Wo vor genau 200 Jahren Cornelia Siebenpfeiffer als Tochter des damaligen Homburger „Landcommissärs“ (Landrat) das Licht der Welt erblickte, aber auch, wo Philipp Jakob Siebenpfeiffer, in Ketten gelegt, seine letzte Nacht in Homburg zubrachte, wo sein Mitstreiter Johann Georg August Wirth im Nachthemd, mit der Schlafmütze auf dem Kopf und dem Gesetzbuch in der Hand, dem Homburger Bürgermeister und seiner Gendarmerie die Stirn bot, wo der streitlustige protestantische Dekan Gottfried Weber seine Weinvorräte lagerte und wo sich die Homburger Bürger zusammen mit ihren Zweibrücker Gesinnungsgenossen zusammenfanden, um am 26. Mai 1832 mit Pferdefuhrwerken zum Hambacher Fest aufzubrechen: Derartige historische Ereignisse gehören mit zum Rundgang durch die Homburger Innenstadt, zu dem am Donnerstag, 17. September, die Siebenpfeiffer-Stiftung einlädt. Die Begehung gilt jenen Schauplätzen, an denen im Vorfeld des Hambacher Festes in den Jahren 1830 bis 1832 ein Stück deutsche Demokratiegeschichte geschrieben wurde. Dieses Mal wird Frank John, der Vorsitzende der Siebenpfeiffer-Stiftung und der 15. Nachfolger Siebenpfeiffers im Amt des Homburger Landrates, auch mit von der Partie sein.
„Das Homburger Völkchen ist äußerst liberal“, schrieb Georg Fein 1832 in einem Brief an seine Mutter in Wolfenbüttel. Fein war Redakteur bei der „Deutschen Tribüne“, der einflussreichsten und auflagenstärksten liberalen Zeitung der damaligen Zeit. Seine Feststellung ist auch das Motto der Stadtführung. Die Tour zu den einschlägigen Schauplätzen der Ereignisse um Siebenpfeiffer und Wirth wird kein gewöhnlicher Rundgang durch die Innenstadt. Vielmehr erwartet die Teilnehmer eine inszenierte Kostümführung: Monika Link aus Zweibrücken wird als „Regina Wirth“, also der Ehefrau bzw. Witwe von Johann Georg August Wirth, in zeitgenössischer Montur Revue passieren lassen, was sie in der spannungsgeladenen Homburger Zeit zwischen 1832 und 1834 so alles „erlebt“ hat, während ihr streitbarer Gatte die meiste Zeit eingekerkert war. Stationen der historischen Exkursion sind etwa das Terrain, auf dem sich einst Behausung und Garten von Philipp Jakob Siebenpfeiffer sowie auch das damalige „Landcommissariat“ (Landratsamt) befanden, das Gebäude des einstigen Gasthauses Cappel, in dem die Reihe der zahlreichen politischen „Festbankette“ ihren Anfang nahm, sowie schließlich auch der Freiheitsbrunnen, der von dem im vergangenen Oktober 92-jährig verstorbenen Künstler Bonifatius Stirnberg (Aachen) geschaffen und 1992 am Rondell eingeweiht wurde. Die Teilnahme daran ist kostenlos, Ausgangspunkt ist „Glockenschlag sechs Uhr nachmittags“, also um 18 Uhr, das Außengelände des Siebenpfeiffer-Hauses, Kirchenstraße 8 (gegenüber der protestantischen Stadtkirche). Die Begehung dauert etwa anderthalb Stunden, die Teilnahme ist kostenlos.
