein erzogen Ledwina und ihre Geschwister streng religiös und waren, durch ihr christliches Leben, richtungweisend für Ledwina. Ihr Vater klärte sie früh über Hitler und dessen Ideen auf. Nachdem Ledwina 1928 Männer in braunen Uniformen sah, erklärte ihr Vater, dass dies keine Soldaten seien, sondern Nazis und „keine Leute von unserer Gesinnung”.[2] Für Ledwinas Zukunft eine ausschlaggebende Aussage, nach der sie sich die kommenden Jahre richtete und mit dem Lauf der Zeit und ihren eigenen Beobachtungen selbst eine Abneigung gegen den Nationalsozialismus entwickelte und somit diesen ablehnte.

Im April 1926 trat sie als Kandidatin im Lehrerinnenseminar der Dominikanerinnen in Speyer ein und nach erfolgreicher Absolvierung des Studiums, im März 1932, ließ sie sich im August 1932 als Dominikanerin einkleiden und wurde in das Noviziat aufgenommen. Ihre Profeß (Ordensgelübde) legte sie im August 1932 ab, obwohl Hitler bereits die Macht ergriffen hatte. Ihr Ordensname lautete Abscondia oder Abscondita. [3]

Schwarz-Weiß Gruppenfoto mit etwa 50 Kindern und einer nonne.
Schulbild von 1936 mit den Jahrgängen 1928 bis 1930 der Volksschule Blickweiler mit Schulschwester Abscondia Lechner (Historischer Interessenverein Blickweiler (Hrsg.), Blickweiler im Wandel der Zeit, 2000, S. 241). 


Widerstand gegen den NS

Schwarz-Weiß-Foto eines dreistöckigen Ziegel-Gebäudes.
Gebäudeansicht des Schulhauses in Blickweiler aus dem Jahr 1903. Im Hintergrund ist die Katholische Kirche zu sehen.

Im September 1933 kam sie nach Blickweiler und unterrichtete an der Volksschule bis 1937. Am 1.4.1937 wurden jedoch alle klösterlichen Lehrerinnen durch Nazigesetz aus ihren Stellen entlassen. Ledwina Lechner wirkte weiterhin als Organisatorin, Chorleiterin, verwaltete die Pfarrbücherei und lehrte Religion. Bereits 1933 organisierte sie die Jugend im Bund der Katholischen Pfadfinder. 

Zu dieser Zeit habe Lediwna Lechner eng mit Änne Meier zusammengearbeitet, welche zu dieser Zeit Gaufeldmeisterin für die Stämme Saar-Pfalz-Baden war. Bis 1935 war die Arbeit ungestört gewesen, bis für sie der Kampf gegen den NS einsetzte. Zusammen versuchten sie die Jugend zusammenzuhalten, damit der BDM - Bund deutscher Mädchen - in Blickweiler keinen Fuß fassen konnte. 

Dies führte zu Ärger bei der Parteileitung und der BDM und HJ-Führer. Man versuchte Ledwina dazu zu bringen die Mädchen zu überreden zum BDM zu gehen, was sie selbstverständlich ablehnte. Ab diesem Zeitpunkt der Verweigerung begann die Zeit der Hetze. Sogar auf Plakaten wurde zum BDM eingeladen „auch wenn gewisse erzieherische Elemente die Mädchen zurückhalten wollten”[4]damit war Ledwina Lechner gemeint. Als die Gestapo auf den Plan trat, spitzte sich die Lage für sie zu. Als diese bereits die Christus- und Lilienbanner beschlagnahmen wollten, vermachte Ledwina sie „der Kirche als Eigentum”[5] und rettete sie somit rechtzeitig. 

Schwarz-Weiß Foto eines Aufmarsches von Mädchen und jungen Frauen- Alle sind in dunklem langen Rock sowie heller kurzer Bluse mit Krawatte gekleidet.
Foto eines Treffens des BDM im Hechlertal bei Bierbach, unweit von Blickweiler.

Katholische Jugendverbände waren inzwischen auch verboten doch dank Ledwina existierten sie weiter und sie führte diese Gruppen als Singe- und Bibelkreise. Zusammen lasen sie die Mölders- und Galenbriefe, die Rundbriefe des Bundes und die Weisungen, die ihnen durch ihren geistlichen Führer (Kuraten) zukamen, somit waren sie stets über die Ziele der Nationalsozialisten informiert und hielten umso mehr an ihren eigenen Idealen fest. Auch rettete sie nicht nur die Banner vor der Gestapo, sondern kam ihnen mit den Pfarrbüchern ebenfalls zuvor. Als diese kamen, fanden sie lediglich leere Regale vor mit alten Büchern, alle anderen waren „ausgeliehen”, denn Ledwina gab sie verlässigen Leuten zur Aufbewahrung. Ihre bekannte abwertende Einstellung zu den Nationalsozialisten erboste laut ihrer Aussage sogenannte „Supernationalsozialisten”[6]. Man zeigte sie an, den Hitlergruß verweigert zu haben. Als sie an einem Geburtstag des „Führers” im Blumenbeet arbeitete, stimmte die HJ 30 Meter entfernt von ihr einen Sprechchor an: „Nur Nazigegner arbeiten an Führers Geburtstag”[7].

