Oberbexbacher Frauen

Digitale Zeichnung von Händen, die in die Luft gestreckt sind und zum Teil Stöcke halten.


Die Oberbexbacher Frauen und der Revolutionär

Selten liest man in alten Dorfchroniken von öffentlichen Handlungen von Frauen. Umso bemerkenswerter erscheint daher die folgende Begebenheit, die sich in der Chronik von Oberbexbach-Frankenholz aus dem Jahr 1908 findet. Hier haben Frauen mit einer Aktion nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

  • Zum Hintergrund  

    Nach der deutschen Märzrevolution 1848 waren auch die Gemüter in Südwestdeutschland erhitzt. Große Teile des Saarpfalz-Kreises gehörten damals zur bayerischen Rheinpfalz. Hier erkannte König Maximilian die Verfassung nicht an, die das erste demokratische gesamtdeutsche Parlament in der Frankfurter Paulskirche beschlossen hatte.

    Infolgedessen entstand der Pfälzische Aufstand: In Kaiserslautern erklärte eine stürmische Volksversammlung die Loslösung von Bayern und setzte eine provisorische Regierung ein. In Städten wie in größeren Dörfern fanden Versammlungen statt; Redner zogen durch die Lande, um die revolutionären Ideen zu verbreiten. Allenthalben bildeten sich Freicorps.

  • Die Auswirkungen in Oberbexbach  

    Auch das sonst so stilles Dörfchen Oberbexbach blieb von diesen Vorgängen nicht verschont. Von Waldmohr aus wurde ein Kommissär entsandt – der damalige Gerichtsvollzieher, im Volksmund der „glütige Haspel“ genannt. Sein Name war Veit Zöller und nach einer Verwaltungslaufbahn wurde er zu einem der führenden Figuren der Freiheitsbewegung.

    Im Namen der neuen Regierung legte er Brandschatzungen auf, requirierte Fuhrwerke und forderte die waffenfähigen Männer zum Eintritt in die Freischaren auf. Zuwiderhandlungen wurden mit schweren Strafen bedroht.

    Die meisten Bürger verhielten sich jedoch zurückhaltend und beobachteten das Geschehen mit Besonnenheit. Für die revolutionäre Bewegung fanden sie wenig Sympathie. Ihre Zugtiere, vor allem die Pferde, brachten sie in den Waldschluchten des „Klingenschlags“ hinter dem „Steinernen Mann“ in Sicherheit, um sie vor Spanndiensten zu bewahren. Auch junge Männer hielten sich verborgen, um den militärischen Übungen zu entgehen, denn selbst hier hatte sich ein Freicorps gebildet.

    Am 13. Juni 1849 marschierten dann preußische Truppen ein, um den Aufstand niederzumachen und bald bewahrheitete sich an dem hiesigen Freischarenzug das Wort des Dichters:

    „Als noch alles lag in weiter Fern,
    da hattest du Entschluß und Mut,
    doch da die Gefahr dir nahe rückt,
    fängst du an zu lafe.“

    Und als schließlich die ersten Helmspitzen der preußischen Truppen auf der Wellesweiler Höhe sichtbar wurden, löste sich der Schwarm der Aufständischen rasch auf. Die Gewehre verschwanden in Verstecken, und die Sensenmänner suchten hinter den warmen Öfen Zuflucht. Von der zuvor zur Schau gestellten Kampfeslust war nichts mehr zu bemerken. Der Anführer der Freischar entkam nach Frankreich, wurde jedoch im Jahre 1870 ausgeliefert.

  • Die Frauen hatten genug  

    Auch Veit Zöller, der „glütige Haspel“, ergriff daraufhin die Flucht. Doch scheint er damit vom Regen in die Traufe geraten zu sein. Einige couragierte Frauen, darunter Barbara Hennes, Maria Anna Gallo und Anna Maria Ruffing, griffen den Flüchtling auf und bearbeiteten ihn gehörig mit Bohnenstangen. Es ging dabei wohl um rücksichtslose Entscheidungen in seiner Position als Gerichtsvollzieher. Seine missliche Lage nutzten die Frauen für eine brutale Racheaktion. Er trug eine Reihe von Verletzungen davon, die später vom Arzt im Zweibrücker Gefängnis untersucht wurden.

    Er wäre gelyncht worden, wenn ihn nicht die Bürger Jakob Gerhardt und Nikolaus Breit in die Wohnung des letzteren gebracht hätten. Wilhelm Kluding holte den unbeliebten Mann zum Kammerfenster heraus und hernach wurde er unter dem Gudium der Jugend nach Mittelbexbach verbracht und dem Regierungskommissar übergeben.

  • Wer waren diese Frauen?  

    Nicht immer lassen sich die Lebensgeschichten von Frauen anhand ihres Namens nachvollziehen, Doch zu den aufmüpfigen Frauen haben einige Informationen die Zeit überstanden.

    Maria Anna Gallo wurde 1819 als 4. Kind der Eheleute Wendel Müller und Katharina Brill in Marpingen im Kreis St. Wendel geboren. Ihre Eltern werden als Tagner- und Müllersleute genannt. Ihre ältere Schwester Elisabeth Catharina heiratet im Jahr 1840 den Bergmann Anton Ruffing aus Oberbexbach. Vermutlich ist die Maria Anna daher ebenfalls nach Oberbexbach gekommen.

    Sie arbeitet als Dienstmagd am Ort und lernte so vermutlich ihren späteren Ehemann, den Tagelöhner, Lumpensammler und Bergmann Peter Gallo aus Reiskirchen kennen. Entweder besaßen die Eltern von Peter ein Haus oder Maria und Peter kauften im bäuerlichen Oberbexbach ein kleines Haus. Dieses Haus blieb in der Familie bis 1997. Zuletzt bewohnte eine Urenkelin dieses Haus. Peter und Maria bekamen 4 gemeinsame Kinder, davon starb ein Mädchen im Alter von einem Jahr.

    Barbara Hennes, die Schwester von Balthasar Hennes (Balzer), wurde 1827 in eine katholische Familie in Oberbexbach geboren. Ihre Eltern waren Ackersleute und hatten 10 gemeinsame Kinder. Barbara heiratete später einen Andreas Karl Schindler aus Reiskirchen, wohin sich ihr Lebensmittelpunkt verlegte. Sie bekamen 11 Kinder.

    Ob sich Barbara Hennes und Maria Anna Gallo womöglich über die gemeinsame Herkunft ihrer Ehemänner kannten, ist unklar.

    Die Lebensumstände von Anna Maria Ruffing sind nicht bekannt. Es besteht die Möglichkeit, dass sie verwandt war mit dem Ehemann von Elisabeth Catharina, der Schwester von Maria Anna Gallo.


Verfasst von: Elisabeth Stadtmüller, AG Familienkunde des Heimatkundevereins Bexbach e.V.

Veröffentlicht: 30.03.2026; Zuletzt aktualisiert: 30.03.2026.

Zum Weiterlesen/Literatur/Quellen

Chronik von Oberbexbach u. Frankenholz. Erinnerungsblatt zum Gedenktage der Einweihung des neuen Rathauses zu Oberbexbach -am 1. August 1908-überreicht von Lehrer Louis und Bürgermeister-Sekretär Geibert in Oberbexbach

 Baus, Martin: Die Frauen stoppten den Gerichtsvollzieher. In Saarbrücker Zeitung vom 02.01.2024. Online unter < https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saar-pfalz-kreis/in-oberbexbach-wurde-der-gerichtsvollzieher-von-frauen-misshandelt_aid-104183891>.

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