Digitale Zeichnung des Portraits einer Frau

Klara Barth

 23.12.1880 in Ommersheim

  13.06.1940 in Ludwigshafen am Rhein

Über Klara Barth

Eine der ersten deutschen Parlamentarierinnen

Aus einer Lehrerfamilie stammte die 1880 in Ommersheim geborene Klara Barth, und sie wurde selbst zuerst Lehrerin. 1920 gelang ihr auf Anhieb und für die gesamte Dauer der Weimarer Republik der Einzug in den bayerischen Landtag. Mit der bemerkenswerten politischen Karriere ging ein bedeutendes soziales Engagement in Institutionen aber auch persönlich-privat einher. Klara Barths politische Tätigkeit endete mit dem Beginn der NS-Diktatur, der die überzeugte Katholikin entschieden ablehnend gegenüberstand[1].

Familie

Schwarz-Weiß-Foto eines Mannes mit Vollbart.
Caspar Otto Barth, Vater von Klara Barth.

Klara Barth wurde  am 23. Dezember 1880  als Tochter des Volksschullehrers Kaspar Otto Barth und Maria Eva geb. Müller, beide aus Reinheim (Gersheim), als siebtes von acht Kindern geboren. Sie wurde am 25. Dezember in Ommersheim (Mandelbachtal) getauft.

Bis auf die älteste Tochter waren  alle Kinder dieser Lehrerfamilie ebenfalls im Lehrberuf tätig, was für die  Töchter verpflichtende Ehelosigkeit bedeutete.

Nur die Brüder und die älteste Schwester von Klara Barth heirateten. Der Zusammenhalt in der Familie war groß und so war es selbstverständlich, dass nach dem frühen Tod dieser Schwester deren Kinder von zwei weiteren Schwestern von Klara Barth großgezogen wurden.

Eine Schwester von Klara Barth wurde als Sr. M. Innocentia Barth O.P. Leiterin der Lehrerinnenbildungsanstalt St. Magdalena in Speyer, ein Bruder war Direktor der Oberrealschule Landstuhl.

Schwarz-Weiß Foto der Familie Barth.
Familie Barth: 1 Maria Eva Barth mit ihren Kindern: 2 Anna Maria Franziska, 3 Magdalena, 4 Georg, 5 Elisabeth, 6 Otto, 7 Klara, 8 Anna.

Schülerin und Lehrerin

Klara Barth besuchte nach der Volksschule eine Höhere Mädchenschule. Danach schloss sich der Besuch des Lehrerinnenseminars der Dominikanerinnen von St. Magdalena in Speyer an. 1904 legte sie ihr Zweites Staatsexamen ab.

Von Mai bis September 1906 war sie Schulverweserin in Albersweiler [Schulverweser*innen nannte man noch nicht fertig ausgebildete Lehrer*innen], dann wurde Klara Barth nach Ludwigshafen an eine Simultanschule versetzt, an der sie auch zum Ende des Ersten Weltkrieges noch als Volksschullehrerin unterrichtete. Die Schule war damals auf acht Standorte aufgeteilt. An allen Standorten zusammen unterrichteten im Jahr 1918 196 Lehrkräfte 10.415 Kinder (>50 pro Lehrer).

Klaras Barths Standort war die Ludwigschule in der Oggersheimer Straße. Sie war ab dem 1. Oktober 1906 Schulverweserin. Hier war 1898 die erste damals sogenannte Hilfsschule (heute Förderschule) eingerichtet worden, die zunächst in zwei Klassen geführt wurde. Es folgte eine dritte Klasse, und zum Beginn des Schuljahres 1913/14 die vierte, auf deren Übernahme sich Klara Barth eigens in einem Ausbildungskurs für Hilfsschullehrer in Bonn vorbereitet hatte.

Schwarz-Weiß Foto der Klara Barth.
Klara Barth.

Ehrenamt

Ihre schulischen Pflichten erfüllte Klara Barth zwar mit Hingabe, doch erkannte sie, dass sie einerseits für ihren eigenen Berufsstand, andererseits für bedürftige für Frauen und Kinder in Ludwigshafen noch weit mehr tun konnte.

