Waschhäuser und Brunnen im Saarpfalz-Kreis als Orte gemeinsamer Arbeit und des geselligen Austauschs

In einer Zeit ohne fließend Wasser

Im Rahmen des Projektes „Frauenspuren im Saarpfalz-Kreis“ sollen nicht nur die Biografien besonderer Frauen herausgearbeitet, sondern auch Orte betrachtet werden, die Teil weiblicher Lebenswelten waren.

Bei der Bewältigung des Haushaltes spielten in früheren Zeiten Brunnen und Waschhäuser eine zentrale Rolle. Vor 100 Jahren waren viele private Wohnstätten noch nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. In Oberwürzbach wurde bspw. erst 1930 eine Wasserleitung installiert, der Ortsteil Rittersmühle konnte sogar erst 1950 an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen werden. Zuvor musste das Wasser für den täglichen Gebrauch an Gemeindebrunnen geholt werden, was zumeist eine Aufgabe der Frauen und eventuell auch der größeren Kinder darstellte.

Über den Brunnen in der St. Ingberter Schafgasse, der späteren Elstersteinstraße, berichtete der Heimatschriftsteller Karl Uhl, dass dort die Arbeiterfrauen nicht nur Wasser holten, sondern auch manche Haushaltsvorgänge erledigten: „ Zum ‚Rätschen‘ hatten jedoch die Wasserholerinnen keine Zeit, obwohl die 45 Bergmannsfrauen kein Essen zu tragen brauchten, wie beispielsweise die Weibsleute der 20 Schmelzer, die, wenn es 12 tutete, mit dem Esskorb auf der Schmelz sein mussten dieweil [die anderen] noch am Brunnen ihr Gemüse und ihren Salat putzten und wuschen.“[1]

Solche Brunnen gab es an zahlreichen Orten, um den Bedarf der Bevölkerung nach frischen Wasser zu stillen, Die Gemeinde hatte von alters her dafür Sorge zu tragen, Quellen zu fassen, in sauberen Zustand zu halten und Leitungen zu bauen, um die verschiedenen Brunnen mit Wasser zu versorgen.

Manche Wasserstellen dienten dabei explizit zur Erledigung der großen Wäsche wie z.B. in Rohrbach der Waschbrunnen im Wiesental hinter der Spieser Straße. Manchmal wurde so ein Waschbrunnen auch als Viehtränke genutzt, was – wie man sich leicht vorstellen kann – mitunter hygienische Probleme mit sich brachte. So gab es in Blickweiler am Wiesenthale einen Waschbrunnen, der dieser Doppelnutzung unterlag und gesundheitsgefährdende Verschmutzungen durch Schmutz und Kot aufwies. Trotz mehrfacher Nachbesserungen durch die Stadt Blieskastel ließen sich diese Mängel nicht abstellen.[2]

Wie sind Waschhäuser entstanden? 

An manchen Stellen errichteten die Gemeinden spezielle Waschhäuser. Diese Bauwerke stammen meist aus dem 18. oder 19. Jahrhundert und waren über Jahrhunderte hinweg ein unverzichtbarer Bestandteil des Dorflebens. Heute sind sie stille Zeugen einer Alltagskultur, die ohne fließendes Wasser im Haus auskommen musste.

Die Waschhäuser wurden direkt an Quellen, Brunnen oder kleinen Bächen errichtet, sodass ständig frisches Wasser nachfließen konnte. Sie boten den Dorfbewohnern, vor allem den Frauen, einen geschützten Platz zum Waschen. Gleichzeitig waren sie aber auch ein sozialer Treffpunkt, an dem Gemeinschaft gepflegt und der neueste Klatsch und Tratsch ausgetauscht wurde.

Die Geschichte der überdachten Waschhäuser reicht nach heutigem Kenntnisstand bis ins 18. Jahrhundert zurück. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit wuschen die Frauen die Wäsche auf Steinen an Bächen oder Flüssen. Im Zuge der industriellen Revolution und der damit verbundenen Verschmutzungen entstanden gegen Ende des 18. Jahrhunderts erstmals in größerer Zahl überdachte Bauten, die aus Mitteln der Gemeindekasse errichtet wurden.

