Digitale Zeichnung des Portraits einer Frau

Charlotte Faber

Genannt „Lotty“

 02. März 1907 in Blieskastel

  15. Juli 1985 in Zweibrücken

Über Charlotte „Lotty“ Faber

Fremdsprachenkorrespondentin, Mundartdichterin

 Aber man spürte schon da, daß alles, was sie schrieb, bei ihr von Herzen kam“[1],

so charakterisierte Rösel Schüffler, geb. Faber, die Leidenschaft ihrer Schwester Charlotte.


Aus Blieskastel in die Ferne (1907-1945)

Schwarz-Weiß Portrait von Charlotte „Lotty“ Faber.
Charlotte „Lotty“ Faber, Blieskastel 1933.
Isch e `Kaschtler` Kind in weiter Fern`- An sei Heimatort denkt´s oft un gern“[2]

Charlotte Faber wurde am 02. März 1907 als zweites von fünf Kindern[3] des Ehepaares Julius Faber und Anna Klementina Faber, geb. Demuth, geboren[4]. Charlotte lernte ihren älteren Bruder Johannes Ludwig, der bereits 1905 verstarb, nie kennen. Ihr jüngerer Bruder Friedrich Heinrich galt seit 1944/45 als vermisst in Stalingrad. Mit ihrer Schwester Rösel verbrachte Charlotte die Zeit während der Evakuierung zwischen 1939 bis 1941 in Bayern. In späteren Jahren lebte sie mit ihrer Schwester Annelise im elterlichen Haus in Blieskastel. Ihre Schwester Rösel verfasste zehn Jahre nach Charlottes Tod den „Lebenslauf von Lotty Faber“.[5]

Nach Beendigung der Volksschule in Blieskastel besuchte Charlotte die Höhere Töchterschule in Homburg. Zu dieser Zeit hegte sie den Wunsch sich nach dem Schulabschluss zur Lehrerin ausbilden zu lassen, „doch sie wurde als älteste Tochter zu Hause gebraucht, als unser Bruder Fritz-Heinz zur Welt kam.“[6] Ihre ersten Gedichte schrieb Charlotte bereits in ihrer Jugend für Familie und Freunde.[7]Barometer“ war ihr erstes Werk, das unter dem Pseudonym Charlotte am 10. Oktober 1928 in der Saarbrücker Landeszeitung veröffentlicht wurde.[8]

Ihren beruflichen Werdegang begann Charlotte Faber als Korrespondentin der Firma Adt[9], die Produktionsstätten im In- und Ausland (u.a. in Frankreich) unterhielt. Während ihres Aufenthalts in Paris[10] erlernte sie die französische Sprache fließend und arbeitete dort zeitweilig als Fremdsprachenkorrespondentin. Mit Räumung der Roten Zone Anfang September 1939 wurde die Familie Faber nach Bayern evakuiert und lebte bis 1941 getrennt voneinander: „Vater fuhr mit meinem Bruder[11] mit den Fahrrädern nach München zu seiner dort lebenden Schwester. Mutter und meine Schwester Annelise kamen nach Bad Steben und Lotty und ich nach Naila [...] Im Herbst 1941 kam die Familie wieder zusammen, unsere Verwandten hatten uns eine leerstehende Wohnung in München besorgt.“[12] Während dieser Zeit fanden Charlotte und Rösel zunächst eine Bürotätigkeit in einem Elektrizitätswerk und ab Herbst 1941 eine Anstellung bei der Reichsbahndirektion in München. 

Schwarz-Weiß Foto eines Eckhauses.
Großelterliches Haus der Familie Faber in der Altstadt, Blieskastel ca. 1950.

Charlotte verbrachte ihre Freizeit mit dem Verfassen von Gedichten über ihre Schulzeit, „über das alte Haus, vieles über die Heimat, an der sie ja besonders hing[13] sowie auf Wunsch zu Jubiläen oder Geburtstagen. Als Charlotte nach Blieskastel zurückgekehrt war, stand die zweite Evakuierung der Stadt (1944/45) kurz bevor. Die erneute kriegsbedingte Abwesenheit von zu Hause verbrachte sie in Iphofen, diesmal ohne ihre Schwester Rösel, die in München geblieben war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges führte Charlotte ihren Beruf als Korrespondentin für Französisch bei der Firma Jansen in St. Ingbert-Rohrbach fort.