So wurde sie in Ludwigshafen Mitbegründerin des Katholischen Lehrerinnenvereins und dessen Vorsitzende im Bezirk Pfalz. Ebenso war sie Gründungs- bzw. Vorstandsmitglied des Elisabethenvereins Ludwigshafen, ein Krankenpflegeverein, und eine enge Mitarbeiterin von Karolina Burger (1879–1949). Mit der Aufnahme mehrerer bedürftiger Kinder begann Karolina Burgers soziale Arbeit, die in der Gründung des St. Annastiftes in Mundenheim mündete, der Keimzelle des heutigen gleichnamigen Kinderkrankenhauses.

Beide gründeten mit anderen Frauen den Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder Abteilung Pfalz e.V. in Mundenheim, zu dem das St. Annastift gehörte. Der Verein hatte seine Mitglieder vor allem in den Pfarreien St. Sebastian (Mundenheim), St. Ludwig (LU-Mitte) und St. Michael (Maudach), es gab aber auch Widerstand in der Umgebung des Annastifts. Nachbarn wollten die „schwierigen“ Kinder nicht in ihrer Nähe haben. Klara Barth war zudem Vorsitzende der staatsbürgerlichen Kommission im Landesverband der Katholischen Deutschen Frauen.

Neben der institutionellen Vernetzung, die sich hierin zeigt, besaß Klara Barth auch bedeutende persönliche Kontakte. Durch ihre Schwester Sr. M. Innocentia hatte sie Kontakt zu Edith Stein, die 1923–1932 an der Höheren Töchterschule und an der Lehrerinnenbildungsanstalt des Klosters St. Magdalena unterrichtete.

Schwarz-Weiß Portrait von Klara Barth mit ihrer Nichte.
Klara Barth mit ihrem Patenkind, ihrer Nichte Klara Oswald, 1926.

Politik

Am 15. Mai 1908 war reichsweit allen Frauen die Mitgliedschaft in einer politischen Partei gestattet worden. Wann Klara Barth dieses Recht wahrgenommen hat, ist nicht bekannt, sollte sie vor Kriegsende in eine Partei eingetreten sein, wäre dies vermutlich die Zentrumspartei gewesen. Dafür spricht ihre weltanschauliche Überzeugung.

Die Bayerische Volkspartei (BVP) entstand 1918 in Regensburg durch Abspaltung von der Zentrumspartei. Die BVP war von 1919 bis 1933 die stärkste Partei in Bayern und an allen Landesregierungen beteiligt. Ihr Hauptanliegen war die föderalistische Ordnung des Reiches. Obgleich sie für alle Konfessionen offen war, wurde sie doch von den katholischen Mitgliedern dominiert. Die BVP befürwortete das Frauenstimmrecht und vertrat soziale Anliegen. Klara Barths Heimat, die Saarpfalz mit den Städten Blieskastel, Homburg und St. Ingbert, gehörte nach dem Ersten Weltkrieg zum Saargebiet, das unter Völkerbundverwaltung kam.

Landtag

Die Wahlen zu den Stadt- und Gemeinderäten sowie zum Bayerischen Landtag 1920 waren die ersten Wahlen in der Pfalz, an denen Frauen mit aktivem und passivem Wahlrecht beteiligt waren. Ein Hineinwachsen in die politische Erfahrung, etwa durch Stadtratstätigkeit als Vorbereitung auf ein Landtagsmandat war daher nicht möglich. Auch waren die nun politisch tätigen Frauen nicht unbedingt Inhaberinnen von Parteiämtern. Die Frauen, die für Landtage und Reichstag kandidierten, konnten daher bestenfalls auf Ehrenamts- und Verbandserfahrung und daraus resultierende Bekanntheit und öffentliche Anerkennung zurückgreifen.

Farbiges Plakat mit Aufschrift "Bayerische Volkspartei".
Plakat Bayerische Volkspartei, 1919. Original: Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kunstbibliothek, 1984,7. Gemeinfrei unter < https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Plakat_Bayerische_Volkspartei_1919.jpg  >.

Diese relativ günstige Ausgangsposition hatte Klara Barth vorzuweisen. Möglicherweise trug dies dazu bei, dass gerade sie von ihrer Partei, der Bayerischen Volkspartei, als Kandidatin aufgestellt wurde und dass sie tatsächlich ein Mandat erhielt.

Christiane Pfanz-Sponagel, Leiterin des Stadtarchivs Speyer, weist in ihrer Dissertation nach, dass zuerst Frauen auf guten Listenplätzen waren, weil man sich dadurch die Stimmen der Wählerinnen erhoffte, dass aber, als deutlich wurde, dass Frauen nicht unbedingt Frauen wählten, davon abgekommen sei. Klara Barth war von diesem Rückschritt nicht betroffen: Die Listenplätze Klara Barths waren bei den vier Landtagswahlen: zweimal Platz 2 und zweimal Platz 1.

