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Rosa Salmon

Geborene Herz

 10.08.1867 in Ruchheim

  04.12.1940 im Internierungslager Gurs

Über Rosa Salmon

Inhaberin eines Manufaktur - und Konfektionsgeschäfts

Rosa Salmons Leben zeigt eindrücklich, welche Möglichkeiten sie als Jüdin und auch als Frau um 1900 in Homburg hatte: Sie besaß ein Geschäft, Wohnungen und konnte sich Hausangestellte leisten. Jedoch macht ihr Schicksal auch deutlich, wie schnell gesellschaftliche Anerkennung und wirtschaftlicher Erfolg durch Ausgrenzung, Antisemitismus und nationalsozialistische Gewalt zerstört werden konnten.

Die jüdische Gemeinde in Homburg – ihr Lebensumfeld

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Homburg begann bereits im 17. Jahrhundert.[1] Obwohl jüdische Familien schon früh in der Stadt lebten, waren sie lange Zeit rechtlich und gesellschaftlich benachteiligt.

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbesserten sich die Lebensbedingungen durch die Ideen der Aufklärung und die Reformen der napoleonischen Zeit. Die Gemeinde wuchs bis 1841 auf 281 Mitglieder an[2] und erhielt nach einem längeren Kampf im Jahr 1860 mit der ehemaligen Franziskanerkirche, welche zur Synagoge umgewandelt wurde, ein religiöses Zentrum.[3] Zahlreiche jüdische Geschäfte und Vereine prägten darüber hinaus das gesellschaftliche Leben Homburgs, darunter seit 1919 ein israelitischer Frauenverein.[4]

Über den Alltag jüdischer Frauen ist heute nur wenig bekannt. Wie viele Frauen des 19. Jahrhunderts waren auch sie häufig von ihren Vätern oder Ehemännern abhängig. Religiöse Pflichten wie rituelle Waschungen prägten ihren Alltag und konnten vor allem für Schwangere mit gesundheitlichen Folgen verbunden sein, da es bis 1838 kein Badehaus gab.[5]

Schwarz-Weiß-Foto einer Häuserreihe
© Stadtarchiv Homburg
Manufaktur - und Konfektionsgeschäft Aron Salmon in der Eisenbahnstraße.

Rosa Salmon – Unternehmerin und angesehene Bürgerin Homburgs

Rosa Salmon wurde am 10. August 1867 als Rosa Herz im pfälzischen Ruchheim geboren.[6] Nach ihrer Heirat mit Aron Salmon zog sie nach Homburg und wurde Teil der dortigen jüdischen Gemeinde. Gemeinsam bekamen sie zwei Kinder, Karl und Paula. Die Familie eröffnete um 1900 in der Eisenbahnstraße 6 ein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft, das über viele Jahre bei den Homburgern großer Beliebtheit erfreute. Dies lag auch daran, dass ihr Ehemann Aron Kunden, die knapp bei Kasse waren, die Möglichkeit bot, anzuschreiben unter dem Hinweis: „Wenna wedder Geld hann, kenne na de Rescht bezahle“.[7]

Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1932 übernahm Rosa Salmon offiziell die Leitung des Unternehmens und wurde Inhaberin der Wohnung der Familie. Gemeinsam mit ihrer Tochter Paula und ihrer Schwiegertochter Alice arbeitete sie im Verkauf, während ihr Sohn Karl für den Einkauf und die Buchhaltung verantwortlich war, was ihn zum inoffiziellen Inhaber des Geschäfts machte. Die Familie arbeitete vollständig im Geschäft und war wirtschaftlich so erfolgreich, dass sie Angestellte für Haushalt und Kinder beschäftigen konnte. Dadurch wird sichtbar, dass Frauen um 1900 Verantwortung im Wirtschaftsleben übernahmen, auch wenn ihre Tätigkeiten in der Geschichtsschreibung häufig wenig Beachtung fanden.

Seit Anfang der 1930er Jahre waren zunehmend antisemitische Ressentiments in der Gesellschaft zu spüren, insbesondere nach 1933.  So verbannte die Homburger Zeitung die Anzeigen jüdischer Geschäfte, von denen es zu diesem Zeitpunkt eine Vielzahl in der Stadt gab.[8] Auch aus dem Homburger Fußballverein werden 1933 bereits jüdische Mitspieler herausgeworfen.[9] Mit der Angliederung des Saargebiets an das Deutsche Reich zum 1. März 1935 änderte sich die Situation noch einmal grundlegend. Immer mehr jüdische Familien verließen Homburg, um der wachsenden Diskriminierung zu entgehen. Die Familie Salmon blieb zunächst in ihrer Heimatsstadt.

