Digitale Illustration eines Frauenportraits
© Helen Tepper

Cornelia Grund

geborene Siebenpfeiffer

  19. Juli 1826  in Homburg

  unbekannt

Über Cornelia Grund

„Neben diesen Künstlern hatte die jugendliche Pianistin, Fräulein Amalie Grund, wahrlich keinen leichten Stand. aber umso ehrenvoller ist der Erfolg, den sie sich errang. Sie spielte die zwei letzten Sätze (Romanze und Rondo) aus dem E-moll-Concert von Chopin mit trefflichem Erfolg und wurde vom Publikum durch Applaus und Hervorrufe mit unverkennbarer Sympathie ausgezeichnet“

Am 31. Juli 1872 erschien diese Kritik in der „Neuen Berliner Musikzeitung“. Baden-Baden war zuvor, am 20. Juli, der Schauplatz des Konzertes gewesen, bei dem sich die damaligen Größen der klassischen Musik ein Stelldichein gegeben und vor übervollem Haus Kostproben ihres Könnens zu Gehör gebracht hatten. An den Bekanntheitsgrad der ausgewiesenen Virtuosen kam die erwähnte Nachwuchspianistin Amalie Grund noch nicht heran; der in Baden-Baden heimischen Musikerin stand die Karriere erst noch bevor. Sie war zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt. Als sie am 17. März 1848 zur Welt gekommen war, war ihr viel berühmterer (und nicht minder berüchtigter) Großvater seit bald drei Jahren tot.

Amalie Grund war die Enkelin von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der von 1818 bis 1830 als erster Landcommissär in Homburg fungierte. Als er sich dann mit „seinem Chef“, dem bayerischen König Ludwig I., in die Wolle geriet, wurde er zur Galionsfigur der freiheitlich-demokratischen Bewegung, die im Hambacher Fest im Mai 1832 ihren Höhepunkt finden sollte. Während Siebenpfeiffers Homburger Amtszeit hatte seine Ehefrau Emilie geborene von Weiseneck die gemeinsame Tochter zur Welt gebracht: Cornelia Siebenpfeiffer war am 19. Juli 1826 im damaligen Domizil der Familie zwischen katholischer und evangelischer Kirche zur Welt gekommen. Das Elternhaus, in dem ihr Vater seine Dienstgeschäfte verrichtete und in dem die Familie auch wohnte, ist 1964 Jahre abgerissen worden.

Radierung eines Hauses
© Willi Spiess 1988 / Siebenpfeiffer-Stiftung
Das Siebenpfeiffer-Haus. Kaltnadelradierung des Homburg-Altstadter Künstlers Willi Spiess aus dem Jahr 1988.

Das Gebäude, das heute an gleicher Stelle steht und das als „Siebenpfeiffer-Haus“ firmiert, beherbergt noch immer ein Zeugnis dieser Zeit: eine silberne „Patene“, eine Taufschale, die mit der Gravur: „Cornelia Siebenpfeiffer, der protest. Kirche zu Homburg am 13. September 1826 Tauf-Geschenk“ versehen ist. Gefertigt wurde das kreisrunde Tablett von der Zweibrücker Gold- und Silberschmiede Weihinger, wie das hinterlassene Initial „W“ ausweist. „Indem ich die Freude habe, Ihnen, würdige Herren, eine silberne Brodplatte für die hiesige prot. Kirche zu überreichen, bitte ich Sie, solche als kleines Taufgeschenk meiner Tochter Cornelia, welche Sie in ihre Kirchengemeinde aufgenommen haben, und als ein Zeichen des Dankes der Mutter gegen den himmlischen Vater, der sie spät noch mit diesem lieben Kinde begnadigt hat, so wie als ein Band unaufhörlicher Verknüpfung dieses Kindes mit der prot. Kirche anzusehen. Es geharret mit Hochachtung Ihre Ergebene Emilie Siebenpfeiffer“, heißt es in einem Begleitschreiben, das an die Mitglieder des Presbyteriums gerichtet war. Der Geburtseintrag im Homburger Standesamt als „Corneli Siebenpfeiffer“ war am 21. Juli 1826 beurkundet worden. Unterschrieben ist die Notiz von Siebenpfeiffer selbst, von Bürgermeister Adam Zott, Friedensrichter Ludwig Schmidt sowie von Friedrich Schmolze, der als „Aktuar“ Siebenpfeiffers engster Mitarbeiter im Landcommissariat war.

Farbfoto einer Taufschale mit Inschrift
© Foto: Siebenpfeiffer-Stiftung
Taufschale der Cornelia Grund.

Cornelia Siebenpfeiffer verbrachte ihre vier ersten Lebensjahre in Homburg, lebte sicherlich behütet in einem bürgerlichen Umfeld, in dem es an nichts fehlte. Die Listen, die sich erhalten haben und die Auskunft geben über das Inventar des Hausstandes in der damaligen „Landcommissariatsgasse“, sind Beleg dafür: Musikinstrumente wie „ein ganz großer und vorzüglich guter Wiener Flügel, welcher von Mahagoniholz verfertigt und durchgängig dreichörig ist“, „eine Flöte von Ebenholz mit acht silbernen Klappen“ oder ein „treffliches Violoncello von 1723, erlesene Möbel, wertvolle Gemälde und eine vielseitig ausgerichtete Bibliothek dokumentieren den Wohlstand der Familie und auch deren musikalische Interessen.