Als katholische ledige Lehrerin gehörte Klara Barth zu einer der beiden typischen Frauengruppen (neben der verheirateten Hausfrau), die eine politische Tätigkeit aufnahmen. Auch vertrat sie selbst mit Überzeugung den Lebensentwurf der Frau, die sich einer öffentlichen Aufgabe widmet und zu diesem Zwecke ehelos bleibt, wie offizielle Stellungnahmen von ihr deutlich machen.

Keineswegs so typisch gestaltete sich aber ihre Parlamentsarbeit. Während Frauen in den Parlamenten oft mit sozialen Themen beschäftigt wurden, wurde Klara Barth in ihrer ersten Wahlperiode 1920–1924 in den Ausschuss für die Geschäftsordnung und in den Ausschuss für Verfassungsfragen gewählt. Im Laufe ihrer Abgeordnetentätigkeit wurde Klara Barth in weitere Ausschüsse gewählt, sogar in Ausschuss für die Besoldungsordnung und den Haushaltsausschuss. So auch im letzten freien Landtag vor der Gleichschaltung 1932/33 ferner war sie stellvertretendes Mitglied im Ständigen Ausschuss.

Politische Positionen

Ihren ersten kurzen Redebeitrag im Landtag hielt sie am 28. Januar 1921 zur Frage der Wiedereinstellung der Lehrerin Rosamunde Schaffner in den Schuldienst, nachdem diese einen Apotheker geheiratet hatte. Der Zölibat für Beamtinnen war im Deutschen Reich 1880 eingeführt und in der Weimarer Republik zunächst wieder abgeschafft worden. In Bayern aber galt er für Frauen gemäß Volksschullehrergesetz; demnach musste Rosamunde Schaffner nach ihrem Eheschluss aus dem Staatsdienst ausscheiden. Unter Hinweis auf Berufsunfähigkeit ihres Mannes aufgrund einer Kriegsverletzung bat die bisherige Lehrerin um Wiedereinstellung. DDP, SPD und USPD plädierten dafür, ein Regierungsvertreter und die BVP sprachen sich gegen eine Beschäftigung aus.

Klara Barth betonte, dass die BVP verheiratete Beamtinnen ablehne. Das Parlament wies die Wiedereinstellung am Ende mit Mehrheit zurück. 1923 aber wurde die Ehelosigkeit für Lehrerinnen erneut im ganzen Reich eingeführt und noch 1955 vom Verein Katholischer Deutscher Lehrerinnen verteidigt. Hier wird deutlich, dass Klara Barth auch Positionen vertrat, die wir heute nicht mehr teilen.

Schwarz-Weiß Foto eines Klassensaals.
Symbolbild: Postkarte der Höhere Mädchenschule der Englischen Fräulein Nymphenburg, ca. 1910. Gemeinfrei unter <https://commons.wikimedia.org/wiki/File:AK_-_M%C3%BCnchen_-_Nymphenburg_-_H%C3%B6here_M%C3%A4dchenschule_der_Englischen_Fr%C3%A4ulein_Nymphenburg_-_Zeichensaal.jpg>.

Eine längere Landtagsrede hielt Klara Barth 1922 zu Standesfragen der Lehrerschaft, für Erhaltung der Konfessionsschule, den Religionsunterricht, Lehrplan- und Lesebuchfrage, Hilfsschulen, grundsätzliche Ablehnung der verheirateten Lehrerinnen, einen Gesetzentwurf über Schulaufsicht, Mädchenschulwesen, Hauswirtschaftlichen Unterricht und die Bedeutung des Wirkens der Hausfrau.

Im Februar 1923 begrüßte Klara Barth in einer Rede zunächst die Verbesserung der Lage der Lehrkräfte der Höheren Mädchenschulen. Dann begründete sie die Ablehnung der Koedukation durch ihre Partei mit der zu großen geistigen Anstrengung für die Mädchen im koedukativen Unterricht. Auch hier wurde sie von der Geschichte und wird sie noch mehr von der Gegenwart widerlegt.