Beispiele aus dem Saarpfalz-Kreis

Im Saarpfalz-Kreis gab es mehrere solcher Einrichtungen, die meisten wurden aber schon längst abgerissen und lediglich einige Fotos zeugen von ihrem Vorhandensein. Eine erste Auflistung bezogen auf die jeweiligen Gemeinden findet sich in der Publikation „Die Saarpfalz – Geschichte, Kultur und Ortschaften im Saarpfalz-Kreis“.[3] In der vom gleichen Herausgeber verantworteten Zeitschrift „Saarpfalz“ sind Fotos der Waschplätze und -brunnen im Saarpfalz-Kreis auf einer Doppelseite zusammengestellt.[4]

In Oberwürzbach hat jedoch am Felsenbrunnen ein solches Waschhaus die verschiedenen Zeitläufte überstanden und bietet einen anschaulichen Eindruck von der Funktionalität solcher Bauten. Laut Denkmalliste wurde es vor ca. 200 Jahren errichtet und 1927 noch einmal erneuert. Gespeist wird es durch einen Bach, der aus dem „Laichweihertal“ kommt und sehr weiches, d.h. kaum kalkhaltiges Wasser führt. An gleicher Stelle gab es einst einen Brunnen, der dann zum Waschhaus ausgebaut wurde.[5] Das Waschhaus verfügte über mehrere Becken, die einen Zulauf ans frische Wasser hatten. In diesen konnte die Wäsche, die zuhause bereits im Waschtrog in Lauge und teils kochendem Wasser behandelt wurde, ausgespült werden. In Rentrisch wurde ein Waschhaus 2003 neu errichtet, wobei es Hinweise gibt, dass das ursprünglich vorhandene Gebäude sich Richtung Scheidter Bach auf der gegenüberliegenden Seite befand.

Auch inmitten der Stadt St. Ingbert gab es solche Einrichtungen: So erledigten die St. Ingberter Frauen bis ins 20. Jahrhundert hinein die „große Wäsche“ im „Ecker Waschbrunnen“, der an der Dammstraße gelegen war, wo sich einst der Hammersweiher befand. Dort standen zwei Waschtröge zur Verfügung, die mit einer einfachen Holzkonstruktion überdacht waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Waschplatz dem Erdboden gleichgemacht.[6] Das Waschhaus hingegen, das direkt am Mühlgraben stand und die imposante Stadtmühle flankierte, wurde mit ihr gemeinsam 1973 abgerissen. An diesem Ort gab es sogar sieben oder acht Waschträge, an denen eifrig gearbeitet wurde. Schon von der Ferne war das „Geplaul“ (Wäscheklopfen) zu hören, das mit dem Klappern des Mühlrades konkurrierte. Zeitzeugen berichteten davon, welch munteres Treiben beim Waschhaus an der Stadtmühle herrschte: „War das oft schön dort, wenn so die rechten Frauen und Mädchen am Brunnen zusammenkamen. Das Plappern ihres Mundwerkes übertönte oftmals das Klappern der Mühle und das Rauschen des Wassers. Von morgens in der Frühe bis um Mitternacht war es dort lebendig, und mancher hat sich dort sein Mädchen gefreit.“[7]

Die Große Wäsche

Im Rückblick mag das Ganze regelrecht romantisch erscheinen, doch dabei darf nicht in Vergessenheit geraten, dass das Erledigen der großen Wäsche bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein äußerst komplexer Vorgang war, der mit großen körperlichen Anstrengungen verbunden war und mindestens einen ganzen Tag in Anspruch nahm. Zuhause wurde die Wäsche im Zuber gekocht, bevor man sie in Körben oder per Handwagen zum Gemeindebrunnen oder Waschhaus transportierte, um sie dort weiteren Arbeitsschritten zu unterziehen, die Textilien in verschiedenen Becken auszuspülen oder sie eventuell auf einem Waschstein auszuklopfen oder zu schrubben. Das bedeutete nicht nur körperlich anstrengende Arbeit, sondern war auch je nach Witterungsbedingungen sehr unangenehm, wie aus Zeitzeugenberichten von Hausfrauen früherer Zeiten zu entnehmen ist: „Bis ca. 1920 gab es in unserem Haus keinen Wasseranschluss, wir mussten das Wasser an der Pumpe holen. Wenn Waschtag war, musste ich mit der Wäsche durchs Dorf an den Waschbrunnen, bei Wind und Wetter am Waschtrog (es gab 2 Stück) Wäsche auswaschen. Im Winter war meine Schürze, die ich anhatte, vor Frost gefroren.“[8] Meist wurden diese Tätigkeiten im Kollektiv erledigt, so dass der Waschvorgang auch eine soziale Komponente erhielt und den Austausch förderte. Allerdings war mit dem Vorgang des öffentlichen Waschens auch eine soziale Kontrolle verbunden z.B. in Hinblick auf Reinlichkeit und intime Lebenssituationen wie die Menstruation oder eine mögliche Schwangerschaft.[9]

„Stätten praktizierten Feminismus“

Dass es am Waschbrunnen nicht immer zimperlich zuging, zeigen auch historische Dokumente:

Der Mühlenbrunnen war der „Bürgerschaft von Bliescastel“ seit der Renovatur von 1777 „eigenhümlich“. Bei diesem „überdachten Mühl- oder Waschbrunnen beim Hause des Abraham Levy sen.“ wurde neben der Reinigung der Kleider auch für einen Austausch der neuesten Nachrichten gesorgt. Aber offensichtlich gingen Klatsch und Tratsch so weit, dass sie sogar bis zur gräflichen Herrschaft im Schloss vordrangen und diese sich veranlasst sah, gegen die „Weibern“ einzuschreiten, die „ihr lästerliche Zunge undt ohngewaschene Mäuler, (in) schändlicher und gottloser Weiße“ zu gebrauchen wussten.[10]

Aufgrund dieses Phänomens wurden die Waschbrunnen in der Forschung mitunter „als ‚Stätten praktizierten Feminismus‘ angesehen. Frauen konnten hier Probleme besprechen und Strategien und Maßnahmen für gegenseitige Hilfe entwickeln.“[11]

Neben dem oben genannten Brunnen im Mühleneck wurde später ein Waschhaus errichtet. „Im Innern des gemauerten Gebäudes befanden sich Sandsteintröge zum Wässern und Ausspülen sowie Tische zum Bürsten der Wäsche. Vor dem Waschhaus lag ein Stein zum Walken.“[12]

Was ist geblieben?

Mit der Einführung der Waschmaschine spätestens seit den 1950er Jahren hatte sich die tagelange Plackerei erledigt und die Waschbrunnen und -häuser waren Geschichte, die schnell in Vergessenheit geriet. Erhalten geblieben sind jedoch Gemarkungs- und Straßennamen, die Rückschlüsse zulassen: „In Mimbach gibt es noch die „Waschgasse“, in Altstadt fließt noch der „Wäschbach“, der von einer eigens gebohrten, mächtig sprudelnden Kesselquelle gespeist wird. Die Gemarkung „Wäschwiesen“ – wie die „Bleichwieschen“ im Nachbarort Limbach – stehen für einen anderen Arbeitsschritt in Sachen Reinlichkeit: Hier wurden, strahlender Sonnenschein vorausgesetzt, die großen Tücher und Laken ausgebreitet, damit sie in der Sonne trocknen konnten und auch wirklich strahlend weiß wurden. Sie wurden immer wieder mit kaltem Wasser berieselt, damit der Trockenvorgang nicht zu schnell über die Bühne ging. Eine „Bleichstraße“ windet sich in Webenheim.“[13]  

Aber auch Sprichwörter wie „schmutzige Wäsche waschen“ für das Verbreiten von Klatsch und Tratsch oder das Schimpfwort „altes Waschweib“ haben sich bis heute erhalten.


Verfasst von: Dr. Susanne Nimmesgern, Historikerin und Frauenbeauftragte des Saarpfalz-Kreises

Veröffentlicht: 24.07.2026; Zuletzt aktualisiert: 24.07.2026.

Fußnoten

[1] Karl Uhl: Spaziergang durch das alte St. Ingbert, St. Ingbert 1961, S. 153.

[2] Raffaela Berger: „Wasser auf die Mühle“. Wasserversorgung im Blieskasteler Mühleneck während des 18. Und 19. Jahrhunderts, in: Saarpfalz 01/2026, S. 32-37, hier S. 36.

[3] Andreas Stinsky (Hrsg.): Die Saarpfalz – Geschichte, Kultur und Ortschaften im Saarpfalz-Kreis, Oppenheim 2025.

[4] Waschplätze und Brunnen in saarpfälzischen Ortschaften, in: Saarpfalz 01/2026, S. 72f.

[5] Martin Baus: Waschen war früher reinste Knochenarbeit, Saarbrücker Zeitung vom 26.05.2024.

[6] Johannes Stirnemann: Schauplatz von Ratsch und Tratsch. Von der Waschbank zur Waschmaschine, In: Saarpfalz-Jahrbuch 2012, hrsg. vom Saarpfalz-Kreis, S. 119-124, hier S. 120.

[7] Adolf Janzer 1936 in einem Artikel in der Westpfälzischen Zeitung, zitiert bei Wolfgang Krämer: Geschichte der Stadt St. Ingbert, Bd. 2, St. Ingbert 1955, S. 101.

[8] Bericht von Anna Linder, die 1911 geboren wurde. Nachzulesen sind ihre Erfahrungen bei Bärbel Kuhn: Haus Frauen Arbeit 1915-1965. Erinnerungen aus 50 Jahren Haushaltsgeschichte, St. Ingbert 1994, S. 35.

[9] Kuhn: Haus Frauen Arbeit, S. 35.

[10] Kurt Legrum: Spaziergang durch die gräflich-leyensche Residenz Blieskastel, St. Ingbert 1995 (Wege in die Region, Bd 3), S. 18.

[11] Kuhn: Haus Frauen Arbeit S. 35.

[12] Raffaela Berger: Wasserversorgung im Blieskasteler Mühleneck, in: Saarpfalz 01/2026, S. 32-37.

[13] Martin Baus, s. Anm. 5.


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