Schwarz-Weiß-Foto eines zerstörten Schaufensters
© Stadtarchiv Homburg
Geschäft der Salmons nach der Reichspogromnacht.

Verfolgung, Deportation und Erinnerung

Anfang 1938 brachten Nationalsozialisten ein Schild mit der Aufschrift „Jüdisches Geschäft“ am Laden der Salmons an.[10] Gleichzeitig wurden Kundinnen und Kunden fotografiert, um sie einzuschüchtern. Viele Menschen mieden daraufhin das Geschäft aus Angst vor den Folgen, sodass die Einnahmen erheblich zurückgingen. Zum Zeitpunkt der Reichspogromnacht war es noch das einzige Geschäft mit jüdischen Inhabern in der Stadt, alle anderen hatten ihre Unternehmen bereits aufgegeben und waren emigriert. 

Die Horden der SS schlugen in den frühen Morgenstunden des 10. Novembers 1938 Türen und Schaufenster ein. Dann wurden die Ladeneinrichtung demoliert, Stoffballen zerrissen und zerschnitten und sodann auf die Straße geworfen, wo eine Menge applaudierender Schaulustiger sich versammelt hatte.“[11] 

Rosa Salmon und ihre Familie hielten sich währenddessen in ihrer Wohnung im ersten Stock des Hauses auf, die ebenfalls von den Randalierern durchsucht wurde. Dabei beschlagnahmten sie Schriftstücke und 20.000 Reichsmark. Unter Tränen flehte Rosas Schwiegertochter mit der kleinen Tochter auf dem Arm, die zu diesem Zeitpunkt erst zwei Monate alt war, man möge ihnen doch Geld zum Leben lassen, woraufhin sie 100 Reichsmark zurückerhielt.[12] Zur gleichen Zeit wurde auch die Homburger Synagoge in Brand gesetzt und der Davidstern vor jubelndem Publikum abgerissen. Die Feuerwehr griff lediglich ein, um ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Gebäude zu verhindern.

Am 22.10.1940 wurden Rosa Salmon, ihre Kinder Karl und Paula, ihre Schwiegertochter Alice sowie ihre beiden Enkelkinder im Rahmen der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert.[13] Wie rund 6.500 weitere Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet mussten sie ihr Zuhause innerhalb weniger Stunden verlassen. Besonders für die Älteren bedeutete der Massentransport meistens den Tod. Für die damals 73-jährige Rosa Salmon waren die Strapazen der Deportation kaum zu bewältigen. Nach einer zweitägigen Fahrt in Viehwaggons und dem anschließenden Transport litt sie unter Hunger, Krankheiten und den katastrophalen hygienischen Bedingungen. Bereits am 04. Dezember starb sie im Lager Gurs.

Auch das Schicksal ihrer Familie verdeutlicht die Brutalität der nationalsozialistischen Verfolgung. Ihre Tochter Paula überlebte Gurs zunächst, wurde später jedoch über das Internierungslager Drancy in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet. Ihr Sohn Karl, seiner Frau Alice sowie den beiden Kindern gelang hingegen 1942 die Flucht in die USA, wo sie den Holocaust überlebten.

Heute erinnert in Homburg das 2019 eingeweihte Mahnmal „Gegen das Vergessen“ an die während des Nationalsozialismus ermordeten Jüdinnen und Juden der Stadt. Ergänzt wird dieser Erinnerungsort durch Stolpersteine, die an ehemaligen Wohnorten an die Opfer erinnern.


Verfasst von: 

Laura Czech, Bundesfreiwilligendienstlerin im Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises

Dr. Susanne Nimmesgern, Historikerin und Frauenbeauftragte des Saarpfalz-Kreises

Helen Tepper M.A., Projektkoordination Frauenspuren im Saarpfalz-Kreis

Veröffentlicht: 26.10.2026; Zuletzt aktualisiert: 26.10.2026.

Zitate

Deinen Wunsch unsere Deportation zu beschreiben, konnte ich nicht ausführen, da es meine Nerven nicht verkraften konnten. Es war zu schrecklich was wir durchmachten mit zwei Kindern in so großem Elend, vertrieben von Haus und Existenz und allem was uns lieb und teuer war, in die furchtbarsten Verhältnisse des Lagers Gurs in Südfrankreich zu landen.

Kälte, Hunger, erbärmliche Holzbaracken, Schmutz, kein Wasser. Ich tröstete andere Leute, alte Menschen und sagte, die Welt wird erfahren, wo wir sind und wird Hilfe schaffen... Wir wussten,
dass wir in ein Vernichtungslager verschoben werden. Wieviel kann eine Mutter mit zwei Kindern verkraften?

