Digitale Zeichnung des Portraits einer Frau

Gräfin Elisabeth von Blieskastel

 Anfang des 13. Jahrhunderts im Bliesgau

  kurz nach dem 22.04.1273

Über Elisabeth von Blieskastel

Gräfin und Stifterin des Klosters Gräfinthal

 Als Erstgeborene des Grafen Heinrich von Blieskastel (†1238), der aus dem Hause Metz-Lunéville stammt, und seiner Gemahlin, Gräfin Agnes von Sayn (†1255), war Gräfin Elisabeth ihres Vaters Erbtochter. Sie selbst blieb während ihrer zwei Ehen kinderlos.

Sie ist bekannt als Stifterin des Kloster Gräfinthals. Wann und aus welchem Grund sie das Kloster gegründet hat, lässt sich heute nicht mehr in Gänze nachvollziehen. Plünderungen und ein Brand haben alle Urkundenbestände, die dies hätten belegen können, vernichtet. Die älteste Literatur zu dem Kloster datiert die Stiftung aber auf das Jahr 1243 bzw. unmittelbar danach.

Das Grabmal der Gräfin befindet sich in der Wallfahrtskapelle des Kloster Gräfinthals, das man nach wie vor besuchen kann und noch heute erinnert der Name des Tals am Letschenbach an Gräfin Elisabeth von Blieskastel, eine prägende Persönlichkeit des mittelalterlichen Bliesgaus.

Farbfoto des Klosters von oben.
Kloster Gräfinthal mit Wallfahrtskapelle heute  (Fotografin: Eike Dubois; veröffentlicht von der Saarpfalz-Touristik. Lizenz: CCBY.)


Familie und Erbe

Gräfin Elisabeth war die älteste von sieben Töchtern, die aus der Ehe von Graf Heinrich von Blieskastel und Gräfin Agnes von Sayn hervorging. Die Eltern hatten zudem einen Sohn, Johannes, der aber 1235 schon verstorben ist und in Wörschweiler begraben wurde. [1]

Die Schwestern der Gräfin waren: Imagina, die Herrn Gerlach von Limbach heiratete; Adelheit, die Frau von Gottfried von Arensberg; Kunigunde, die Gemahlin des Grafen von der Mark und die Ehefrau von Ulrich Rappoltstein, deren Name nicht überliefert ist. Die weiteren beiden Schwestern Loretta und Mathilde wurden zu Lebzeiten von Graf Heinrich nicht verheiratet, weshalb er ihnen die Burg Hunolstein je zur Hälfte übertrug. Später heiratete Loretta den Grafen von Salm und Mathilde den Grafen von Blankenheim. Im Jahr 1237 heiratete Elisabeth den Grafen Berthold von Sulz.

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1238, mussten die verwitwete Mutter und die Schwestern das Erbe untereinander regeln. Offensichtlich schlossen sie eine gemeinsame Verwaltung aus, was zu Streitigkeiten führte.[2]

Elisabeth bemühte sich bereits kurz nach dem Tod ihres Vaters um die Belehnung mit Blieskastel durch den Bischof von Metz und stellte am 26. März 1238 einen Lehensrevers aus. Darin regelte sie nicht nur ihre eigenen Ansprüche, sondern auch die Erbfolge für den Fall ihres kinderlosen Todes:

Ich, Elisabeth, Gräfin von Castel, tue allen kund, daß ich mit Zustimmung meines Gemahls, Berthold, Graf von Sulz, Lehensmann geworden meines Ehrwürdigen Herrn Johannes, durch Gottes Gnade Bischof von Metz, nach den Ehrwürdigen Herren, dem Erzbischof von Trier und dem Bischof von Verdun, die Lehensgüter, welche mein Vater von ihnen erhielt, mir von ihnen wiederzuerhalten zuteil wurde . . . Wenn es aber mir zustoßen würde, ohne eigene Leibeserben zu sterben, soll eine meiner Schwestern das genannte Lehen in der vorgeschriebenen Weise erhalten und behalten."[3]

