
Catharina Sophie Krämer
Geborene Firmond
14.11.1763 in St. Johann (Saarbrücken)
28.11.1833 in St. Ingbert
Über Sophie Krämer
Unternehmerin - Besitzerin eines Eisenwerkes und Gutsherrin
Sophie Krämer zählt zweifelsohne zu den einflussreichsten Frauen des frühen 19. Jahrhunderts in der Saarregion. Durch den frühen Tod ihres Mannes trat sie als Witwe in seine Fußspuren als Leiterin und Besitzerin eines Eisenwerkes, das unter ihrer Führung prosperierte und expandierte.
Kindheit und Jugend
Geboren wurde sie 1763 in St. Johann (Saarbrücken) als Tochter des reichen Gastwirts und Handelsmanns Georg Ludwig II. Firmond und Catharina Magdalena Schmidtborn. Beide Eltern entstammten einflussreichen und wohlhabenden Kaufmannsfamilien und der Vater zählte als Gründungsmitglied der vom Fürsten privilegierten Saarbrücker Krahnen-Gesellschaft zur Elite der Stadtbürgerschaft. Die Familie Firmond, die die Gastwirtschaft „Zum Ochsen“ am Anfang der St. Johanner Fröschengasse betrieb, bewohnte ein repräsentatives Haus am Stadtgraben in der Nähe des Untertors, dessen ausgedehnter Garten sich zur Saar hin erstreckte und mit mehreren Gartenhäuschen bestückt war.[1]
Sophie Firmond fand mit dem 9 Jahre älteren Geschäftsmann Philipp Heinrich Krämer aus dem kurpfälzischen Alsenborn, der ebenfalls Sohn eines reichen Gastwirts und Handelsmanns war und mit den maßgeblichen Saarbrücker Kaufmannsfamilien verwandt war, den passenden Ehemann.

Eheleben und Witwenschaft
Aus der 1782 geschlossenen Ehe gingen 11 Kinder hervor, von denen 6 bereits früh im Kindesalter verstarben. Nachdem es Philipp Heinrich Krämer nach mehreren Anläufen endlich gelang, die Leitung des St. Ingberter Eisenwerks zu übernehmen, zog die junge Familie 1794 auf die Alte Schmelz, nachdem sie sich dort zuvor ein neues Herrenhaus erbauen ließ. Nach ereignisreichen und politisch unruhigen Jahren infolge der Französischen Revolution, die jedoch dem Eisenwerk lukrative Rüstungsaufträge bescherten, starb Philipp Heinrich 1803 im Alter von erst 49 Jahren.
Zurück blieb seine Frau Sophie, deren Aufgabe als Witwe darin bestand, nicht nur dem Haushalt vorzustehen, sondern auch an Stelle der noch minderjährigen Söhne die Leitung des Eisenwerkes zu übernehmen. Sophie Krämer legte als Kauffrau viel Geschick an den Tag, so gelang ihr auch als erster Firmenchefin der Region, das zuvor in Pacht betriebene Eisenwerk käuflich zu erwerben. In ihre Ägide fiel nicht nur den Ausbau des Eisenwerkes mit Erneuerung der heute noch erhaltenen Möllerhalle, den Ausbau der Werkssiedlung und auch die Expansion des Unternehmens. So kaufte sie mehrere Erzfelder und Eisenwerke in der Südeifel auf, so auch die Quinter Hütte mit dem Rokokoschlösschen, das den Fabrikbesitzern als Herrenhaus diente.
Nachdem zu Anfang der 1820er Jahre die Söhne in die Leitung des Eisenwerkes eintraten, hatte Sophie Krämer zwar nominell noch die Führung inne, zog sich jedoch aus dem operativen Geschäft zurück und betrieb das familieneigene Hofgut, wo sie sich u.a. erfolgreich für den Kartoffelanbau und die Gewinnung von Stärkemehl zur besseren Versorgung der Bevölkerung einsetzte. 1833 starb sie im Alter von 70 Jahren und hinterließ ihren Söhnen ein prosperierendes Unternehmen. Ihr Grab mit gusseisernem Genius findet sich noch heute auf dem Alten Friedhof von St. Ingbert.
