
Über Catharina Loth
Erfolgreiche Unternehmerin und Pächterin mehrerer Eisenwerke
Im 18. Jahrhundert wirkte in St. Ingbert eine ganz besondere Persönlichkeit, die bis heute Spuren im Stadtbild und im Gedächtnis der Nachgeborenen hinterlassen hat. Es handelt sich um die Unternehmerin Catharina Loth, die nach dem Tod ihres Mannes das St. Ingberter Eisenwerk, die Alte Schmelz, über Jahre hinweg eigenverantwortlich leitete und in Illingen sowie Rentrisch weitere Produktionsstätten aufbaute.
Kindheit und Jugend
Catharina Loth, geborene Gottbill stammte aus einer „der bedeutsamsten Familien der Eisenhüttenindustrie im Raum Hochwald-Saar im 18. Jahrhundert.“ Ihr Vater und ihre männlichen Verwandten waren seit Generationen Hammerschmiede und Eisenschmelzer und zogen als solche mit ihren Familien von Hütte zu Hütte. So sind in den Kirchenbüchern von Neunkirchen, Dillingen, Züsch oder im elsässischen Jägerthal Einträge dieses Namens zu finden. 1715 ließ sich ihr Vater Jean Baptist mit seiner Familie im saarländischen Nunkirchen nieder, um dort mit seinem Bruder Carl ein Hammerwerk zu errichten, d.h. sie unternahmen den Statuswechsel vom Facharbeiter zum selbständigen Unternehmer.
Catharina wuchs mit ihren vier Geschwistern in eher bescheidenen Verhältnissen auf. Durch die zunächst nicht sesshafte Lebensweise wurde ihr – wie vielen Menschen der damaligen Zeit - keine Schulbildung zuteil und sie blieb zeitlebens Analphabetin. Doch sie war eine kluge Person mit technischen Verstand und guter Auffassungsgabe. Nur so ist ihre spätere Entwicklung zur kaufmännisch kalkulierenden und strategisch denkenden Unternehmerin zu verstehen. 1729 heiratete Catharina Joseph Loth, einen verwitweten Waffenschmied aus Blieskastel. Dass er ebenfalls in der eisenverarbeitenden Branche tätig war wie die Gottbills, war dabei kein Zufall, denn die Eisenschmelzer und Hammerschmiede heirateten immer nur unter ihresgleichen. Mit dieser Maßnahme schützten sie ihr exklusives Wissen über Eisenverhüttung und -verarbeitung, das schließlich ihr einziges Kapital darstellte. Vier Jahre später zogen Catharina und Joseph Loth nach St. Ingbert, um dort gemeinsam mit Catharinas Bruder ein weiteres Eisenwerk zu errichten, quasi als Zweitniederlassung des Nunkircher Hammers.

Witwe Loth – alleinerziehende Mutter und Firmenchefin
1943, zehn Jahre nach der Gründung der Schmelz in St. Ingbert starb Joseph Loth. Zurück blieb Catharina mit ihren fünf leiblichen Kindern und drei Nichten und Neffen, für die sie nach dem frühen Tod ihrer Schwester die Sorge übernommen hatte. Auch das Eisenwerk bedurfte der Leitung und nach der Logik der frühneuzeitlichen Wirtschaftsform des „ganzen Hauses“ oblag es der Witwe, die Geschäfte des verstorbenen Mannes weiterzuführen, zumindest so lange, bis einer der Söhne herangewachsen war und das Zepter übernehmen konnte. Die Witwe Loth sah sich mit den verschiedensten Problemen konfrontiert, so stellte die Versorgung ihres Werkes mit den Rohstoffen Holz (die Hochöfen wurden damals noch mit Holzkohle befeuert) und Eisenerz eine große Herausforderung dar, die viel diplomatisches Geschick erforderte und zahlreiche Verhandlungen mit angrenzenden Herrschaften nötig machte. Auch der Ausbruch eines verheerenden Feuers verursachte ihr große Verluste. Auseinandersetzungen über zu zahlende Abgaben an die Kirche sowie über die Höhe des Pachtzinses, der an die Grafen von der Leyen als Landesherren zu entrichten war, zogen sich ebenfalls über Jahre hin.