Dass der Nachlassverwalter, Graf Heinrich von Zweibrücken, damit einverstanden war, zeigte sich daran, dass Elisabeth sein Siegel verwendete:

Und da ich für mich selbst kein Siegel besitze, habe ich das Siegel des edlen Mannes, des Grafen von Zweibrücken, meines Verwandten, den vorliegenden Briefen zum Zeugnis der Wahrheit anhängen lassen.“[4]

Der Lehensrevers verdeutlicht außerdem ihr Anspruch auf weitere Lehen, die ihr Vater von Trier und Verdun erhalten hatte, insbesondere Hunolstein und Schaumburg. Diese wollte sie später einfordern.

Nach ihrer Rückkehr aus Metz sah Gräfin Elisabeth ein Problem in der Anwesenheit ihrer Mutter auf der Burg Blieskastel. Sie fürchtete sowohl, dass Agnes in ihre Herrschaft eingreifen könnte, als auch, dass ihre Schwestern unter dem Vorwand die Mutter zu besuchen oft auf der Burg erscheinen würden.[5] Schließlich konnte sie die Gräfinwitwe mit der Begründung, dass die unverheirateten Töchter auf Hunolstein ihrer Mutter bedurften, von Blieskastel wegbringen.

Ehen

Ebenfalls kurz nach Gräfin Elisabeths Rückkehr aus Metz musste sie erfahren, dass ihr erster Gemahl, Graf Berthold von Sulz, vor dem Eingehen der Ehe bereits die Weihe des Subdiakonats empfangen hatte. Das bedeutet, dass er ohne Erlaubnis geheiratet hatte. Zunächst blieb die Ehe trotzdem bindend, weshalb Elisabeth als Ehebrecherin galt, als sie mit der großen Täuschung des Grafen nicht leben konnte und sich sofort von ihm trennte.

Nach der Vertreibung ihrer Mutter und der Trennung von Graf Berthold von Sulz, stand sie nun alleine da. Auch hatte sie zu der Zeit nicht genügend Macht, die sie brauchte, um ihre Besitztümer zu verteidigen, weshalb sie die Hilfe eines Mannes benötigte. Noch im selben Jahr 1238 soll sie den Graf Rainald von Bitsch (†1274), den Bruder des Herzogs von Lothringen und Sohn des Herzogs Friedrich II., geheiratet haben.[6] Von beiden Seiten wurde die Ehe mehr aus Selbstnutz als aus Liebe eingegangen. Gräfin Elisabeth benötigte dringend Hilfe und Graf Rainald sicherte sich so ein Anrecht auf die Grafschaft Blieskastel. Später nannte er sich selbst Graf von Blieskastel. Allerdings wurde die zweite Ehe von Elisabeth erst 1253 kirchlich anerkannt[7], da ihre erste Ehe zunächst vom Papst als nichtig erklärt werden musste. 1258 wird sie das erste Mal als Ehefrau des Grafen von Bitsch erwähnt.[8]

Um 1243 kam es zu Kämpfen um die Herrschaft über Blieskastel, weil Agnes, die Gräfinwitwe, ihren Schwiegersohn Heinrich von Salm beauftragte, die Burg und das Schaumburger Gebiet zurückzuerobern[9]. Während Gräfin Elisabeths Gemahl sich im Feld befand, übernahm sie die effektive Leitung der Grafschaft.

Farbfoto der Pfeil-Madonna in der Heilig-Kreuz-Kapelle.
Gnadenbild der Pfeilmadonna, ursprünglich aus dem Kloster Gräfinthal, heute in der Heilig-Kreuz-Kapelle. (Fotograf: Wolfgang Henn; veröffentlicht von der Saarpfalz-Touristik.   Lizenz: CCBY.)


Klostergründung

In dieses Jahr, 1243, fällt auch die Stiftung des Wilhelmitenklosters Gräfinthal, an der sich Graf Rainald nicht beteiligte. Bei der Gründung beschenkte Gräfin Elisabeth das Kloster mit Kirchenrechten, Einnahmen und anderen Besitztümern. Auch Verwandte von ihr, die Herren von Mengen, unterstützten es mit weiteren Kirchenrechten und Einkünften. Das Kloster entwickelte sich in den nächsten 130 Jahren ungestört.

