Unter dem Titel „Bildgeschwister – zwei Motive, ein Künstler“ wurden in der Galerie der Kreisverwaltung erstmals zwei barocke, aus der Sammlung von Schloss Karlsberg stammende Gemälde gezeigt. Es sind unterschiedliche Motive aus der gleichen Künstlerhand: eine Leihgabe und eine Schenkung, die einen spannenden Zeitenwandel darstellen.
Die Schenkung zeigt eine klassische Idylle – ein Hirtenpaar mit Herde in friedlicher Landschaft. Das Pendant hierzu, also ein Bild gleicher Größe, gleich gerahmt und von gleicher Hand gemalt, zeigt eine antike Stadt in einem Flusstal mit Schiffen. Was beide Bilder zudem vereint, ist ihre Herkunft. Sie stammen aus der Sammlung des Schlosses Karlsberg. Französische Revolutionstruppen zerstörten 1793 die Anlagen der Residenz von Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken auf dem Karlsberg. Zuvor gelang es jedoch Johann Christian von Mannlich, Hofmaler und Generalbaudirektor, die umfassende Gemäldesammlung über Mannheim nach München zu retten. Förster Johann Heinrich Lindemann war einer derjenigen, die zu dem Gelingen dieses Coups beitrugen. Als Dank dafür erhielt er unter anderem die in der Ausstellung gezeigten Werke, die sich seither über all die Zeitenläufe hinweg in Familienbesitz befanden. Zu seinen Nachfahren gehören Prof. Dr. Max Lindemann, früherer Chefarzt der Chirurgie und Ärztlicher Direktor am Kreiskrankenhaus in St. Ingbert und Dipl.-Kfm. Christian Lindemann, ehemaliger Besitzer von Gut Lindenfels bei Alschbach.

Landrat Frank John dankte Prof. Max Lindemann für dessen Schenkung. Foto: Beate Ruffing
Einer glücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass Prof. Lindemann sein Gemälde dem Saarpfalz-Kreis, vertreten durch die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Schwan vom Kulturmanagement, zur Schenkung anbot und dabei auf das Pendant aufmerksam machte. Sie brachte die beiden Werke zusammen und vereinte sie sozusagen in einer kleinen Ausstellung. Bei ihrer Einführung lenkte sie den kunsthistorischen Blick auf ähnliche Gemälde des im pfälzischen Otterberg geborenen Johann Heinrich Roos und seiner Söhne, die sich in zahlreichen Museen europaweit finden lassen, und erklärte die historischen Zusammenhänge zu Schloss Karlsberg, das in ihrer Arbeit beim Kreis einen Schwerpunkt bildet. Sie lud bei der Eröffnung und bei den von ihr ins Leben gerufenen, zehnminütigen Mittagspausenführungen zum persönlichen Betrachten scheinbar winziger Details und Zusammenhänge zu berühmten Malern dieser Epoche, die Elemente wie Ziegen, Viehherden als Ausdruck des Handels und des Fortschritts in ihre Bildsprache aufgenommen hatten. „Ich danke den Familien Lindemann, dass sie uns die Gelegenheit geben, die „Bildgeschwister“ nebeneinander zu betrachten und zugleich ein Stück Familiengeschichte überlassen – für diese Ausstellung und durch Schenkung darüber hinaus“, sagte Landrat Frank John bei der Ausstellungseröffnung. Während die Leihgabe wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückging, wird die Schenkung perspektivisch im Römermuseum in Schwarzenacker zu sehen sein.
