Digitale Illustration eines Frauenportraits
© Helen Tepper

Dora Dimel

 01.11.1898 in Saarlouis-Beaumarais

  11.04.1985 in Saarlouis-Beaumarais

Über Dora Dimel

Lehrerin, Heimatforscherin, Autorin

Als Heimatforscherin recherchierte und veröffentlichte Dora Dimel die Regionalgeschichte verschiedener saarländischer Orte, auch aus dem heutigen Saarpfalz-Kreis, und trug somit zum besseren Verständnis der Vergangenheit bei.

Frühes Leben

Dora Dimel wurde am 1. November 1898 im Saarlouiser Stadtteil Beaumarais geboren.[1] Nach dem Besuch der örtlichen Volksschule wechselte sie an das Mädchengymnasium in Saarlouis, wo sie um 1916 ihr Abitur ablegte.[2] Inmitten des Ersten Weltkriegs begann sie ein Studium in Trier, das sie 1919 mit dem Erwerb der Lehrbefähigung für Volks-, Mittel- und höhere Mädchenschulen abschloss.

Ihre erste Berufserfahrung war eine Anstellung als Hauslehrerin bei der Familie Fabvier in Wallerfangen zwischen 1919 und 1922. Danach unterrichtete sie fünf Jahre an der Domanialschule der französischen Grubenverwaltung[3] und im Anschluss daran drei Jahre als Volksschullehrerin.[4] Wissbegierig und ehrgeizig setzte Dora Dimel ihre Ausbildung fort: So studierte sie von 1930 bis 1933 Wirtschaftswissenschaften in den französischen Städten Nancy, Lille und Dijon sowie Handelswissenschaften und französische und englische Sprachwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt.[5] Zusätzlich erwarb sie die Lehrerlaubnis für das Fach Religion[6] und legte im November 1933 die Prüfung zur Handelsstudienrätin mit einer Abschlussarbeit über die „Nutzung der Wasserkraft in Frankreich“ ab.[7]

Saarabstimmung und Zweiter Weltkrieg

Zwischen 1934 und 1935 unterrichtete Dimel an der Volksschule in Hüttersdorf,[8] das heute zur Gemeinde Schmelz gehört. Doch der politische Wandel nach dem Wiederanschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich traf sie hart: Weil sie sich während des Abstimmungskampfes vor dem 13. Januar 1935 unter anderem mit politischen Vorträgen für den Erhalt des Saargebiets und den „Status Quo“ eingesetzt hatte,[9] wurde sie von März bis September desselben Jahres aus politischen Gründen aus dem Schuldienst entlassen.[10] Während dieses halben Jahres arbeitete sie als Privatlehrerin für die Familie Villeroy de Galhau in Wallerfangen[11] und hatte auch schon Vorkehrungen für eine Flucht nach England getroffen sowie ihre Habseligkeiten unter Verwandten aufgeteilt, da sie eine Enteignung befürchtete.[12] Zwar folgte Ende 1935 ihre Wiedereinstellung, jedoch unter Aberkennung ihrer bisherigen Dienstzeiten und Pensionsansprüche.[13]

Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit entwickelte sich Dora Dimel zu einer engagierten c. Man traf sie häufig in den Archiven von Blieskastel, Zweibrücken und St. Ingbert an.[14] 1936 veröffentlichte sie ihr Buch über den Ort Alschbach, das als erster Band der Reihe „Dorfbücher des Bezirks St. Ingbert-Gau-Saarpfalz“ erschien.[15] Zu dieser Zeit unterrichtete sie auch an der dortigen Volksschule. Bald darauf kehrte sie in den Kreis Saarlouis zurück und wirkte von 1936 bis 1945 als Handelsstudienrätin an der Kaufmännischen Berufsschule in Lebach, wo sie Kriegsverletzte unterrichtet hat, die eine Umschulung machten.[16] In dieser Zeit entstanden weitere Arbeiten von ihr, unter anderem über das Hüttenwesen in Schmelz und über das Bergarbeiterdorf Hüttersdorf. [17]

Nachkriegsjahre

In den unmittelbaren Nachkriegsjahren gab Dora Dimel den französischen Ordensschwestern aus Peltre im Saarlouiser Krankenhaus sowie den Kindern der Familie Villeroy de Galhau Deutschunterricht. Aus dieser Zeit stammen auch mehrere geschichtliche und wirtschaftliche Veröffentlichungen in den damals vorherrschenden Medien. 1947 erschien ihr Buch „Marschall Ney und seine Heimat“. Von 1945 bis zu ihrer Pensionierung 1963 unterrichtete Dora Dimel an der Handelsschule und der Kaufmännischen Berufsschule in Saarlouis. Zusätzlich leitete sie auch Französischkurse für Erwachsene.[18]

1955 stimmte sie erneut gegen einen Wiederanschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik.[19] Für ihr Engagement in der deutsch-französischen Zusammenarbeit erhielt sie 1977 den Orden „Chevalier dans l’ordre des Palmes Académiques“ des französischen Bildungsministeriums,[20] einem der wichtigsten  1980 veröffentlichte sie anlässlich der 300-Jahr-Feier der Stadt Saarlouis das Buch „Die Geschichte des Stadtteils Beaumarais“, eine umfassende Darstellung ihres Heimatortes.[21] Dort schreibt sie im Vorwort, dass sie mit dem Buch, an dem sie vierzig Jahre gearbeitet hat[22] „den Alten eine Freude bereiten“[23] und den Zugezogenen „das Einleben im Dorf […] erleichtern“[24] möchte. Dora Dimel starb 1985 in Beaumarais. Als Zeichen der Anerkennung wurde dort 2012 die „Dora-Dimel-Straße“ nach ihr benannt.[25]


Verfasst von: Jeanne Blaes, Studentin der Historisch orientierten Kulturwissenschaften an der Universität des Saarlandes

Veröffentlicht:26.10.2026; Zuletzt aktualisiert: 26.10.2026.