Verfasst von: Dr. Susanne Nimmesgern, Historikerin und Frauenbeauftragte des Saarpfalz-Kreises
Veröffentlicht: 05.09.2025; Zuletzt aktualisiert: 31.03.2026.
Zitate
Neben ihren Verdiensten um die Leitung des Eisenwerks in schwieriger Zeit erwarb sich Sophie Krämer den Ruf einer wohltätigen und barmherzigen Frau, die den Armen, Kranken und Notleidenden Hilfe leistete. In der Zeit großer Not nach den napoleonischen Kriegen gab es dazu ausreichend Gelegenheit. Die Witwe Krämer beließ es nicht bei Hilfe im Einzelfall, sondern bemühte sich auch um die Verbesserung der Ernährungsgrundlage der Bevölkerung, indem sie die Herstellung von Kartoffelmehl (Stärke) erprobte.“
Glaser, Harald: Die Alte Schmelz St. Ingbert. Industriegeschichtlicher Rundweg, St. Ingbert 2001, S. 70f. Glaser bezieht sich hierbau auf eine Publikation von Werner Weidemann (Schul-, Wirtschaft- und Sozialgeschichte der Pfalz, Otterbach 1999).
Auf hohem Bergesrücken
An einem alten Baum
Lehnt sinnend sich ein Krieger
Versenkt in tiefen Traum.
Er träumt vom Vaterlande,
Von Frankreichs Ruhm und Macht,
Von Freiheit, Bruderliebe,
Den Völkern dargebracht.
Und wie er sinnend träumet
Ein Blitz, ein Knall, o Schmerz,
ihn hat des Feindes Kugel
Getroffen in das Herz
Fern sind die Kameraden,
Wer hört sein letztes Gebet,
Wenn bei der alten Buche
Sein Lebensgeist verweht?
Ihm hat er’s anvertrauet,
Dem Baume grün und stark,
Er schnitt es in die Rinde,
Bis tief hinein ins Mark.
Das „Vive la République“.
So starb der Freiheitssohn.
Die Buche ist gefallen,
Stolz herrscht Napoleon!.“
Dieses Gedicht wird Sophie Krämer zugeschrieben und verweist auf ihre liberale politische Einstellung.
Krämer, Wolfgang: Geschichte der Stadt St. Ingbert von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine Heimatkunde aufgrund archivalischer Quellen, St. Ingbert 1989 [Nachdruck] Bd.2, Fußnote 264, S. 287f.
[...] wahre Mutter der Armen, nicht allein für ihre kranke Arbeitsleute, sondern auch für Arme und Kranke im Ort St. Ingbert, die sie immerwehrend auf jede mögliche Art, ganz nach dem guten Geist ihres verstorbenen Mannes, der eben so gesinnt war für die Armen, unterstützt, die sich freuet und den Pastor des Orts noch ersucht, um ihr die Nothleidende anzuzeigen, um ihre Wohltätigkeit beweisen zu können.“
Der amtierende Pfarrer Wilhelm Torsch über Sophie Krämer.
Zit. nach Müller, Friedrich: St. Ingbert unter der Herrschaft Napoleons nach der „Pfarrchronik“ von Wilhelm Torsch (1802-1813), in: Saarheimat 2006, S. 22-45, hier: S. 44, Anm. 23.
Fußnoten
[1] Firmond’sche Chronik 1790-1801, in: Mitteilungen des Historischen Vereins für die Saargegend, Heft 7, Saarbrücken 1900, S. 28-123, hier S. 113. Verfasser der Chronik, die wichtige Eindrücke zur napoleonischen Zeit liefert, war Sophies Vater Georg Ludwig II. Firmond, auf dem Gemälde 5. Person von rechts.
Zum Weiterlesen / Literatur
Nimmesgern, Susanne: Die Schmelzerinnen. Unternehmerinnen, Hüttenfrauen, Zwangsarbeiterinnen auf dem St. Ingberter Eisenwerk. St. Ingbert 2012, S. 75-135 (hrsg. Von der Initiative Alte Schmelz St. Ingbert e.V.).
Dies.: Die Familie Krämer. Begründer und Repräsentanten einer neuen Ära in St. Ingbert., in: Ertle, Heidemarie; Sauder, Gerhard (Hrsg.): St. Ingberter Biografien, St. Ingbert 2023, S. 26–46.