Was nützt es, jetzt noch darüber zu schreiben, es wäre nötig eine bessere Welt zu schaffen und einen zweiten Holocaust zu verbieten und jede Religion zu respektieren. Heute will ich Dir, liebe Freundin, nicht zuviel vorheulen, ich verlasse mich auf den Anstand der gebildeten Jugend von heute, mitzuhelfen, eine bessere Welt zu schaffen. Wolle der gute Gott, es möge gelingen.
“ 

Rosa Salmons Schwiegertochter Alice Salmon, geb. Vicktor, 1987 an eine Freundin in St. Ingbert, zit. bei Nimsgern/Zutter: Juden in St. Ingbert, S. 77.

Die Juden sind aus Homburg schon so ziemlich verschwunden. Besonders die jüdische Geschäftswelt, die einst einen bedeutenden Prozentsatz der Kaufleute ausmachte, hat sich auf ein Geschäft reduziert.“

Zeitungsausschnitt vom 28. Februar 1936 (abgedruckt unter Blinn 1993, S. 147).

Das Schicksal der Familie Salmon [...] mahnt uns in Homburg den Opfern der Judenverfolgung und Deportation auch in Zukunft zu gedenken. Rosa Salmon wurde im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion nach Gurs deportiert und verlor dabei ihr Leben. Nicht nur ihr Name wurde auf dem „Mahnmal gegen das Vergessen“ [...] am Alten Markt in Homburg verewigt.

Es soll das Gedenken der Opfer des NS-Terrors fördern und damit das Vergessen verhindern. Durch die Namen, welche auf den Stelen eingraviert sind, bekommen die Opfer einen Teil ihrer Identität zurück und erhalten in ihrer ehemaligen Heimatstadt und in unmittelbarer Nähe zu ihrer Wohnstätte einen würdigen Erinnerungsort.
“ 

Das Seminarfach des Saarpfalz-Gymnasiums Homburg (2020/21), online unter <https://orte-der-erinnerung.entdeckerwelten.eu/homburg/> [letzter Abruf: 26.10.2026].)

Fußnoten

[1] Dieter Blinn, Juden in Homburg. Geschichte einer jüdischen Lebenswelt 1330 - 1945 (Homburg-Saarpfalz 1993), S. 13.

[2] Ebd., S. 69.

[3] Ebd., S. 106–109.

[4] Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Homburg (Kreisstadt, Saarpfalz-Kreis). Jüdische Geschichte / Synagoge (Stand: 02. April 2026), online unter <https://www.alemannia-judaica.de/homburg_saar_synagoge.htm> [Letzter Abruf: 26.10.2026].

[5] Blinn 1993, S. 116-118

[6] Hierzu und zum Folgenden: Ebd., S. 183–186.

[7] Zit. bei Hans-Joseph Britz: Die Vertreibung und Ermordung jüdischer Bürger in Homburg, in: Saarpfalz 2016/2, S. 28-30, hier S. 28.

[8] Blinn 1993, S. 130.

[9] Ebd., S. 130 f.

[10] Ebd.

[11] „Kristallnacht“: Nazi-Schergen auf Hetzjagd, in: Verdrängte Geschichte – Nazi-Herrschaft, Verfolgung, Widerstand. Ein Wegweiser durch den Saarpfalz-Kreis, hrsg. vom Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Blieskastel 1995, S. 78.

[12] Ebd.

[13] Hierzu und zum Folgenden: Blinn 1993, S. 183–186.

Zum Weiterlesen / Literatur / Quellen

Dieter Blinn: Juden in Homburg. Geschichte einer jüdischen Lebenswelt 1330 - 1945 (Homburg-Saarpfalz 1993).

Hans-Joseph Britz: Die Vertreibung und Ermordung jüdischer Bürger in Homburg, in: Saarpfalz 2016/2, S. 28-30

Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises (Hrsg.): Verdrängte Geschichte. Nazi-Herrschaft, Verfolgung, Widerstand; ein Wegweiser durch den Saarpfalz-Kreis (Blieskastel 1995).

Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Homburg (Kreisstadt, Saarpfalz-Kreis). Jüdische Geschichte / Synagoge (Stand: 02. April 2026), online unter <https://www.alemannia-judaica.de/homburg_saar_synagoge.htm> [Letzter Abruf: 26.10.2026].

Landesarchiv Baden-Württemberg: Datensatz zu Salmon, Paula (o.J.), online unter <https://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/PERSON/gurs_biogramme/7122/Salmon%20Paula> [Letzter Abruf: 26.10.2026].

Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes: Datensatz zu Salmon, Rosalia/Rosa, geborene Herz (o.J.), online unter < https://gurs.saarland/index.php?id=44&uid=96&name=Salmon-Rosalia/Rosa-geb.-Herz> [letzter Abruf: 26.10.2026].

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