Zur Verwunderung von Anwohnern und Passanten ist seit neuestem an der Giebelseite des Christian von Mannlich-Gymnasiums in der Hiltebrandtstraße eine Holzinstallation zu sehen. Es handelt sich um eine Wooden Wave - eine partizipative Installation aus Holzlatten, auf denen Botschaften hinterlassen, Wünsche und Hoffnungen zum Ausdruck gebracht werden. Sie ist individuell und hat einen thematischen Bezug zu ihrem Standort. Den Impuls für diese Installation gab der saarländische Bildhauer Martin Steinert. Seine Wooden Clouds gibt und gab es im Saarland, aber auch in Augsburg, Berlin, Dakar, Essen, Havanna, Lüttich, München, Paris, Prag, Ramallah, St. Petersburg und Tirana.
2026 jährt sich zum 30. Mal der erste Delegationsbesuch aus dem Saarpfalz-Kreis in Henrico County/Virginia. Das gab den Impuls für die Kreispartnerschaft 1997. Schülerinnen und Schüler des Christian von Mannlich-Gymnasiums und der Mills E. Godwin High School ließen im Rahmen des diesjährigen Schüleraustauschprogramms ein sichtbares Symbol zu diesem Jubiläum entstehen. Sie setzten sich in einem kreativen, kooperativen Prozess mit den Werten Frieden, Freiheit und Demokratie auseinander und gestalteten aktiv alle Phasen – von der Planung über den Modellbau bis zur Realisierung. Während der Arbeiten entstand die charakteristische Wellenform, die der Installation ihren Namen gibt. Projektstart war bereits vor drei Jahren. Online-Meetings mit der Partnerschule folgten die Überlegungen mit der Schulleitung und dem Immobilienmanagement des Saarpfalz-Kreises zum Standort.
Schulleiter Dirk Kleemann sagte bei der Präsentation: „Ein solches Projekt wie die Wooden Cloud–Wooden Wave ist etwas Außergewöhnliches, etwas, was man an einer Schule nur selten erlebt. Es ist wichtig, das Verbindende mit unseren Freunden aus Virginia in den Mittelpunkt zu stellen - und nicht das Trennende. Gewachsene Verbindungen, die bereits mehrere Jahrzehnte bestehen, gilt es zu erhalten und zu pflegen. Und das Verbindende wird in diesem Projekt deutlich.“ Mit seinen Kolleginnen Uta Linke und Anne Kany hatte Kunsterzieher Andreas Dorn Schülerinnen und Schüler angefragt, nach der Schule mitzuarbeiten. Mit einem beeindruckenden Feedback meldeten sich 50 Schülerinnen und Schüler. Zunächst wurden mit kleinen Holzstäbchen und Heißkleber maßstabsgetreue Modelle der zwölf Segmente als Grundlage für das spätere gemeinsame Zusammenbauen angefertigt. Aus Sicherheitsgründen hat Steinert die Segmente an der Wand selbst montiert. Mit Rat und Tat stets dabei war Hausmeister Martin Marx. „Als Kunsterzieher hatten wir die grandiose Möglichkeit, mit einem Künstler zusammenzuarbeiten, der bereit ist, die Ideen der Schüler in seine Gestaltung mit zu integrieren. Wir haben ‚Kunst am Bau‘ und mit dem weithin sichtbaren Kunstwerk eine Art Landmarke für die Stadt Homburg geschaffen“, erklärte Andreas Dorn. Englisch- und Politiklehrer Stephan Leonhardt, der die Henrico-Austausche seit 2000 leitet, hatte gemeinsam mit Deutsch- und Geographielehrer Joseph Ungerleider an der Mills E. Godwin High School beim Schüleraustausch 2025 die Kontakte zur dortigen Kunstlehrerin Catherine Bare geknüpft, so dass beim Gegenbesuch Ende September diesen Jahres eine WoodenWave in Henrico als zweites Projektteil entstehen wird. „Grundsätzlich kann man rückblickend über alle Austausche sagen, dass es auf beiden Seiten engagierte Landkreise und wohlwollende Gastgeber gab und gibt. Und mit Joseph Ungerleider - als einzigen Deutschlehrer an der Godwin High School - einen Kollegen gibt, der das richtig gut macht. Zum Projektende wird mit Unterstützung des Deutsch-Amerikanischen Instituts eine Evaluation durchgeführt“, informierte Leonhardt. „Die Partnerschaft macht es möglich, sich besser kennenzulernen und gegenseitige Wertschätzung und Freundschaft auf internationaler Ebene zu entwickeln. Dies ist besonders wichtig für die unterschiedlichen Blickwinkel der Teilnehmenden. Wenn wir miteinander reden, lernen und zusammenarbeiten, schaffen wir Verständnis füreinander. Unser Projekt zeigt, dass eine starke Partnerschaft möglich ist. Ich freue mich auf die Zukunft“, dankte Ungerleider den Schülern und den Gastgebern. Dies unterstrichen auch Xenia Martel, Emma Virginia Tucker, Leon Schröder und William Mac Kusterer in ihren Schülerstatements.
Helen Patton, Enkelin von General George S. Patton und Gründerin der Patton-Stiftung, zugleich Projektfördererin, ist bewegt über den interkuturellen Austausch: „Die Welle ist ein Symbol für die Freundschaft über den Ozean, verbindet Wachstum und Bewegung neuer Ideen. Es gibt keine Grenzen, um Innovationen voranzutreiben. Indem wir einzelne Stücke transformieren und ineinanderfließen lassen, können wir zeigen, wie gut sie zusammenkommen und sich ergänzen. Das Geschaffene erinnert uns daran, dass Fortschritt aus der Verbindung von Kreativität und Anpassungsfähigkeit entsteht.“ Die Schüler hinterließen ihre Botschaften auf den Holzlatten. Hierzu Martin Steinert: „Was ich zunächst nicht bedacht habe oder bedenken konnte, war, dass das Projekt über die Botschaften relativ schnell zu einem Friedensprojekt wurde. Die Menschen haben - wenn man sie nach ihren Wünschen und nach ihren Botschaften fragt - einfach ganz essentielle Dinge aufgeschrieben. Und fast immer hat es sich um Frieden, Freiheit und freundliches Zusammenleben mit den Nachbarn gedreht“, verdeutlicht er zu den über 40 Wooden-Cloud-Projekten weltweit.
Christine Streichert-Clivot, Ministerin für Bildung und Kultur, hatte die Schirmherrschaft übernommen: „Die Wooden Wave steht für das, was Schule leisten kann: junge Menschen über Grenzen hinweg zusammenbringen, gemeinsame Werte erlebbar machen und den demokratischen Dialog fördern. Dass Schülerinnen und Schüler aus dem Saarland und Virginia dieses Symbol der Freundschaft gemeinsam geschaffen haben, ist ein starkes Zeichen für Verständigung, Offenheit und den Wert internationaler Partnerschaften. Solche Begegnungen prägen junge Menschen nachhaltig und zeigen, wie Frieden und Zusammenhalt im Kleinen wachsen können.“
Für Landrat Frank John ist das Projekt eine kulturelle Brücke: „Möge die Wooden Wave den Prognosen nach auch die nächsten 20 Jahre bestehen bleiben zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft. Das Projekt weckt bei allen, die sich am nächsten Austausch in Henrico beteiligen, spannende Neugier.“