Mit der Entlassung Siebenpfeiffers aus dem Amt des Landcommissärs im Dezember 1830 endete diese privat-biedermeierliche Phase abrupt. Der Familie und auch der Tochter Cornelia stand eine Odyssee bevor, die von einschneidenden Ereignissen und Schicksalsschlägen gekennzeichnet sein sollte. Von Homburg aus ging es zum Jahresbeginn 1831 zunächst nach Zweibrücken, darauf nach Oggersheim und im Frühjahr 1832 nach Haardt. In dem Dorf oberhalb von Neustadt bereitete Siebenpfeiffer das Hambacher Fest vor und wurde dort Mitte Juni 1832 auch verhaftet. Nach 14 Monaten hinter Gittern wurde er in dem spektakulären Gerichtsverfahren in Landau zwar freigesprochen. Da ihn der bayerische König Ludwig II. aber mit aller Macht weggesperrt haben wollte, kam er nicht auf freien Fuß - er wurde wegen „Beleidigung seiner Majestät“ abermals angeklagt und deswegen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Im November des gleichen Jahres „entwich“ er aus dem Zuchthaus in Frankenthal und flüchtete auf abenteuerlichem Weg nach Weißenburg im Nordelsass. Dort, im Hotel „Zum Engel“, warteten seine Frau Emilie und sein „Töchterchen“ auf ihn.

Bleistiftportrait einer Frau mit Schleier
© Johann Grund / Siebenpfeiffer-Stiftung
Portrait der Cornelia Grund, gezeichnet von ihrem Ehemann Johann Grund.

Nachdem er die Verletzung an der Hand, die er bei seiner Flucht erlitten hatte, auskuriert hatte, führte der Weg der Familie durch das Elsass in die Schweiz, wobei falsche Fährten gelegt wurden, um die Verfolger in die Irre zu leiten. Siebenpfeiffers waren deswegen teilweise auch auf getrennten Wegen unterwegs. So hält ein Polizeibericht fest, dass sich Siebenpfeiffer in Basel aufhielt, „um dort Frau und Kind abzuholen“. Um schneller zum Ziel zu gelangen, nutzte sein Kutscher eine Abkürzung über badische Dörfer, was ruchbar wurde. Mit einer Viertelstunde Vorsprung konnte er sich vor den auf ihn angesetzten Häschern gerade noch so auf Schweizer Boden retten.

Cornelia Siebenpfeiffer war als Kind also allen Problemen ausgesetzt, die ein Flüchtlingsleben mit sich bringt. Als sie neun Jahre alt war, starb ihre Mutter. Sie lebte zunächst bei ihrem Vater in Bern. Als sich bei diesem aber eine schwere Geisteskrankheit bemerkbar machte, kam sie in die Obhut von Verwandten mütterlicherseits in Freiburg im Breisgau. Nach dem Tod von Philipp Jakob Siebenpfeiffer im Mai 1845 wurde großflächig eine Spendensammlung initiiert, um für ihren Unterhalt zu sorgen. Speziell Mannheim und eben Freiburg waren die Zentren der Unterstützungskampagne, die alte Weggefährten organisierten. So war es etwa der liberale Politiker Johann Adam von Itzstein, der sich in der Sache engagierte. Die Spenden, die beispielsweise auch aus Bremen eingingen, wurden in Zeitungen veröffentlicht.

Bleistiftportrait eines Mannes im Anzug mit Bart
© Johann Grund / Siebenpfeiffer-Stiftung
Selbstportrait des Johann Grund.

Im Jahr darauf, am 2. April 1846, heiratete Cornelia Siebenpfeiffer. Für ihren zu diesem Zeitpunkt 38 Jahre alten Ehemann Johann Grund war es die zweite Ehe, er war verwitwet. Grund war seit 1839 „Hofmaler“ beim badischen Großherzig Leopold und porträtierte in dieser Zeit sowohl den Landesherrn als auch dessen Familie. In Karlsruhe haben sich bis heute zahlreiche Bilder von ihm erhalten. Sechs Kinder gingen aus dieser Verbindung hervor: Bereits am 12. Januar 1847 kam die älteste Tochter zur Welt, die ebenfalls Cornelia hieß. Sie wurde nur 19 Jahre alt.

1848 wurde besagte Pianistin Amalie Grund geboren, die 1888 im Adressbuch von Baden-Baden als ledig aufgeführt wird. In die Kurstadt im Schwarzwald war die Familie zwischenzeitlich umgezogen. Als Kleinkind verstarb die 1850 geborene Tochter Ernestine Gabriele. 1853 folgte als erster Sohn Franz Friedrich, der Bahningenieur wurde und zum „Regierungsbaumeister“ berufen wurde. Der 1854 geborene Heinrich Friedrich starb mit 23 Jahren. Elise Grund war schließlich die jüngste Tochter, die 1856 geboren wurde. Sterbedatum und – Ort von Cornelia Siebenpfeiffer sind bislang nicht bekannt. Im Adressbuch von Baden-Baden für das Jahr 1891 wird sie als „Hofmalers-Witwe“ in der Hirschstraße 4 wohnhaft genannt, zusammen mit ihrer Tochter Elise. 1897 werden beide nicht mehr aufgeführt.


Verfasst von: Martin Baus, Siebenpfeiffer-Stiftung

Veröffentlicht: 26.10.2026; Zuletzt aktualisiert: 26.10.2026.

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