Elisabeth übergab das Kloster dem Orden der Wilhelmiten, einem jungen Reformorden der Benediktiner. Sie lebten nach der Regel des heiligen Benedikt, führten aber ein besonders frommes Leben. Ihr Alltag war geprägt von Gebet, Meditation, Gottesdienst, Buße, aber auch Seelsorge und Krankenpflege. Sie übernahmen dauerhaft die Pfarrseelsorge in Blickweiler-Blieskastel und betreuten auch Bliesmengen, wodurch das Kloster eine wichtige religiöse Rolle in der Region spielte.

Im Jahr 1376 wurde dem Kloster erstmals großer Schaden zugefügt. Der Herzog von Guise beauftragte seine Truppen auf seinem Weg in den Elsass das Kloster zu plündern und in Brand zu setzen, wobei alle Urkunden verbrannt sind. Aus diesem Grund sind wir heute auf eine Legende aus dem 15. Jahrhundert angewiesen, um etwas über die Klostergründung zu erfahren. Sie berichtet:

„Nicht weit von dem heutigen Gräfinthal stand ehedem in einem Eichenbaum in einer Nische ein Muttergottesbild. Wüste Gesellen, die an dem Ort vorbeizogen, schossen darauf mit Pfeilen, die in dem Bild stecken blieben. Aus den Wunden floß Blut.
Ein Blinder, der sich die Augen damit einrieb, wurde sehend.
Auch die Gräfin Elisabeth, die Erbtochter des Grafen Heinrich von Blieskastel und von dessen Gemahlin Agnes, Gräfin von Sayn, litt an triefenden Augen. Als die Gräfin von dem Vorgang hörte, wanderte sie dorthin und soll durch dieses Blut von ihren Leiden geheilt worden sein. Aus Dankbarkeit ließ sie in unmittelbarer Nähe der Eiche ein Kloster erbauen, das den Namen Vallis Comitissae- Tal der Gräfin - führte. Dies geschah im Jahre 1243."
[10]

Ob Elisabeth als Kind tatsächlich an triefenden Augen litt, ist nicht belegt, die sogenannte Pfeilmadonna war allerdings ein regional bekanntes Gnadenbild.

Tod

Gräfin Elisabeth von Blieskastel starb im Jahr 1273, wohl kurz nach dem 22. April[11]. Ihre genauen Todesumstände sind unbekannt. Kurz nach ihrem Tod wurde in der oktagonalen Kapelle des Klosters ein Grabmal aus Sandstein für sie errichtet. Es trägt die Inschrift „Elisabeth Comitissa a Bliescastel"[12].

Weiterleben des Klosters

Auch im 16. Jahrhundert und während des 30-jährigen Krieges blieb das Kloster nicht von Plünderungen verschont. Es wurde mehrmals zerstört und musste neu aufgebaut werden, was vor allem damit zusammenhing, dass das Kloster direkt an der lothringischen Grenze lag und somit den Streitereien zwischen den Fürsten immer direkt ausgesetzt war. Die Missernten um 1780 führten dann zu vielen Abwanderungen der Bewohner und somit zum wirtschaftlichen Niedergang des Klosters, das daraufhin Teile seines Besitzes verkaufen musste. 1782 baten die Gräfinthaler Mönche den Papst um die Auflösung des Konvents und die Übersiedlung nach Blieskastel. Papst Pius VI. wandelte es dann 1785 in ein weltliches Stift mit Sitz in Blieskastel, der damaligen Residenz der Reichsgräfin Marianne von der Leyen um.

Farbfoto der Heilig-Kreuz-Kapelle. Blauer Himmel.
Heilig-Kreuz-Kapelle von der Stadt aus. (Fotograf: Wolfgang Henn; veröffentlicht von der Saarpfalz-Touristik   Lizenz: CCBY.)