Catharina Loth bewies dabei jedoch ein großes Geschick und stand in Verhandlungen bezüglich der Übernahme weiterer Eisenwerke. So gründete sie 1759 ein Hammerwerk im benachbarten Rentrisch, das zum Fürstentum Nassau-Saarbrücken gehörte. Außerdem legte sie im gleichen Jahr den Grundstein zur Errichtung einer Eisenschmelze in Illingen. Landesherr Franz von Kerpens, der die Lothin über Jahre auch mit Eisenerz beliefert hatte, verpachtete ihr dazu ein passendes Grundstück. Selbst als ihre beiden Söhne volljährig waren und für ihre Mutter die Erledigung des Schriftverkehrs übernahmen, gab die Lothin die Leitung nicht aus der Hand, sondern behielt sich in allen geschäftlichen Angelegenheiten das Recht der letzten Entscheidung vor.
Zuhause in St. Ingbert spitzte sich derweil die Lage zu: Wegen anhaltender Streitigkeiten mit dem Grafen von der Leyen wurde sie schließlich von dem von ihr und ihrem Mann gegründeten Werk vertrieben und zog in das Direktionsgebäude des neu erbauten Rentrischer Hammers, das so genannte „Höfchen“, das bis heute von ihrem Wirken kundet. Dort starb sie drei Jahre später und ihr Leichnam wurde vor dem Altar der St. Ingberter Engelbertskirche zur letzten Ruhe bestattet, was einer großen Ehre gleichkam und dokumentiert, dass sie zu Lebenszeiten eine sehr geachtete Persönlichkeit war. Sie wurde gleichermaßen von der Konkurrenz gefürchtet wie auch als Geschäftspartnerin der verschiedenen Adelshäuser geschätzt. Sie verkehrte mit den angesehensten Unternehmerfamilien ihrer Zeit und erhielt sogar persönliche Audienzen bei Kammerrat Dern am fürstlichen Hof zu Nassau-Saarbrücken. Auch Generationen später ist sie nicht in Vergessenheit geraten, so wurden in St. Ingbert bzw. Rentrisch 2 Straßen nach ihr benannt, die Katharina-Loth-Straße und der Lottenhammer
Verfasst von: Dr. Susanne Nimmesgern, Historikerin und Frauenbeauftragte des Saarpfalz-Kreises
Veröffentlicht: 29.04.2026; Zuletzt aktualisiert: 29.04.2026.
Zitat
Es ist das St. Ingberter Werk weit und breit in sehr großem Namen bekannt, besonders da es von mir auf eine solche Art betrieben und andurch von jedermann für ein ruhiges Werk gehalten wird.“
Brief der Lothin an die Verwaltung des Grafen von der Leyen vom 12. September 1758 im Zuge der Auseinandersetzungen um eine höhere Pachtgebühr, zit. Bei Wolfgang Krämer, Geschichte der Stadt St. Ingbert von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine Heimatkunde aufgrund archivalischer Quellen, Bd 2, S. 12.
Zum Weiterlesen / Literatur / Quellen
Nimmesgern Susanne: Die Schmelzerinnen: Unternehmerinnen, Hüttenfrauen, Zwangsarbeiterinnen auf dem St. Ingberter Eisenwerk, hrsg. Von der Initiative Alte Schmelz St. Ingbert e.V., St. Ingbert 2012.
Diess.: Catharina Loth (1705-1762): Unternehmerin, Analphabetin und exzellente Kauffrau, in: St. Ingberter Biografien Bd 2, hrsg. Von Heidemarie Ertle und Gerhard Sauder, St. Ingbert 2025, S. 11-23.
Labouvie, Eva: In weiblicher Hand – Frauen als Firmengründerinnen und Unternehmerinnen (1600-1850), in: Frauenleben – Frauen leben. Zur Geschichte und Gegenwart weiblicher Lebenswelten im Saarraum, hrsg. von Eva Labouvie, St. Ingbert 1993, S. 88-131.
Diess.: Frühneuzeitliche Unternehmerinnen. Frauen im Bergbau, in der Eisen- und Glasindustrie, in: Ökonomien der Geschlechter in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Eva Labouvie und Katharina Bunzmann, Münster 2004, S. 135-162.


