Digitale Zeichnung des Portraits einer Frau

Johanna Folz

 05. Februar 1902 in St. Ingbert

  26. Juni 1992 in Speyer


Über Schwester Johanna Folz

Krankenschwester

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ heißt es sprichwörtlich. Dies gilt für Begebenheiten, aber auch für Menschen. Und doch gibt es Menschen, die unvergessen bleiben, ohne dass sie et-was Einmaliges und Großartiges getan hätten.

Eine dieser Menschen ist Schwester Johanna Folz, die in der Erinnerung der Menschen am oberen Höcherberg bis heute weiterlebt.  Sie war über 3 Jahrzehnte Mittelpunkt und Seele des „Evangelischen Krankenpflegevereins Höchen-Frankenholz-Websweiler mit Sitz in Höchen“, der im Februar 1921 gegründet worden war und 1923 ein eigenes Schwesternhaus errichtete.

„Gott braucht die Menschen“

Die 1902 in St. Ingbert gebürtige Schwester Johanna Folz, die 1927 Diakonissin wurde, kam 1943 als Nachfolgerin von Schwester Gertrud Koschick nach Höchen. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz, ihrer vornehm ¬zurückhaltenden Art, ihrer tiefen Gläubigkeit, ihrem aufgeschlossenen Wesen und mit ihrem weisen Humor hat sie die Ideale des Gründers der Inneren Mission und der Diakonissenbewegung Theodor Fliedners, nämlich die Nächstenliebe und Herzensgüte, in beeindruckendem Maße vorgelebt und lebt so zurecht in der Erinnerung ihrer Mitmenschen fort: Unermüdlich, auch bei Wind und Wetter, mit dem Fahrrad oder dem Velo Solex, ungeachtet konfessioneller Grenzen, zu Kranken, Einsamen und Sterbenden unter-wegs in ihrer schwarzen Tracht, die Krankentasche auf dem Gepäckträger, mit hellwachen Augen und ausgeprägten Gesichtszügen, die unter der weißen Haube lustig und hoffnungsfroh, manchmal schelmisch aufblitzten.

Für Jung und Alt hatte sie ein gutes Wort, hier eine Ermunterung, da eine Tröstung; und als sie in ihrem Dienst, schon in hohem Alter, im Winter schwer verunglückte, machte sie, nun mit dem Krückstock und dem Bus unterwegs, gerade jenen Mut, die manchmal in ihrer Hinfälligkeit keinen Weg und keine Zielrichtung mehr sahen. Zu ihrer Persönlichkeit, ihrer Ausstrahlungskraft sowie ihrer Verankerung im Bewusstsein der Mitmenschen ist sie nur mit wenigen zu vergleichen, vielleicht mit ihrer katholischen Mitschwester Seferina, die in Frankenholz viele Jahre lang als Krankenschwester ebenfalls die gute Seele des „Elisabethenvereins“ war. Auch für sie gab es in ihrer Tätigkeit keine konfessionellen Schranken. Im Rückblick ist es schon etwas eigenartig, dass beide keine staatlichen Auszeichnungen bekamen, sie hätten sicherlich auch keine gewollt, denn mit ihrem Kleid der Armut hätte sich dies wohl nur schwerlich vereinbart. Aber für beide gilt eine andere, höhere Auszeichnung, die im Psalm 112 ausgelobt ist: „Der Gerechten wird man sich immerfort erinnern.“

Schwarz-Weiß-Foto von Johanna Folz mit dunklem Oberteil und weißer Haube und Kragen.
Johanna Folz, ca. 1950. Quelle: Mutterhausarchiv Diakonissen Speyer, Fotosammlung, Nr. 5476.

Am 6. Mai ging Schwester Johanna in den Ruhestand oder, wie man bei den Diakonissen sagt, in den Feierabend in das Mutterhaus in Speyer. Unter großer Beteiligung der Mitchristen beider Konfessionen wurde sie in der überfüllten Kirche in Höchen verabschiedet. Ein Hauch von Tristesse lag über dem oberen Höcherberg. Und als der Kirchenchor unter Leitung von Luise Quack der scheidenden Gemeindeschwester zu Ehren sang: „Herr, Deine Güte reicht so weit...“, wird manch einer den ursprünglichen Sinn dieses Lobgesangs gespürt haben und mancher mag begriffen haben, dass die Güte Gottes gute Menschen, zumindest Menschen guten Willens braucht, um sich zu verwirklichen.

Schwester Johanna Folz verstarb am 26. Juni 1992 in Speyer.




Verfasst von: Wolfgang Forthofer

Dieser Text wurde ursprünglich 2022 für die Erinnerungstafel an Johanna Folz am Pausenplatz am Wegekreuz in Höchen verfasst.

Veröffentlicht: 20.03.2026; Zuletzt aktualisiert: 27.04.2026.

Gefördert durch:

Logo zur Kofinanzierung von der Europäischen Union


Logo für das Minsterium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz Saarland


Das Logo der lokalen Aktionsgruppe Biosphärenreservat

Hier wird in den ländlichen Raum investiert!

Weiterlesen...