„Wir trauern um einen Weggefährten, der mit leidenschaftlicher Lust, überzeugender Argumentationskraft und rhetorischer Brillanz unbeirrbar streitbar war. Er hat die Ideen von Pressefreiheit, wie sie von Philipp Jakob Siebenpfeiffer vertreten wurden, couragiert gelebt“
Mit diesen Worten würdigte Frank John, der als Landrat des Saarpfalz-Kreises Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Stiftung ist, das Engagement von Karl Geibel. Der langjährige Vorsitzende des Journalistenverbandes Baden-Württemberg ist vor wenigen Tagen im Alter von 84 Jahren gestorben.
Als Ende 1988 die Siebenpfeiffer-Stiftung auf Initiative des damaligen Landrates Clemens Lindemann aus der Taufe gehoben worden war, stand er in der ersten Reihe der Mitglieder. Über die Jahrzehnte hinweg war er ein kämpferischer und bewusst unbequemer Journalist, der kein Blatt vor den Mund nahm, wenn es erforderlich war. Als Mitglied des Vorstandes der Siebenpfeiffer-Stiftung brachte sich Karl Geibel, am 3. April 1941 in Kaiserslautern geboren, in vielfacher Hinsicht mit Ratschlägen, Ideen, aber auch konstruktiver Kritik in deren Arbeit ein. Auf seine Initiative hin wurde in Kooperation zwischen Siebenpfeiffer-Stiftung und dem Journalistenverband im badischen Lahr das „Demokratiefest“ gefeiert, bei dem es Vorträge, Diskussionen und Musik (u. a. mit dem elsässischen Liedermacher Roger Siffer) gab. In der Folge wurde die Geburtsstadt Siebenpfeiffers 2007 Mitglied in der nach ihm benannten Stiftung. Geibel gehörte lange Jahre auch der Jury an, die über den Siebenpfeiffer-Preis berät. Als diese Auszeichnung 2010 an den „Undercover“-Journalisten und Publizisten Günter Wallraff verliehen wurde, trug Geibel die Begründung der Kommission im vollbesetzten Homburger Saalbau vor. In Homburg war er ein häufiger und gern gesehener Gast. Beim Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung 2016 würdigte er in einer launigen Rede das Engagement von Clemens Lindemann, der das Zepter an seinen Nachfolger Dr. Theophil Gallo weitergegeben hatte. Zum 30-jährigen Bestehen der Siebenpfeiffer-Stiftung im Januar 2020 stellte dieser die Verdienste von Karl Geibel heraus: Er sei stets ein aufgeschlossener Ansprechpartner, begnadeter Rhetoriker und nicht zuletzt ein geschätzter Wegweiser“, er verdiene die Auszeichnung als „Mann für alle Fälle“, hieß es in der Urkunde, die Gallo Geibel aushändigte.
Bis zu seinem Tod war er Mitglied im Beirat der Stiftung. Noch im Mai dieses Jahres hatte Karl Geibel bei der Geschäftsstelle der Siebenpfeiffer-Stiftung Publikationen und CDs mit Freiheitsliedern geordert, die er zum 40. Bestehen des Journalistenverbandes Baden-Württemberg bei dessen Gewerkschaftstag in Stuttgart verteilte.
„Wir verlieren einen beharrlichen, meinungsstarken, aber auch solidarischen Freund, der sich mit Herzblut einmischte, wenn er es für nötig hielt. Er hinterlässt eine Lücke, die nicht zu schließen ist“,
führt Stiftungsvorsitzender Frank John weiter aus.
