Digitale Zeichnung des Portraits einer Frau

Maria Bauer

 06.02.1898 in Kusel

  Gestorben 04.11.1995 in Kusel 

Über Maria Bauer

Lehrerin, Bergsteigerin und Reiseschriftstellerin

Man tastet in die Zukunft, sinnt manchmal in vergangene Jahrzehnte. Mich dünkt, dies gelingt am besten in einem Gartenhaus. Es kann auch ein unsichtbares sein. Denn „das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. So sagt der „Kleine Prinz“ zu Saint-Exupéry.“

Maria Bauer über ihr ereignisreiches Leben in ihrem autobiografischen Werk „Sieben Farben hat der Regenbogen“

Von Kusel über Altheim in die Welt 

Maria Bauer wurde 1898 in Kusel als zweitältestes Kind einer Tuchverkäuferfamilie geboren und verbrachte dort ihre Kindheit und die ersten Schuljahre. Als sie vier Jahre alt war, starb ihr Vater und die Familie zog in das Haus der Großeltern „An der Landschaft“ in Kusel.[1] 1914 begann sie ihre Ausbildung zur Lehrerin bei den Dominikanerinnen von St. Magdalena in Speyer. Dort zeigte sie eine besondere Neigung für Kunst, Literatur und Religion- Interessen, die ihr ganzes Leben prägen sollten. Ebenfalls bekam sie die Möglichkeit, verschiedene Instrumente wie Orgel und Geige zu lernen. Besonders begeisterte sie sich jedoch für die wissenschaftlichen Fächer Mathematik und Physik.[2] Zur selben Zeit übernahm sie freiwillige Lazarettdienste. Die Konfrontation mit Krieg, menschlichem Leid und persönlichen Verlusten prägte Maria Bauer auf eine Weise, die ihr weiteres Leben und Weltbild entscheidend formte. 1917 legte sie ihr Lehrerinnenexamen ab und begann, an verschiedenen Schulen zu lehren.[3]

Unter anderem lehrte sie in Altheim (heute: Blieskastel), wo sie die Zeit nach Kriegsende miterlebte. Auch diese Station beleuchtet sie später in ihrer Autobiographie.[4]

Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit bildete sie sich weiter. 1923 wurde sie zu Schulungszwecken freigestellt und zog nach München. Sie studierte Pädagogik, Philosophie und Germanistik in München und Marburg. Studienbegleitend absolvierte sie ihr Abitur. Die Wochenenden und Semesterferien nutzte sie für Wanderreisen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.[5] Inspiriert durch ihren Bruder Paul Bauer begann sie, sich für das Bergsteigen zu interessieren. Da er ihre Teilnahme an einer Bergtour ablehnte, begann sie selbst, gemeinsam mit erfahren Bergführern, Touren in die Alpen zu übernehmen. Sie nahm es sich zum Ziel, verschiedene Dreitausender allein zu besteigen.[6] In ihrer Dissertation 1927 beschäftigte sie sich mit dem Verhältnis des Menschen zu seiner Zeit, einem Kernmotiv der Existenzphilosophie, das sie aus dem Denken des weltberühmten Philosophen Martin Heidegger aufgriff und weiterentwickelte. Sie bestand ihre Promotion mit der Note „magna cum laude“- mit großem Lob.[7] Ebenfalls engagierte sie sich bei der katholischen Jugendbewegung Quickborn und nahm an Wanderungen, religiösen Treffen und Bildungsveranstaltungen teil.[8]

Rückkehr nach Kusel und Zweiter Weltkrieg

[…] die Studienjahre in München, und vor allem auch das Sommersemester in Marburg, haben mich weit über die Enge eines Fachstudiums hinaus geistig angeregt und geformt.“