Zitate

Frau Dimel ist eine ausgezeichnete Erzählerin. Mit ihrer lebendigen, blutvollen, dem Gegenstand der Darstellung entsprechenden und in jeder Zeile eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe offenbarenden Sprache zieht sie den Leser in ihren Bann und läßt ihn von der Gründung bis in unsere Tage am Dorfgeschehen teilnehmen. […] Was Frau Dimel selbst aus Familientradition oder aus eigener Erfahrung an volkskundlichen Fakten einbringt, ist erstaunlich und verdient hohe Anerkennung.“

Dr. Manfred Henrich über Dora Dimel im Grußwort (Dimel, Dora: Die Geschichte des Stadtteils Beaumarais. (Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Bd. 2). Saarlouis 1979, S. 5.)

Fußnoten

[1] Hartnack, Sabina: Dora Dimel. Online unter: https://lokalesbuendnis.saarlouis.de/buendnisfamilie/projekte/frauen-im-saarlouiser-familienbuendnis/hall-of-fame-frauen-in-saarlouis-gesammelte-biografien/19-jahrhundert-1800-1899/biographie-zu-dora-dimel/ (letzter Zugriff: 19.05.2026).

[2] Die Quellenlage ist nicht einheitlich, so wird bei Hartnack von 1918 geschrieben, bei Walter Löffler von 1916.

[3] Hartnack, Sabina: Dora Dimel.

[4] Löffler, Walter: Dora Dimel. In: Verein für Mundart und Geschichte Beaumarais (Hg.): Die Geschichte des Saarlouiser Stadtteils Beaumarais. Saarlouis 2018 (Bd.1), S. 14.

[5] Ebd., S. 14.

[6] Ebd., S. 14.

[7] Hartnack, Sabina: Dora Dimel.

[8] Löffler, Walter: Dora Dimel, S. 14.

[9] Hartnack, Sabina: Dora Dimel.

[10] Löffler, Walter: Dora Dimel, S. 14.

[11] Ebd., S.14.

[12] Hartnack, Sabina: Dora Dimel.

[13] Löffler, Walter: Dora Dimel, S. 14.

[14] Ebd., S. 14.

[15] Dimel, Dora: Alschbach. (Dorfbücher des Bezirks St. Ingbert, Gau Saarpfalz, Bd. 1). Saarlautern 1936, S. 5.

[16] Hartnack, Sabina: Dora Dimel.

[17] Löffler, Walter: Dora Dimel, S. 15.

[18] Ebd., S. 15.

[19] Hartnack, Sabina: Dora Dimel.

[20] Löffler, Walter: Dora Dimel, S. 15.

[21] Hartnack, Sabina: Dora Dimel.

[22] Dimel, Dora: Die Geschichte des Stadtteils Beaumarais. (Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Bd. 2). Saarlouis 1979, S. 6.

[23] Ebd., S.6.

[24] Ebd., S. 6.

[25] Löffler, Walter: Dora Dimel, S. 15.

Zum Weiterlesen / Literatur / Quellen

Ausgewählte Werke

Dimel, Dora: Alschbach. (Dorfbücher des Bezirks St. Ingbert, Gau Saarpfalz, Bd. 1). Saarlautern 1936.

Dimel, Dora: Marschall Ney und seine Heimat. Saarlouis 1947.

Dimel, Dora: Rechtsprechung am Balleigericht in Vaudrevange, S. 83-86. In: Unsere Heimat an der Saar, Neunkirchen 1951.

Dimel, Dora: Die Geschichte des Stadtteils Beaumarais. (Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Bd. 2). Saarlouis 1979.

Literatur

Dimel, Dora: Alschbach. (Dorfbücher des Bezirks St. Ingbert, Gau Saarpfalz, Bd. 1). Saarlautern 1936.

Dimel, Dora: Die Geschichte des Stadtteils Beaumarais. (Geschichte der Kreisstadt Saarlouis. Bd. 2). Saarlouis 1979

Hartnack, Sabina: Dora Dimel. Online unter: https://lokalesbuendnis.saarlouis.de/buendnisfamilie/projekte/frauen-im-saarlouiser-familienbuendnis/hall-of-fame-frauen-in-saarlouis-gesammelte-biografien/19-jahrhundert-1800-1899/biographie-zu-dora-dimel/ (letzter Zugriff: 19.05.2026).

Löffler, Walter: Dora Dimel. In: Verein für Mundart und Geschichte Beaumarais (Hg.): Die Geschichte des Saarlouiser Stadtteils Beaumarais. Saarlouis 2018 (Bd.1).

Gefördert durch:

Logo zur Kofinanzierung von der Europäischen Union


Logo für das Minsterium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz Saarland


Das Logo der lokalen Aktionsgruppe Biosphärenreservat

Hier wird in den ländlichen Raum investiert!

Weiterlesen...