Im Jahr 1925 sprach Klara Barth erneut zur Mädchen- und Frauenbildung. Nach einem Rückblick auf die Entwicklung seit 1911 und einer kurzen Darstellung der vorhandenen Mädchenschultypen legt sie dar, dass durch die anstehende Reform nicht die „Gleichartigkeit …, sondern die Gleichwertigkeit“ gesucht wird, und wendet sich gegen die Angleichung der Frau an den Mann, die sich in der zeitgenössischen Mode ausdrücke.

Im weiteren Verlauf zeigt sich Klara Barth als erklärte Gegnerin des Schulsports, zumindest für Mädchen. Erneut wendet sie sich entschieden gegen die Koedukation. Dabei legte sie großen Wert darauf, dass in den wissenschaftlich ausgerichteten Mädchenlyzeen der Fachunterricht auch von Lehrerinnen erteilt wird. Sie fordert die Erhaltung und staatliche Sicherung der Privatschulen. Klara Barth verteidigte die Konfessionsschule in der Pfalz. Für die Volksschule warb sie um genügend Kandidaten aus dem ländlichen Raum und der bürgerlichen Mittelschicht.

In einer Rede 1926 legte Klara Barth eindringlich die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der besetzten Pfalz dar, wobei sie noch einmal speziell auf die pfälzischen Saarbergarbeiter, die Schuhindustrie und die Kleinbetriebe einging.

1930 sprach Klara Barth in ihrer dritten Legislaturperiode anlässlich des Endes der französischen Besetzung der Pfalz und warb für die Unterstützung des Neuanfangs. Zum Schulwesen sprach sie noch zweimal 1930, zur Reform der Lehrerbildung und der Situation der Schulen, speziell der Konfessionsschulen in der Pfalz 1931. Im letzten freien Landtag in Bayern 1932/32 sprach Klara Barth im Dezember 1932 in der Haushaltsdebatte und begründete verschiedene Anträge.

Schwarz-Weiß Foto der Mutter Barth in Schwarz gekleidet und sitzend mit ihren drei Töchtern.
Eva Barth, geb. Müller (1843-1908) mit drei ihrer Töchter, um 1900. Von links nach rechts: Elisabeth (Lisette) Barth (1874-1951), Anna Barth (1883-1957) und Klara Barth (1880-1940).

Abseits der Politik

In ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete wurde Klara Barth 1924 zur Hauptlehrerin befördert. Am 1. Januar 1927 erhielt sie den päpstlichen Orden Pro ecclesia et pontifice für ihr kirchliches und soziales Engagement.

Schwarz-Weiß Foto: Außenansicht eines dreistöckigen Hauses.
Haus der drei Schwestern in Ludwigshafen, Austraße 1, heute Otto-Dill-Straße 1.

Mitte/Ende der 1920er Jahre kaufte sie gemeinsam mit zwei ihrer Schwestern – Lisette (1874-1951) und Anna (1883-1957) – ein Haus in der Austraße 1 auf der Parkinsel (jetzt Otto-Dill-Straße 1) in Ludwigshafen. Alle drei Schwestern waren ledig und ihr Haus stand der ganzen Familie offen. Unter anderem leisteten die Schwestern Fürsorge für die Kinder ihrer verstorbenen Schwester Anna Maria Franziska Oswald (1865-1912), für die Kinder ihres verstorbenen Bruders Otto Barth und auch für die zweite Frau ihres Schwagers Jakob Oswald mit ihren Kindern nach dem Tod Jakobs.[2]

Eine enge Freundschaft entwickelte sich zwischen Klara Barth und Ellen Ammann, die auch in der nächsten Generation in den Familien fortgesetzt wurde. Ebenfalls enge Beziehungen gab es zum letzten bayerischen Innenminister vor der Gleichschaltung, Karl Stützel aus Speyer, der sich mit großem Engagement um die Zurückdrängung der Nationalsozialisten bemühte.

Konflikt mit der NSDAP

Allein schon aus ihrem katholischen Glauben, ihrem Menschenbild und ihrer Mitgliedschaft in der BVP, die betont dem Föderalismus verschrieben war, ergab sich für Klara Barth eine natürliche Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. In einer ihrer Landtagsreden hatte sie schon 1926 einen NSDAP-Anhänger im Landtag attackiert.

Als Mitglied der katholischen Frauenverbände beteiligte sie sich im Frühjahr 1933 an Veranstaltungen gegen die neuen Machthaber im Reich, so ist eine Rede beim Katholischen Frauenbund in Frankenthal belegt. Sie warf Hitler vor, das deutsche Volk in „eine nationale und eine unnationale Front“ zu zerreißen und forderte die anwesenden Frauen auf, für die katholischen Parteien Zentrum und BVP zu stimmen.