Das Gnadenbild der Pfeilmadonna hat die mehrfachen Plünderungen aber überlebt und wurde nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1786 nach Blieskastel gebracht. Heute kann man sie dort in der Heilig-Kreuz-Kapelle sehen. Ebenso ist das Grabmal der Gräfin innerhalb des Klosters unversehrt geblieben.

Ein Wunder, daß bei allen diesen Schicksalen das Grabmal der Stifterin, der Gräfin Elisabeth von Blieskastel bis auf den heutigen Tag fast unversehrt erhalten blieb!“[13]

Verfasst von: Laura Czech, Bundesfreiwilligendienstlerin im Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises

Veröffentlicht: 09.02.2026; Zuletzt aktualisiert: 31.03.2026.

Zitate

Gräfin Elisabeth von Blieskastel († 1273), die dem lieblichen Tal am Letschenbach den Namen gab, gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Edelfrauen im Bliesgau.



Lauer, Nikolaus [überarbeitet von E. Himbert, C. Jöckle, E. Rubeck]: Wallfahrt Gräfinthal. 3. neubearb. Auflage (München 1984), S. 2.

Es berührt uns eigenartig, daß Elisabeth für ihr Seelenheil kein Anniversarium, also eine Messe zu ihrem Gedächtnis errichtete. Es war üblich, für das immer wiederkehrende Gedächtnis eine größere Stiftung in Form eines Grundstückes oder eines größeren Geldbetrages zu machen. Doch davon kündet uns die Geschichte kein Wort.“ 



Mayer, Alfred: Gräfinthal. Ein Wilhelmitenkloster im Bliesgau (Homburg 1990), S. 36.

Fußnoten

[1] Mayer, Alfred: Gräfinthal. Ein Wilhelmitenkloster im Bliesgau (Homburg 1990), S. 26.

[2] Ebd., S. 28; vgl. Lauer, Nikolaus [überarbeitet von E. Himbert, C. Jöckle, E. Rubeck]: Wallfahrt Gräfinthal. 3. neubearb. Auflage (München 1984), S. 2.

[3] Zitiert nach Mayer 1990, S. 26.

[4] Ebd.

[5] Ebd., S. 29.

[6] Ebd. S. 30.

[7] Lauer 1984, S. 2.

[8] Pöhlmann, Carl: Regesten des Wilhehlmitenklosters Gräfinthal bis 1599 (Speyer am Rhein 1930), S. 19.

[9] Mayer 1990, S. 32 f.

[10]  Wie angegeben bei Lauer 1984, S. 2 f.

[11] Mayer 1990, S. 33.

[12] Lauer 1984, S. 10; 13.

[13] Pöhlmann 1930, S. 29.


Zum Weiterlesen / Literatur

Barth, Hermann Peter: Die Wallfahrtskapelle in Gräfinthal (St. Ingbert 1954).

Barth, Hermann Peter: Das Wilhelmitenkloster Gräfinthal (Saarbrücken 1956).

Becker, Hermann Josoph/Touba, Jacques: Die Wilhelmiten in Gräfinthal (Saareguemines 1930).

Hiebl, Manfred: Familie der Grafen von Blieskastel, online unter <https://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/blieskastel_grafen_von/familie_der_grafen_von_blieskastel.html> [letzter Abruf: 23.01.2026].

Lauer, Nikolaus [überarbeitet von E. Himbert, C. Jöckle, E. Rubeck]: Wallfahrt Gräfinthal. 3. neubearb. Auflage (München 1984).

Mayer, Alfred: Gräfinthal. Ein Wilhelmitenkloster im Bliesgau (Homburg 1990).

Pöhlmann, Carl: Regesten des Wilhehlmitenklosters Gräfinthal bis 1599 (Speyer am Rhein 1930).

o.A.: Chronik. Gräfinthaler Hof, online unter <https://www.graefinthaler-hof.de/chronik> [letzter Abruf: 23.01.2026].

Gefördert durch:

Logo zur Kofinanzierung von der Europäischen Union


Logo für das Minsterium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz Saarland


Das Logo der lokalen Aktionsgruppe Biosphärenreservat

Hier wird in den ländlichen Raum investiert!

Weiterlesen...