
Über „es Linze Marie“
Coole Frau aus den Zwanzigern
Emanzipierte und toughe Frauen gibt es natürlich nicht erst seit dem 21. Jahrhundert. Denn wer kennt etwa nicht die quirligen, selbstbewussten Mädels aus dem Berlin der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts? Aber man muss nicht in jene Glitzermetropole an der Spree hinüberblicken, um solche coole Damen zu entdecken. Nein, es reicht ein Blick zum Würzbach! Präziser gesagt: nach Oberwürzbach.

Schwein gehabt!
In Oberwürzbach wurde nämlich im Mai 1908 „es Linze Marie“ geboren. „Linze Marie“, das Oberwürzbacher Original, das eigentlich Maria Schmitt hieß, tat etwas, was für die heutige Zeit banalster Alltag ist, aber für die damalige Zeit – zumal auf dem Dorf –
für eine Frau als komplett unschicklich galt: sie fuhr Fahrrad!
Wie sehr eine solche Ungeheuerlichkeit Dorfgemeinschaft und Zeitgeist störte, dokumentiert Franz Rebmann vom Heimatverein Oberwürzbach, der 1999 ein Interview mit der Einundneunzigjährigen führte: „es Linze Marie“ wurde als „Wildsau“ beschimpft. Beeindruckt hat sie dies offensichtlich nicht sonderlich, denn einige Jahre später braust sie als Siebzehn-jährige mit dem Motorrad durch die Gegend. Und wie sie im Interview, durchaus nicht ohne Stolz, erzählt, hat sie gleich drei ihrer Maschinen geschrottet. Schlimmeres ist nicht passiert, sie hat wohl Schwein gehabt. Und diese Gattung Tier scheint ihr irgendwie treu geblieben zu sein. Denn ein Foto aus dem Jahr 1952 zeigt „es Linze Marie“ bei einem Spaziergang gemeinsam mit eben jenem Borstenvieh.

Und vielleicht ist gerade das für Maria Schmitt bezeichnend: Während so manches Herrchen oder Frauchen im Wald mit „Bello“ oder „Waldi“ unterwegs sind, flaniert diese Frau mit Schweinchen „Lieselche“ ganz cool durch die Felder.
Verfasst von: Peter Klaus, Stadtarchiv St. Ingbert
Veröffentlicht:03.09.2025; Zuletzt aktualisiert: 31.03.2026.
Zum Weiterlesen
Zuerst veröffentlicht wurde der Text auf der Seite des Stadtarchivs St. Ingbert:
Klaus, Peter: Coole Frau aus den Zwanzigern, unter <https://www.st-ingbert.de/stadtarchiv-der-stadt-st-ingbert/> [letzter Abruf: 30.07.2025].
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