Maria Bauer über ihre Studienzeit in „Sieben Farben hat der Regenbogen“

Aufgrund knapper Geldmittel blieb Maria Bauer die Möglichkeit verwehrt, das Staatsexamen zu erwerben und an Gymnasien zu lehren. Stattdessen kehrte sie nach Kusel zurück und unterrichtete wieder an der Volkshochschule. Zwar belastete sie die der einfache, provinzielle Lebensstil, doch gegen die Langeweile half ihr ihr vielfältiges, kulturelles Engagement. Dabei kamen ihr ihre musikalischen und schriftstellerischen Fähigkeiten zugute. Sie organisierte zahlreiche Singwochen und Musikfahrten nach Europa, Asien und Afrika.[9] 1928 unternahm sie gemeinsam mit ihrem Bruder Paul Bauer eine Expedition in den Kaukasus.[10] Ebenfalls war sie in Kriegsgräberfürsorge aktiv und übernahm mehrere Patenschaften für Soldatenfriedhöfe, unter anderem in Sarajewo und Konstantinopel. Viele Jahrzehnte engagierte sie sich leidenschaftlich für soziale Projekte in der Region und unternahm Reisen in die verschiedensten Länder. Ihre Eindrücke hielt sie in Reisetagebüchern, Aquarellen und Zeichnungen fest. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erfüllte sie sich auch endlich den Wunsch im Alleingang ihren ersten Dreitausender-Berg in den Alpen zu besteigen.[11]

Der Zweite Weltkrieg beendete die unbeschwerten Jahre jedoch rasch. Erneut fühlte sich Maria Bauer dazu berufen, ihr Bestes zum Wohle anderer beizutragen. 1942 unterbrach sie den Schuldienst, um als „Soldatenheimschwester“ mit in den Krieg zu ziehen, um sich an vorderster Front um verwundete Soldaten zu kümmern. Auch hier fand sie eine Möglichkeit ihre akademischen Fähigkeiten einzusetzen. Durch ihre Hartnäckigkeit schaffte sie es den amerikanischen Lagerkommandanten zu überreden, in einer einfachen Baracke eine Schule für Kriegsgefangene zu errichten. Sie gründete eine Art „Kleinstuniversität“, in der sie Vorlesungen hielt und dadurch die Gefangenen ein wenig von dem erlebten Leid ablenkte. Allerdings mussten alle Lehrpläne mit dem Lagerkommandanten abgesprochen werden. Sie leitete die Lagerschule bis zur Auflösung des Gefangenenlagers im Jahr 1946.[12]  

Schwarz-Weiß-Portrait von einer Frau mit weißen Haaren, sowie darunter die Unterschrift "Dr. Maria Bauer".
Autogrammkarte von Maria Bauer aus dem Besitz von Frau Weber, Kusel, veröffentlicht 2008 von Manfred Richter unter  https://www.h0-modellbahner.de/kusel-meine-stadt-mainmenu-98.html.

Weiterer Lebensweg

Nach Kriegsende setzte Maria Bauer ihre Lehrtätigkeit fort. In den darauffolgenden Jahren begann sie ein weiteres Studium in den Fächern Geschichte und Germanistik in Mainz auf. Zugleich war sie auch in der Lehrerausbildung tätig.[13] In der Luitpoldschule in Kusel wurde sie später zur Beamtin. Nebenbei hielt sie Vorträge in der Volkshochschule über ihre Reisen und Kriegserlebnisse. Sie unterrichte nicht nur Kusel, sondern auch im Ausland. Zwischen 1961 und 1990 unternahm sie weitere Studienreisen, unter anderem auch nach Russland. In diesen Jahrzehnten bereiste sie fast alle Länder dieser Erde ohne Begleitung.[14]

Im Gartenhäuschen ihrer Familie verfasste sie verschiedene Bücher über ihre Reiseerlebnisse, darunter „Unterwegs“ und „Späte Wanderungen“. In ihrem 1971 erschienenen Werk „Sieben Farben hat der Regenbogen“ schildert sie ihr ereignisreiches Leben.[15] Bis zu ihrem Tod lebte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Therese in ihrem Wohnhaus in der Stadtmitte, welches seit 1820 im Besitz der Familie war und heute unter Denkmalschutz steht.[16] Als Reiseschriftstellerin und Vortragsrednerin blieb sie bis ins hohe Alter gefragt.[17] Maria Bauer starb 1995 im Alter von 97 Jahren in Kusel. Bis heute zählt sie zu den 30 historisch bedeutsamsten Frauen der Westpfalz und gilt als außergewöhnliches Beispiel für Bildungsengagement, kulturelle Offenheit und humanitären Einsatz.[18]


Verfasst von: Paulina Gräß, Studentin der Historisch orientierten Kulturwissenschaften

Veröffentlicht: 09.02.2026; Zuletzt aktualisiert: 30.03.2026.

