
Erna Woll
23.02.1917 in St. Ingbert
07.04.2005 in Friedberg bei Augsburg
Über Erna Woll
Komponistin, Kirchenmusikerin, Musikpädagogin und Autorin
Erna Woll war eine bedeutende Komponistin geistlicher Musik des 20. Jahrhunderts. Ihr umfangreiches Werk umfasst vor allem Chor- und Kirchenmusik. Neben ihrem künstlerischen Schaffen engagierte sie sich als Hochschullehrerin auch musikpädagogisch. Ihre Herkunft aus dem Saarpfalzkreis macht sie zu einer wichtigen Frau der regionalen Kulturgeschichte.
Kindheit und musikalische Ausbildung
Erna Woll wurde am 23. März 1917 in St. Ingbert geboren. Schon in ihrer Kindheit entwickelte sie ein starkes Interesse an Musik. Ihr Vater war Karl Woll (1881-1959), ein Hüttenbeamter und ihre Mutter Anna Illig (1882-1963). Die familiäre Umgebung unterstützte ihre musikalischen Fähigkeiten, sodass sie früh Instrumentalunterricht erhielt.
Zwischen 1936 und 1950 absolvierte sie zahlreiche Studiengänge, darunter evangelische und katholische Kirchenmusik, Komposition, Schulmusik, Musikwissenschaft und Germanistik. Außerdem studierte sie Orgel und Klavier und beschäftigte sich mit Gregorianik.
Zu ihren wichtigsten Ausbildungsstationen gehörten Heidelberg, München und Köln. In Heidelberg studierte sie zunächst evangelische Kirchenmusik, bevor sie ihr Studium an der Akademie der Tonkunst in München fortsetzte. Dort belegte sie unter anderem Komposition und Schulmusik.

1941 konvertierte Woll vom evangelischen zum katholischen Glauben. Diese Entscheidung beeinflusste ihr späteres Schaffen erheblich, da ein großer Teil ihrer Kompositionen katholisch geprägt ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg ergänzte sie ihre Ausbildung durch ein Studium der katholischen Kirchenmusik in Köln.
Pädagogische Tätigkeit
Nach Abschluss ihrer Ausbildung arbeitete Woll zunächst als Kantorin und Kirchenmusikerin. Ab 1950 war sie Schulmusikerin an der katholischen Lehrerinnenbildungsanstalt in Weißenhorn tätig. Dort sammelte sie umfangreiche pädagogische Erfahrungen und begann zunehmend zu komponieren.
1962 wurde sie Dozentin für Musikerziehung an der Pädagogischen Hochschule Augsburg. Dort wirkte sie maßgeblich an der Ausbildung zukünftiger Musiklehrerinnen und Musiklehrer mit. Sie gründete außerdem den Chor der Pädagogischen Hochschule, aus dem später der Universitätschor hervorging.
1970 erhielt Woll den Titel einer Honorarprofessorin. Zwei Jahre später musste sie aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand treten. Anschließend arbeitete sie als freischaffende Komponistin weiter.
Neben ihrer Lehrtätigkeit beschäftigte sie sich intensiv mit musikpädagogischen Fragestellungen, insbesondere mit neuen Formen des Musikunterrichts wie der programmierten Unterweisung.
Komposition

Neben ihrer pädagogischen Tätigkeit widmete sich Woll intensiv der Komposition. Ihr Werk umfasst mehr als zweihundert Kompositionen, vor allem geistliche Chormusik. Dazu gehören Motetten, Kantaten und liturgische Gesänge sowie Werke für Orgel. Ein besonderer Bereich ihres Schaffens war das Neue Geistliche Lied.
Charakteristisch für ihre Musik ist die Verbindung traditioneller Formen mit moderner Tonsprache. Woll bemühte sich darum, religiöse Inhalte musikalisch verständlich auszudrücken. Ihre Werke wurden in vielen Kirchengemeinden aufgeführt und fanden auch überregional Beachtung.
