Freundschaft auf stabiler Basis
„Die deutsch-französische Freundschaft ist nicht über Nacht vom Himmel gefallen. Sie war vielmehr eine Abfolge von Maßnahmen, die jede für sich den Freundschaftsprozess beschleunigt hat. Die Freundschaft mit dem größten Nachbarn im Westen, soll uns Ansporn sein, ebenso freundschaftliche Beziehungen zu Polen, unserem größten Nachbarn im Osten, aufzubauen,“ so begründete Gisbert Groh, Schulleiter am Berufsbildungszentrum (BBZ) St. Ingbert das Engagement seiner Schule bei der Zusammenarbeit mit der Berufsschule Nienadowa nahe an der ukrainischen Grenze von Polen. Die Zusammenarbeit erfolgt im Rahmen des EU-Programms COMENIUS-Regio und dient dem Erfahrungsaustausch unter Lehrern und Schulleitungen zwischen dem Landkreis Przemysl und dem Saarpfalz-Kreis.
Nach dem Besuch des Schulleiters und des Stellvertreters, Heinz-Jürgen Schäfer, in Polen, erfolgte jetzt der Gegenbesuch. Eine Deutsch-Lehrerin, Elzbieta Glodowska, und zwei Lehrer, Adam Zurawski, Leiter der Kfz-Abteilung und Krzysztof Kielbasa, Lehrer im Kfz-Bereich der polnischen Schule in Nienadowa waren Gäste am BBZ St. Ingbert.
„Trotz aller Verschiedenheiten haben wir auch viele Gemeinsamkeiten. Und es interessierte mich sehr, wie man an einer Schule mit einem gut funktionierenden Qualitätsmanagementsystem die organisatorischen Herausforderungen in den Griff bekommt und welche Instrumente den Lehrer und die Verwaltung bei organisatorischen Aufgaben entlasten können, damit sie mehr Zeit für den Unterricht und die weiteren pädagogischen Aufgaben haben", umschrieb Adam Zurawski, Leiter der Kfz Abteilung seine Interessenlage. Dabei war er fasziniert, wie am BBZ St. Ingbert viele Abläufe vereinfacht wurden.
Eine zentrale Datenbank verwaltet Klassen und Lehrer. Auf einen Blick sieht man von jedem der über zwanzig Verwaltungsrechner, wo welcher Lehrer und jede Klasse sich gerade aufhalten. Das Klassenbuch wurde speziell an die Struktur der Schule angepasst, die Kommunikation mit Eltern, Schülern und Ausbildungsbetrieben wurde so vereinfacht, dass der Schriftverkehr in kürzester Zeit erledigt werden kann, weil Anschrift und Standardtexte hinterlegt sind, die nur noch nach Sachlage ergänzt werden müssen. „Dient die Datenbank überwiegend der Disziplinierung von Schülern?“, wollte der Gast aus Polen wissen.
Dem widersprach Schulleiter Gisbert Groh. Gerade weil die Schüler wissen, dass pädagogische Maßnahmen umgehend erfolgen, dass das Feedback an die Erziehungsberechtigten und Betriebe zeitnah möglich ist, gebe es am BBZ tatsächlich sehr wenig Grund zum Klagen.
„Wir haben hier eine gute Atmosphäre. Nur einer von Tausend verlässt normalerweise die Schule aus disziplinarischen Gründen“, wies Groh auf die aktuelle Statistik hin. Besonders beeindruckt waren die Gäste neben der EDV-gestützten Verwaltung von dem hohen technischen Stand der Ausstattung des Berufsbildungszentrums.
Bei Unterrichtsbesuchen in den Kfz-Mechatroniker und Berufkraftfahrerklassen präsentierte der Abteilungsleiter Bernhard Krastl den polnischen Gästen die eingesetzten Lehr- und Lernmittel sowie die von verschiedenen Verlagen bereitgestellte Unterrichtssoftware, die es leider in polnischer Sprache noch nicht gibt.
„Um diese Ausstattung beneiden wir Sie. Leider ist unser Schulträger noch nicht in der Lage, uns finanziell so zu unterstützen, wie der Saarpfalz-Kreis das BBZ unterstützt.
Wir müssen unsere Ausstattung selbst finanzieren, das heißt durch Reparaturaufträge erwirtschaften“, machte Adam Zurawski auf einen wesentlichen Unterschied aufmerksam. Dabei werde das BBZ aber auch sehr stark von den Firmen unterstützt, die ihre Lehrlinge dort ausbilden lassen. Reinhard Metz, stellvertretender Abteilungsleiter des technisch gewerblichen Zweigs am BBZ: „Die Urkunden vor zahlreichen Klassenräumen dokumentieren, welche Firma z.B. durch Bereitstellung moderner EDV-Anlagen unsere Schule fördert, selbst mehrere neue Lehr-Fahrzeuge wurden von namhaften Herstellern bereitgestellt, um ihren Auszubildenden eine Ausbildung an modernsten Technologien zu ermöglichen. Wir haben eine breite Unterstützung durch regionale Unternehmen, die auch Ausdruck für die Wertschätzung der Arbeit am BBZ ist.“ Doch nicht nur die Ausstattung imponierte den Gästen aus Polen, auch die Medien und die modernen Lernmaterialien, wie sie am BBZ eingesetzt werden. Bisher gebe es noch keine Verlage in Polen, die Lehrbücher oder Arbeitsmaterialien in so hoher Professionalität anböten, das verlange von den polnischen Lehrern einen großen Einsatz bei der Unterrichtsgestaltung , wies Zurawski auf einen weiteren Unterschied hin.
Ein Besuch bei der BMW Niederlassung Saar-Pfalz in Limbach verdeutlichte den Gästen die Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Berufsschule im Rahmen der dualen Ausbildung. Der Serviceberater Stefan Hopf zeigte in einer ausführlichen Führung die gesamt Niederlassung und speziell die Abläufe bei Neu- und Gebrauchtwagenverkauf. Werkstattmeister Markus Schmitt erläuterte Service- und Reparaturabläufe im Alltagsbetrieb und die Berücksichtigung der vorgegebenen Ausbildungsinhalte im Rahmen der Arbeit an Fahrzeugen.
„Wir haben mehr Gemeinsamkeiten als nur die Grenzlagen unserer Landkreise im äußersten Südwesten oder im äußersten Südosten unserer Länder. Unsere beiden Schulen bilden Kfz-Mechatroniker in den verschiedensten Bereichen aus; sowohl für PKW als auch Nutzfahrzeuge. Motivierte Schüler und motivierte Lehrer sind das wichtigste Kapital, mit dem wir im Saarland und aber auch in Polen weiterkommen können“, zogen alle Beteiligten Bilanz der Begegnung, die im April 2010 mit einem Gegenbesuch in Polen fortgesetzt werden soll.