Die gemeinnützigen Vereine, denen Klara Barth in leitender Position angehörte, gerieten ebenfalls in Konflikt mit den Nationalsozialisten: der Verein der katholischen deutschen Lehrerinnen und der Fürsorgeverein in Ludwigshafen.

Am 23. bzw. 28. Juni 1933 wurde sie anlässlich einer Aktion gegen die BVP in München Schutzhaft genommen und bis zum 5. Juli festgehalten. Danach gehörte sie noch für kurze Zeit dem Landtag an, da sie eine der Abgeordneten war, die die Auflösung des Landtags abwickeln mussten. So war sie noch bis 14. Oktober dort tätig. Später war sie nach Auskunft ihrer Nichte Ingrid Wagenknecht noch mehrmals in Schutzhaft.

Schwarz-Weiß-Foto des Bayerischen Landtags an der Prannerstraße.
Postkarte des Bayerischen Landtagsgebäude an der Prannerstraße, München, ca. 1890. Gemeinfrei unter < https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Siebert_Bayerischer_Landtag_Prannerstrasse.jpg  >.

Nach dem erzwungenen Ende ihres Mandats wurde Klara Barth noch im Schuljahr 1932/33 wieder als Lehrerin eingesetzt. Mit Schreiben vom 3. Juli 1934 folgte eine Versetzung nach Landau, von der nicht klar ist, ob es sich um eine Strafversetzung oder um eine Versetzung auf eigenen Antrag handelte. Die Formulierung der Verfügung, die den „eigenen Wunsch“ der Lehrerin nennt, muss nicht der Wahrheit entsprechen. In der Landauer Zeit wohnte Klara Barth im Institut der Englischen Fräulein.

Eine Gestapoakte zu Klara Barth liegt im Landesarchiv Speyer nicht vor, aber es findet sich aus dem Jahr 1936 eine „Listenmäßige Erfassung hervorragender Feinde von Bewegung und Staat“, darin steht zu BVP, Zentrum und Hilfsorganisationen in Ludwigshafen am Rhein an erster Stelle: „Barth Klara, geb. 23.12.80 Ommersheim, nicht jüdisch, Hauptlehrerin, MdL 1928/33“.

Tod 1940 in Ludwigshafen

Todesanzeige der Klara Barth mit Portrait.
Sterbebild Klara Barth.

Über den Tod Klara Barths ist in der Familie überliefert, dass sie am 12. Juni 1940 abends zu Besuch bei der befreundeten Familie Dr. Roßmann war. Der Hausherr wollte sie heimbegleiten, doch sein Fahrrad, mit dem er seinerseits den Heimweg zurücklegen wollte, war funktionsuntüchtig. Solange Dr. Rossmann mit der Reparatur beschäftigt war, ging sie voraus. Als er sie einholte, fand er Klara Barth auf dem Weg leblos am Bodenliegend. Polizeiliche Ermittlungen ergaben, dass sie einem Herzinfarkt erlegen war.

Als Mitglied im III. Orden der Dominikanerinnen wurde Klara Barth in Ordenstracht auf dem Friedhof in Ludwigshafen unter großer Anteilnahme beigesetzt. Eine knappe Todesanzeige erschien in dem Bistumsblatt Der christliche Pilger. Eine weitere Würdigung gab es für die langjährige Landtagsabgeordnete anlässlich ihres Todes nicht.


Gekürzt und leicht verändert nach: Dr. Lenelotte Möller, Historikerin und Schulleiterin des Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasiums in Speyer

Veröffentlicht: 05.12.2025; Zuletzt aktualisiert: 30.03.2025.

Zitate

Sie half vielen Menschen, die ihr ihre Anliegen vortrugen. Im Fürsorgeheim St. Anna-Stift in Ludwigshafen-Mundenheim gehörte sie zur Vorstandschaft. Sie besorgte Obdachlosen eine Bleibe und Arbeit. Sie sorgte dafür, daß gefallene Mädchen mit ihren Kindern ein Dach über dem Kopf hatten und eine Ausbildung bekamen, damit sie ihr späteres Leben meistern konnten.“

Erinnerungen der Therese Heisel, geb. Barth. (1915-2011), Tochter des Bruders Georg von Klara Barth, aufgeschrieben in den 1980er Jahren. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Ingrid Wagenknecht.