 

Heimat – und Mundartdichterin (1960-1985)

 Warum meene dann soviel Leit - Nur `hochdeutsch sprechen` wär gescheit?
`Hochdeutsch`! Na ja, es is schun recht, Domet verschteht mer sich net schlecht;
Es is die iblich Sprooch im Amt - Un gilt for´s ganze deitsche Land.
Das stimmt. Doch unser Deitschland hat- Viel Stämm met eigner Sitt`un Art.
Met eignem Platt un Dialekt; Das is net doo, daß mer`s versteckt!“[14]

Nach dem Tod ihrer Eltern (1954/1959) und dem Umzug ins das Elternhaus im Maitälchen widmete sich Charlotte wieder intensiver der Dichtung. Um ihre Zeilen jederzeit festhalten zu können, hatte sie „immer einen Stift und ein Blatt Papier auf ihrem Nachttische liegen“.[15]

Ihr erster Gedichtband erschien 1970 unter dem Titel: Ein Mundartstrauß für jedes Haus. Saarpfälzische Mundartgedichte von Lotty Faber[16]. Neben einer Würdigung des Dialekts, dem sie in all ihren Gedichten treu blieb, erschienen Verse zur Blieskasteler Heimat und deren Brauchtum, zum Jahreskreis oder besonderen Anlässen sowie Geschichten aus ihrer Schulzeit.

Schwarz-Weiß Portrait von Lotty Faber und Ferdi Welter.
Lotty Faber und Ferdi Welter, Blieskastel 1970.

Ihr zweiter Band: De Kaschtler in Wort und Bild. Mundartliches aus Alt- und Neu-Blieskastel der Barock-Stadt im Bliesgau[17], entstand auf Anregung von Dr. Peller-Séguy[18] (Saarländischer Rundfunk) nach dem Dreh der Serie: Sprache der Heimat – Besuch im Bliesgau. Darin berichtete Charlotte Faber im Juni 1971 über ihre Heimatstadt Blieskastel.[19] Der Schwerpunkt ihres zweiten Werkes lag auf den Sehenswürdigkeiten der Stadt, den aktuellen Themen der Lokalpolitik sowie Ereignisse aus dem Alltag der Menschen, kombiniert mit persönlichen Erinnerungen. Im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen wechseln sich im „Kaschtler“ Prosa und Versform ab.


Charlotte Faber blieb unverheiratet und verstarb am 15. Juli 1985 im Alter von 78 Jahren. Der Dichtung war sie zeitlebens verbunden: „Ihr letztes Gedicht schrieb sie im Saarbrücker Krankenhaus. Es war ein „Dankeschön“ an die Ärzte und das Pflegepersonal.“[20] Ihre letzte Ruhestätte fand Charlotte Faber auf dem Friedhof in Blieskastel.


Verfasst von: Raffaela Berger, Leiterin des Stadtarchivs Blieskastel

Veröffentlicht: 03.09.2025; Zuletzt aktualisiert: 30.03.2026.

Zitate

Ihre Vortragskunst öffnete die Herzen der Zuhörer für die Kaschtler Mundart.

Ein guter Geist der Stadt. Bericht anlässlich des 10jährigen Todestages von Lotty Faber, Saarbrücker Zeitung Nr. 162 vom 15./16.07. 1995, Stadtarchiv Blieskastel, Handapparat Biografien, Band II – Lotty Faber.

Sie gehörte zum Stadtbild, wie ein liebgewonnenes Gäßchen. Jeder kannte sie, die Dame mit Hut, wie sie ihre Einkaufstasche auf Rädern den Schloßberg hinab- und hinaufschob.“

Ebd. Hans Cappel, langjähriger Freund und Mitglied des Literatenstammtischs, über Lotty Faber.

Botschafterin ihrer Heimatstadt

Annemarie Neumar: Blieskastel. Bilder der Stadt und Ihrer Menschen, Blieskastel, 1997, S. 289.

Fußnoten

[1] Stadtarchiv Blieskastel (StaB), Bestand 3 Nr. 380, Lebenslauf von Lotty Faber, verfasst von Rösel Schüffler, geb. Faber, Juli 1995.

[2] Auszug aus dem Gedicht „De Kaschtler“, in: De Kaschtler in Wort und Bild. Mundartliches aus Alt- und Neu-Blieskastel der Barock-Stadt im Bliesgau, Merkur Druck, Bartz KG, Zweibrücken, 1975, S. 7.

[3] Johannes Ludwig Faber (*1905, †1905); Annelise Faber, verheiratete Wagner (*1911, †1987); Rösel Faber, verheiratete Schüffler (ihre Lebensdaten liegen in Blieskastel nicht vor, † nach Juli 1995) und Friedrich Heinrich Faber (*1921, †1945). Im Jahr 1961 übermittelte das Standesamt I Berlin den Tod von Friedrich Heinrich Faber zum 31.12.1945 an das Standesamt Blieskastel. Im Februar 1961 wurde er für tot erklärt. Dazu siehe: Standesamt Blieskastel, Alphabetisches Register Blieskastel sowie Stadtarchiv Blieskastel (StaB), Bestand 58-1-G-45 bis 58-1-G-51, Geburtenregister Blieskastel 1905-1911.

[4] Julius Faber (*1874, †1954); Anna Klementina Demuth, verheiratete Faber (*1878, †1959), StaB, Bestand 58-2-H-43, Heiratsregister Blieskastel 1904.

[5] StaB, Bestand 3 Nr. 380, Lebenslauf von Lotty Faber, 1995.