Bedeutung und Auszeichnungen
1972 musste sie aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand treten. Danach konzentrierte sie sich ganz auf das Komponieren. In dieser Zeit entstand ein bedeutender Teil ihres Werkes.
Für ihre Leistungen erhielt Erna Woll mehrere Auszeichnungen. Dazu gehörten das päpstliche Ehrenkreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“ sowie das Bundesverdienstkreuz. Diese Ehrungen würdigten sowohl ihr kompositorisches Werk als auch ihre pädagogische Tätigkeit.
Ein Teil ihres Nachlasses befindet sich im Universitätsarchiv Augsburg sowie in der Bayerischen Staatsbibliothek.
Bis ins hohe Alter blieb Woll künstlerisch tätig. Sie starb am 7. April 2005 in Friedberg bei Augsburg. Auch wenn ihr berufliches Wirken überwiegend in Bayern stattfand, blieb ihre Herkunft aus St. Ingbert ein wichtiger Teil ihrer Biografie. Als Komponistin mit Wurzeln im Saarpfalzkreis gehört Erna Woll zu den bedeutenden Musikerinnen der regionalen Geschichte.
Verfasst von: Olivia Zitzmann, Bachelor-Studentin Musikwissenschaft an der Universität des Saarlandes
Veröffentlicht: 30.03.2026; Zuletzt aktualisiert: 30.03.2026.
Zitate
Die Verantwortung, Töne – nach ihren verschiedenen Qualitäten – so zu ordnen, dass sie in sich, für mich eine Aussage machen und für andere eine nicht überflüssige Mitteilung werden, beschwert mich bis zur Qual. Aber dies ist meine Existenzform.“
Walther, Uta: Komponistinnen und ihre Chorwerke: Erna Woll, in: inTakt. Magazin für Kirchenmusik im Bistum Augsburg, Nr. 1, 2024, S. 8.
Ich vertone am liebsten vokal. Im Vokalen habe ich mehr Eigenes zu sagen.“
Walther, Uta: Komponistinnen und ihre Chorwerke: Erna Woll, in: inTakt. Magazin für Kirchenmusik im Bistum Augsburg, Nr. 1, 2024, S. 8.
… Von vielen möglichen Funktionen der Musik … halte ich jene für die wichtigste, die den Menschen ein transzendierendes Durchhören ermöglicht.“
Walther, Uta: Komponistinnen und ihre Chorwerke: Erna Woll, in: inTakt. Magazin für Kirchenmusik im Bistum Augsburg, Nr. 1, 2024, S. 8.
Zum Weiterlesen / Literatur / Quellen
Ames-Reiber, Hildegard:, Ernestine (Erna) Woll. Eine Musikerin aus St. Ingbert, in: Heidemarie Ertle/ Gerhard Sauder (Hrsg.), St. Ingberter Biografien, St. Ingbert 2023, S. 325-346.
Grünsteudel, Günther: ‘Ich vertone am liebsten vokal’: Erna Woll zum 100. Geburtstag, in: Musik in Baden-Württemberg: Jahrbuch (2017/18), Bd. 24, Jubiläumsband, Stuttgart 2018, S. 237-248.
Grünsteudel, Günther: Erna Woll (1917–2005), Komponistin und Musikpädagogin, in: Lebensbilder aus Bayerisch-Schwaben Bd. 19, Augsburg 2017, S. 483-516.
Walther, Uta: Komponistinnen und ihre Chorwerke: Erna Woll, in: inTakt. Magazin für Kirchenmusik im Bistum Augsburg, Nr. 1, 2024, S. 8-9
Institut für Landeskunde im Saarland (Hrsg.): Erna Woll, in: Saarland-Biografien, Saarbrücken
http://www.saarland-biografien.de/frontend/php/ergebnis_detail.php?id=927 (abgerufen am 24.02.2026)