Etwa in der ersten Junihälfte, als der Feldzug im Westen allmählich zu Ende ging, brachte ich die Abendzeitung NAZ mit nach Hause. Als erste lief mir Tante Klara über den Weg, der ich sogleich die Zeitung überreichte, auf der in großen Lettern geschrieben stand: „Coventry dem Erdboden gleich“. Sie musste damals gemerkt haben, dass auch ich mich, den äußeren Einflüssen folgend, begeistern ließ. 

Jedenfalls legte sie den Arm um meine Schultern und sagte wörtlich: ‚Was ich dir jetzt sage, musst du für dich behalten. Merke dir das eine: Was uns heute recht ist, wird denen in zwei Jahren billig sein.‘
Sie erklärte mir dann, dass England nicht nur das eigentliche Mutterland ausmacht, sondern folgende Länder noch dahinter stehen: Kanada, Australien, Indien, Kolonien in Afrika usw. Jedenfalls hat mich als dreizehnjähriger Junge diese Belehrung sehr beeindruckt und nachdenklich gestimmt.

(Im August 1940 verstarb Klara Barth.)

Mit Fortdauer des Krieges, der mittlerweile zum Weltkrieg ausgeartet war, mehrten sich in den Jahren 1942 und 43 die Fliegerangriffe auf unser Land. Als ich des öfteren die Bomberpulks sah, wie sie ihre Kondensstreifen an das Firmament zeichneten und ihre Bombenlast ins Reich trugen, musste ich sehr oft an Tante Klara denken. Wie recht hatte sie doch mit ihrer Meinung, dass es denen eines Tages billig sein könnte, sogar sehr, sehr billig.“

Erinnerungen Jakob Josef Oswald (1927-2016), der nach der Räumung seines Heimatortes Reinheim 1940 als 13-Jähriger bei den Geschwistern Barth in Ludwigshafen untergekommen war. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Ingrid Wagenknecht.

Fußnoten

[1] Hierzu und zum Folgenden: Eine ausführlichere Version des vorliegenden Textes publizierte die Autorin 2020. Dort finden sich weiterführende Quellen- und Literaturnachweise. Möller, Lenelotte: „Eine hervorragende Feindin der Bewegung“: Die Landtagsabgeordnete Klara Barth aus Ommersheim, in: Wiegand, Hermann et al. (Hrsg.): Reformation – Aufklärung – Revolution – Emanzipation. Beiträge zur Kultur-, politischen Ideen- und südwestdeutschen Landesgeschichte. Festschrift für Wilhelm Kreutz zum 70. Geburtstag, Ubstadt-Weiher 2020, S. 333-350.


Ein besonderer Dank gilt Frau Ingrid Wagenknecht, Großnichte von Klara Barth, die wichtige Informationen zu ihrer Großtante und der gesamten Familie zur Verfügung gestellt hat.

[2] Diese Informationen stammen aus den Erinnerungen von Jakob Josef Oswald (1927-2016), Sohn von Jakob Oswald (geb. 1988), einem Neffen von Klara Barth. Zur Verfügung gestellt wurden diese Informationen freundlicherweise von Ingrid Wagenknecht, Großnichte von Klara Barth.

Zum Weiterlesen / Literatur

Möller, Lenelotte: „Eine hervorragende Feindin der Bewegung“: Die Landtagsabgeordnete Klara Barth aus Ommersheim, in: Wiegand, Hermann et al. (Hrsg.): Reformation – Aufklärung – Revolution – Emanzipation. Beiträge zur Kultur-, politischen Ideen- und südwestdeutschen Landesgeschichte. Festschrift für Wilhelm Kreutz zum 70. Geburtstag, Ubstadt-Weiher u.a. 2020, S. 333-350.

o.A.: 100 Jahre Frauenwahlrecht – Klara Barth aus Ommersheim war eine der ersten Parlamentarierinnen, in: Stadt St. Ingbert (Hrsg.): Das offizielle Mitteilungsblatt – Natürlich für St. Ingbert, Dezember 2018, S. 23.

Pfeiffer, Manfred: Saargebiet & Weimarer Republik. Ein Ausflug in unsere Geschichte 1918-1935. Begleitbroschüre zur Ausstellung2020. 2. überarbeitete Auflage, Mandelbachtal 2022.
                                              - Zu Klara Barth siehe S. 25-26.

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