Gefängnis und dessen Folgen

Im Jahr 1939 wurden sie dann nach Thüringen evakuiert. Dort war sie mit der Schule dienstverpflichtend für die Dauer des Krieges und als die Saarländer im Jahr 1940 zurückkehren konnten, reichte sie ihren Entlassungsbescheid ein, dem auch stattgegeben wurde. Viele Bewohner aus Blickweiler seien nach Münsterschwarzach evakuiert worden, dort seien sie in einer Abtei der Benediktiner untergebracht. Im Mai 1941 sei diese jedoch auch im Zuge der Klosteraufhebungen gewaltsam geschlossen worden. Benediktiner verschickten Rundbriefe an Freunde, um von ihrer Verbannung und den Geschehnissen dort zu berichten. Die Gestapo fahndete und suchte nach den Briefen und deren Verfasser. Auch Ledwina Lechner hatte solch einen Brief erhalten. Als ein Kaplan in Kaiserslautern sie fragte ob die Geschehnisse nun wahr seien, gab sie ihm ihren Brief zum Lesen. Dieser machte jedoch im Kreise seiner Mitbrüder davon Gebrauch und somit wurde auch letztendlich Ledwina Lechner verhaftet neben jenen die Bezug zu diesem Brief hatten.

Sie verweigerte die Aussage, von wem die Briefe seien, selbst nach 1 1/2 Stunden Verhör und nach jeglichen Lockungen und Drohungen. Am Ende klagte man sie wegen „Heimtücke” an. Vom 25. Juli bis 21. Dezember 1941 saß sie in Untersuchungshaft in Saarbrücken Lerchesflur. Entlassen wurde sie vom Sondergericht in Berlin ohne Verhandlung und ohne Strafe. Bereits einen Tag später fahndete die Gestapo nach ihr, erst im Gefängnis dann in Blickweiler. Doch Ledwina Lechner war bereits in München, auf Rat Saarland-Pfalz zu verlassen, um einer erneuten Verhaftung zu entgehen. Der Haftbefehl wurde im März aufgehoben.

Ledwina berichtet selbst von der Härte und den Demütigungen denen sie als politischer Häftling ausgesetzt war. Durch Entbehrungen und Überreizungen der Nerven blieben schwere körperliche Schäden zurück. Sie arbeitete als Hausmagd im Gefängnis und hatte die Aufgabe mit anderen die schweren Kisten Koks in die Heizung zu „schleppen”. Dabei zog sie sich eine Halswirbelverschiebung zu, die im Laufe der Jahre immer schlimmer wurde. Eine Operation im Jahre 1953 soll keine Besserung gebracht haben und Ledwina befand sich deswegen für den Rest ihres Lebens in regelmäßiger, ärztlicher Behandlung. Die seelischen Spuren in ihrem Körper halten bis über die Entlassung an. Erst als die Amerikaner, auch wenn als Feinde, vor ihnen standen, wich die Angst vor dem Naziregime. „Mit Entsetzen verfolgte ich das Aufleben der Nazis in der NPD, aber auch mit noch größerer Genugtuung ihre Niederlage in den letzten Wahlen.”[8]. Ledwina Lechner verstarb im Jahr 2000.


Verfasst von: Janine Lea Koch, Bachelor-Studentin der Historisch orientierten Kulturwissenschaften

Veröffentlicht: 09.02.2026; Zuletzt aktualisiert: 31.03.2026.

Fußnoten

[1] Bericht von Ledwina Lechner, geschrieben 1969 in St. Ingbert, in: Elling, Hanna: Frauen im deutschen Widerstand 1933-45. Frankfurt am Main 1978, S. 120.

[2] Ebd. S.118.

[3] Gudrun, Müller: Frauen vor Ort. Auf Spurensuche in den saarländischen Landkreisen. Schriftenreihe der Arbeitskammer des Saarlandes zur Arbeits- und Sozialgeschichte, Band 4. St. Ingbert 2024, S. 296; Historischer Interessenverein Blickweiler (Hrsg.), Blickweiler im Wandel der Zeit, 2000, S. 214.

[4] Bericht von Ledwina Lechner, geschrieben 1969 in St. Ingbert, in: Elling, Hanna: Frauen im deutschen Widerstand 1933-45. Frankfurt am Main 1978, S. 118.

[5] Ebd. S.118.

[6] Ebd. S. 118.

[7] Ebd. S. 119.

[8] Ebd. S. 120.

Zum Weiterlesen / Literatur / Quellen

Bies, Luitwin: Widerstand aus dem kazholischen Millieu. St. Ingbert 1993, S.27.

Elling, Hanna: Frauen im deutschen Widerstand 1933-45. Frankfurt am Main 1978, S. 117-120.

Gudrun, Müller: Frauen vor Ort. Auf Spurensuche in den saarländischen Landkreisen. Schriftenreihe der Arbeitskammer des Saarlandes zur Arbeits- und Sozialgeschichte, Band 4. St. Ingbert 2024, S. 296f.

Wenke, Bettina: Interviews mit Überlebenden. Verfolgung und Widerstand in Südwestdeutschland. Stuttgart 1980.

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