Mit der musikalischen Einstimmung „Morning has broken“, bewegend interpretiert von Franz Vogelgesang und Frank Berger, sind die diesjährigen Hospiztage feierlich eröffnet worden. Das Lied, das den neuen Morgen als Sinnbild für Hoffnung und immer wiederkehrenden Neubeginn beschreibt, gab zugleich die thematische Richtung der Matinee vor: Selbst, wenn das Leben von Krankheit, Abschied oder Unsicherheit geprägt ist, bleibt die Hoffnung auf Lebensqualität, Selbstbestimmung und den Erhalt der Würde.
Die Eröffnungsveranstaltung brachte Menschen zusammen, die sich beruflich oder ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagieren, ebenso wie zahlreiche interessierte Gäste. Ausrichter der Hospiztage sind der Ökumenische Hospiz- und Palliativberatungsdienst Saarpfalz und das Hospiz- und Palliativnetzwerk des Saarpfalz-Kreises mit seinen Partnern.
Gabriele John-Neumann, Koordinatorin des Hospizdienstes, begrüßte die Gäste und nahm in ihren Ausführungen Bezug auf die ausgewählten Musikstücke. Unter anderem griff sie den bekannten Beatles-Song „Help“ auf. Seine Botschaft sei trotz des mitreißenden Sounds schlicht: Jeder Mensch brauche im Laufe seines Lebens einmal Hilfe, Nähe und Unterstützung. Ein Einfaches „Ich bin für dich da“ könne dabei manchmal Wunder bewirken.
Landrat Frank John, Schirmherr der Hospiztage, unterstrich in seinem Grußwort die große Bedeutung der Hospizarbeit für die Region und darüber hinaus. Die Begleitung von Menschen am Lebensende sei eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und vor allem eines: gelebte Menschlichkeit. Wo medizinische Möglichkeiten an ihre Grenzen stoßen, bedeute dies keineswegs, dass nichts mehr getan werden könne. Vielmehr rücke der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Ängsten und Wünschen noch stärker in den Mittelpunkt.
Als weitere Grußrednerin brachte Barbara Aßmann, Vorsitzende der Ökumenischen Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz und Diözesan-Caritasdirektorin, diesen zentralen Gedanken der Hospizarbeit auf den Punkt: „Selbst, wenn nichts mehr zu machen ist, kann noch ganz viel getan werden.“ Hospizarbeit bedeute nicht, dem Leben lediglich mehr Zeit zu geben. Vielmehr gehe es darum, Menschen dabei zu unterstützen, die ihnen verbleibende Zeit möglichst bewusst, symptomarm, würdevoll und selbstbestimmt zu erleben. Dazu gehörten medizinische und pflegerische Unterstützung ebenso wie menschliche Nähe, Gespräche, Trost und die Gewissheit, nicht allein zu sein.
Mit Samuel Koch war für das Thema ein Referent zu Gast, der intensive Erfahrungen mit großen Herausforderungen und Veränderungen verbindet. Sein Vortrag beeindruckte durch Authentizität, persönliche Einblicke und eine klare, zugleich ermutigende Botschaft: Perfekt ist der Mensch nicht durch seine Leistung, sondern dadurch, dass er geliebt wird. Mit eindrucksvollen Gedanken, berührenden Impulsen und abwechslungsreichen Beiträgen zeigte Koch, dass auch schwere Lebenssituationen nicht ausschließlich von Verlust und Abschied geprägt sein müssen. Gerade die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit könne den Blick auf das Wesentliche schärfen: auf Beziehungen, gemeinsame Momente, Hoffnung und auf das Leben selbst.
Ein roter Faden seines Vortrags waren die unterschiedlichen Phasen der Krisenbewältigung. Neben den starken Emotionen, die einen Schicksalsschlag begleiten können, seien insbesondere Akzeptanz und Aktion entscheidende Schritte auf dem Weg in ein neues, durchaus erfülltes Leben. Dabei komme es darauf an, den eigenen Gestaltungsspielraum zu erkennen und die Möglichkeiten zu nutzen, die trotz aller Einschränkungen bestehen bleiben. Der Mensch sei wertvoll um seiner selbst willen. Er sei ein „Human Being“ und kein „Human Doing“. Sein Wert bemesse sich nicht an Leistung, Erfolg oder daran, welchen Nutzen er für andere erbringt. Die Erfahrung, geliebt und angenommen zu sein – unabhängig von Leistung und Funktion –, könne zu einer wesentlichen Quelle von Halt und Zuversicht werden.