Zitate

Auch wir machen Pläne. Heimlich schleichen wir uns an einem heißen Sommertag, während ,die Großen' im Laden und im Garten sind, ins kühle Zimmer der Großmutter, kuscheln uns aufs Kanapee und halten Kriegsrat. Es steht fest, dass wir nach Deutsch-Südwestafrika auswandern werden, wenn wir groß sind…“

Bauer, Maria: Sieben Farben hat der Regenbogen, Neustadt an der Weinstraße 1971, S.7.

Es hat eine jede Menschengeneration auf der Erde ihre eigene Geschichte.“

Ebd., S.28.

In der Bude meiner Freundin am Pündterplatz wird mir am 4. Juni 1927 feierlich der Doktorhut aufgesetzt. Die Studienzeit ist zu Ende. Das ist in der Jugendbewegung neu geschenkte Lebensgefühl geht mit durch das ganze weitere Leben. Dank dir Hochland, dir Quickborn, dir Wandervogel!“

Ebd., S.52.

Fußnoten

[1] Richter, Manfred: Kusel, meine Stadt, 03.01.2008, online unter: < https://www.h0-modellbahner.de/kusel-meine-stadt-mainmenu-98.html> [letzter Abruf: 23.11.2025].

[2] Bauer, Maria: Sieben Farben hat der Regenbogen, Neustadt an der Weinstraße 1971, S.17.

[3] Schnorr, Michael: Dr. Maria Bauer, online unter: <https://frauenspuren-westpfalz.de/landkreis-kusel/dr-maria-bauer-kusel > [letzter Abruf: 23.11.2025].

[4] Baus, Martin: Maria Bauer, in: literaturland saar online unter https://www.literaturland-saar.de/personen/maria-bauer/ [letzter Abruf: 09.01.2026].

[5] Schnorr, Michael: Dr. Maria Bauer, online unter: <https://frauenspuren-westpfalz.de/landkreis-kusel/dr-maria-bauer-kusel > [letzter Abruf: 23.11.2025].

[6] Richter, Manfred: Kusel, meine Stadt, 03.01.2008, online unter: < https://www.h0-modellbahner.de/kusel-meine-stadt-mainmenu-98.html> [letzter Abruf: 23.11.2025].

[7] Schnorr, Michael: Dr. Maria Bauer, online unter: <https://frauenspuren-westpfalz.de/landkreis-kusel/dr-maria-bauer-kusel > [letzter Abruf: 23.11.2025].

[8] Wedel, Gudrun: Bauer, Maria, in: Autobiografien von Frauen. Ein Lexikon, Köln und Böhlau 2010, S. 60.

[9] Schnorr, Michael: Dr. Maria Bauer, online unter: <https://frauenspuren-westpfalz.de/landkreis-kusel/dr-maria-bauer-kusel > [letzter Abruf: 23.11.2025].

[10] Richter, Manfred: Kusel, meine Stadt, 03.01.2008, online unter: < https://www.h0-modellbahner.de/kusel-meine-stadt-mainmenu-98.html> [letzter Abruf: 23.11.2025].

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Wedel, Gudrun: Bauer, Maria, in: Autobiografien von Frauen. Ein Lexikon, Köln und Böhlau 2010, S. 60.

[14] Ebd.

[15] Richter, Manfred: Kusel, meine Stadt, 03.01.2008, online unter: < https://www.h0-modellbahner.de/kusel-meine-stadt-mainmenu-98.html> [letzter Abruf: 23.11.2025].

[16] Ebd.

[17] Ebd.

[18] Ebd.

Zum Weiterlesen / Literatur / Quellen

Bauer, Maria: Sieben Farben hat der Regenbogen, Neustadt an der Weinstraße 1971.

Baus, Martin: Maria Bauer, in: literaturland saar online unter https://www.literaturland-saar.de/personen/maria-bauer/ [letzter Abruf: 09.01.2026].

Richter, Manfred: Kusel, meine Stadt, 03.01.2008, online unter: <https://h0-modellbahner.de/kusel-meine-stadt-mainmenu-98.html> [letzter Abruf: 23.11.2025].

Schnorr, Michael: Dr. Maria Bauer, online unter: <https://frauenspuren-westpfalz.de/landkreis-kusel/dr-maria-bauer-kusel> [letzter Abruf: 23.11.2025].

Wedel, Gudrun: Bauer, Maria, in: Autobiografien von Frauen. Ein Lexikon, Köln und Böhlau 2010, S.60.

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