[6] Ebd. Gemeint ist die Geburt von Friedrich Heinrich Faber im Jahr 1921.

[7] Ebd. „Man konnte sich dann auch keinen Geburtstagstisch vorstellen, ohne daß ein kleines oder größeres Gedicht von ihr dabei lag.

[8] StaB, Bestand 8 Nr. 284; Blieskasteler Nachrichten, 22. Jahrgang/35, Heft 14, S. 9 und Stadtarchiv Blieskastel, Handapparat Biographien, Band II – Lotty Faber, In Erinnerung an Lotty Faber von Hans Cappel, 1995.


[9] Gerhild Krebs: Die Adt-Betriebe an der Saar und in Lothringen (1739–1969), aus: Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild Krebs und Johannes Großmann (Hg.), Stätten grenzüberschreitender Erinnerung – Spuren der Vernetzung des Saar-Lor-Lux-Raumes im 19. und 20. Jahrhundert. Lieux de la mémoire transfrontalière – Traces et réseaux dans l’espace Sarre-Lor-Lux aux 19e et 20e siècles, Saarbrücken 2002, 3., technisch überarbeitete Auflage 2009. Publiziert im Internet unter www.memotransfront.uni-saarland.de. [gesehen am 16.07.2025]. Gemäß den Schilderungen im Lebenslauf von Lotty Faber muss ihre Anstellung nach 1921 erfolgt sein. Genauere Angaben liegen nicht vor.

[10] Vor 1939, Näheres zu ihrer Zeit in Paris ist nicht bekannt.

[11] Friedrich Heinrich Faber.

[12] StaB, Bestand 3 Nr. 380, Lebenslauf Lotty Faber, 1995.

[13] Ebd.

[14] Auszug aus dem Gedicht „Mundart“, in: Ein Mundartstrauß für jedes Haus. Saarpfälzische Mundartgedichte von Lotty Faber, Zweibrücken, 1975, S. 7.

[15] StaB, Bestand 3 Nr. 380, Lebenslauf Lotty Faber, 1995.

[16] Faber: Mundartstrauß, Zweibrücken 1970.

[17] Dies.: De Kaschtler in Wort und Bild. Mundartliches aus Alt- und Neu-Blieskastel der Barock-Stadt im Bliesgau, Merkur Druck, Bartz KG, Zweibrücken, 1975.

[18] Dr. Irmengard Peller-Séguy (*1919, †2019).

[19] „Sprache der Heimat – Besuch im Bliesgau“, eine Sendung des SR mit Lotty Faber vom 05. Juni 1971.

[20] StaB, Bestand 3 Nr. 380, Lebenslauf Lotty Faber, 1995.

Ihre Werke / Literatur / Quellen

Ihre Werke 

Neben einer großen Anzahl an unveröffentlichten Gedichten, die sie im Laufe ihres Lebens verfasste:

Lotty Faber: Ein Mundartstrauß für jedes Haus. Saarpfälzische Mundartgedichte von Lotty Faber, Zweibrücker Druckerei und Verlagsgesellschaft m.b.H., 1970.

 „Sprache der Heimat – Besuch im Bliesgau“, eine Sendung des SR mit Lotty Faber vom 05. Juni 1971.

 Lotty Faber: De Kaschtler in Wort und Bild. Mundartliches aus Alt- und Neu-Blieskastel der Barock-Stadt im Bliesgau, Merkur Druck, Bartz KG, Zweibrücken, 1975.


Literatur

Reiner Marx, Die Zeit bringt Frucht. Saarländisches Autorenlexikon, Homburg 2008, S. 40-41. http://www.saarland-biografien.de/frontend/php/ergebnis_detail.php?id=5374 [gesehen am 18.07.2025]

Katja Leonhardt: Weibliches Schreiben in regionalen Strukturen (Diss.), Herbert Utz Verlag, München 2007, S. 251–253.

Gerhild Krebs: Die Adt-Betriebe an der Saar und in Lothringen (1739–1969), aus: Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild Krebs und Johannes Großmann (Hg.), Stätten grenzüberschreitender Erinnerung – Spuren der Vernetzung des Saar-Lor-Lux-Raumes im 19. und 20. Jahrhundert. Lieux de la mémoire transfrontalière – Traces et réseaux dans l’espace Sarre-Lor-Lux aux 19e et 20e siècles, Saarbrücken 2002, 3., technisch überarbeitete Auflage 2009.

Annemarie Neumar: Blieskastel. Bilder der Stadt und Ihrer Menschen, Blieskastel, 1997.


Quellen

Stadtarchiv Blieskastel (StaB):

- Bestand 3 Nr. 380, Lebenslauf Lotty Faber, 1995
- Bestand 8 Nr. 284, Lotty Faber 1971-1982

- Handapparat Biographien, Band II – Lotty Faber - (ohne Signatur)
- Bestand 58 Nr. 1-G-45 bis 51
- Bestand 58 Nr. 1-H-43

 Standesamt Blieskastel: Alphabetisches Register Blieskastel A-Z.

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