Die Worte des Referenten bewegten das Publikum nachhaltig. Am Ende seines Vortrags erhoben sich die Zuhörerinnen und Zuhörer zu Standing Ovations – ein eindrucksvolles Zeichen dafür, wie unmittelbar seine Botschaft die Menschen im Saal erreicht hatte. In der anschließenden Fragerunde bestand Gelegenheit, die Gedanken des Vortrags aufzugreifen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei wurde erneut deutlich, wie vielfältig die Themen rund um Hospizarbeit, Sterben, Tod und Trauer und wie wichtig Räume für Austausch, Begegnung und gegenseitige Unterstützung sind. Den musikalischen Schlusspunkt setzte „You Raise Me Up“ von Westlife. Das Lied fasste die Botschaft des Vormittags treffend zusammen: Menschen können einander Halt geben, Kraft schenken und durch schwierige Zeiten begleiten.
Im Anschluss an die Veranstaltung konnten sich die Besucherinnen und Besucher an Informationsständen über die Arbeit und die vielfältigen Angebote rund um die Hospizbegleitung informieren. Ein Büchertisch lud dazu ein, sich weiter mit den Themen Sterben, Abschied, Trauer, Lebensbegleitung und Hoffnung auseinanderzusetzen. Und auch Samuel Koch stand noch lange für persönliche Gespräche zur Verfügung.
Die Eröffnungsveranstaltung machte eindrucksvoll deutlich: Hospizarbeit richtet den Blick nicht allein auf das Ende des Lebens. Sie richtet den Blick auf den Menschen – auf das, was bleibt, was möglich ist und was ein Leben bis zuletzt lebenswert macht.
So, wie es das Motto der diesjährigen Hospiztage „Das Leben geht weiter, als man denkt“ zusammenfasst.
Weitere Veranstaltungen:
Mittwoch, 9. September, 18 bis 20 Uhr
Biographiearbeit
Vortrag mit Isabell Funk.
Ort: Begegnungsstätte des Caritas-Zentrums, Kaiserstraße 63, St. Ingbert
Anmeldung erforderlich: gabriele.john-neumann@caritas-speyer.de, Tel. 06841-9728613.
Dienstag, 15. September, 17 bis 20 Uhr, und Mittwoch, 16. September, 10 bis 13 Uhr
WALA – Wickel, Auflagen und Einreibungen
Unterstützung in der Begleitung schwerstkranker Menschen in der Häuslichkeit.
Ort: Begegnungsstätte des Caritas-Zentrums, Kaiserstraße 63, St. Ingbert. Anmeldung erforderlich: stephanie.rung@diakonie-saarpfalz.de, Tel. 06841-9728615.
Freitag, 18. September, 19 Uhr
Filmvorführung „Toni und Helene“
Ort: Kinowerkstatt St. Ingbert, Pfarrgasse 49
Freitag, 25. September, 17 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst mit Chor
Ort: Katholische Kirche St. Engelbert, St. Ingbert
Samstag, 26. September, 9:30 bis 15 Uhr
„So nimm denn meine Hände … und geh (ein Stück) mit mir“
Workshop „Gesten, die das Herz versteht“ mit Tanja Haupenthal.
Ort: Begegnungsstätte des Caritas-Zentrums, Kaiserstraße 63, St. Ingbert
Anmeldung erforderlich: gabriele.john-neumann@caritas-speyer.de, Tel. 06841-9728613.
Freitag, 2. Oktober, 16 bis 20 Uhr
Letzte-Hilfe-Kurs
Informationen und Hilfen zur Unterstützung schwerstkranker Menschen am Lebensende.
Ort: Pro Seniore Residenz Hohenburg, Gerberstraße 18, 66424 Homburg. Anmeldung erforderlich: stephanie.rung@diakonie-saarpfalz.de, Tel. 06841-9728615.
Dienstag, 17. November, 18 Uhr
Homburger Frauenkabarett – „Das volle Programm bitte“
Ort: Stadthalle St. Ingbert
Kartenvorverkauf im Weltladen St. Ingbert
Weitere Informationen zum Hospiz- und Palliativnetz Saarpfalz sowie zu den Hospiztagen im Saarpfalz-Kreis 2026 finden Sie hier.
