Gersheim
Besuch bei der alten Dame - Die Keltenfürstin von Reinheim
Wo findet man eines der Paradiese im Saarpfalz-Kreis? Zu suchen ist es im Bliesgau. Einen fantastischen Blick ins Paradies gewährt die Landstraße von Habkirchen nach Reinheim über den Willersberg: die mäandernde Blies und der markante Rundturm der Kirche St. Markus in Reinheim zwischen Obst-bäumen in der Talaue. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Ort sind die weitläufigen archäologischen Ausgrabungen des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim mit den Weiheranlagen zu erkennen, der Übergang ins französische Bliesbruck ist fließend, die Grenze Historie, Europa ist Alltag geworden. Über der Blies grüßt wohlwollend die Statue des Heiligen Johannes von Nepomuk, Patron der Brücken, Flößer und Schiffer. Direkt dahinter:das Informationszentrum des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim.
Ein gut beschilderter Spazierweg führt parallel zum Fluss schnurgerade in die Talaue hin zu einer markanten Hügelgruppe mit Bäumen, die davor kreisförmig angepflanzt wurden - vielleicht der Druidengarten von Miraculix? Ein gläsernes, luftig wirkendes Gebäude befindet sich bei den Hügeln. Das filigrane, lichtdurchflutete Gebäude ist das Entree zu einer geheimnisvollen Dame. Als wollte er die letzte Ruhestätte seiner Herrscherin bewachen, steht vor dem Eingang zum Grab ein wilder Keltenkrieger. Furcht einflößen, das wollten die tapferen Streiter ihren Gegnern mit gekalktem Gesicht und wild nach oben stehenden Haaren. Ansonsten waren sie eher leicht bekleidet, manchmal sogar splitternackt in die Schlacht gezogen. Der Wächter vor der schweren kupfernen Tür ist mit der damals üblichen Kleidung ausgestattet und hält in seiner Hand einen Speer. Durch eine schwere Tür betritt man die rekonstruierte letzte Ruhestätte der Fürstin von Reinheim. Die Tür fällt auffallend sanft zu, und man braucht einen kurzen Moment, um sich an das diffuse Licht dieses geheimnisvollen Ortes zu gewöhnen, während man schon mit beiden Beinen im Grab steht. Ein schneckenförmig drehender Abgang führt scheinbar in die Erde. Wo wird er wohl hinführen? An der Außenwand befinden sich in regelmäßigen Abständen hinterleuchtete Informationstafeln aus Glas, die über das Fürstinnengrab und seine Geschichte informieren. So erfährt man, dass die Fürstin vor rund 2.400 Jahren hier im fruchtbaren Bliestal lebte. Ihre Grabstätte wurde vor 50 Jahren durch puren Zufall entdeckt. Der Unternehmer Johann Schiel stieß 1954 beim Sandabbau auf den Griff eines Spiegels - so wurde einer der bedeutendsten Funde aus der Latènezeit gemacht. Am Ende des hölzernen Abgangs angekommen, dringt man in die eigentliche Ruhestätte der Fürstin von Reinheim ein. Es handelt es sich hier um eine Nachbildung der hölzernen Grabkammer samt Fürstin und den Beigaben nach dem Ausgrabungsbefund.
Die Fürstin liegt in einer hölzernen Grabkammer hinter einer Glasscheibe. Man könnte meinen, die anmutig wirkende Frau schliefe nur. Am Hals trägt die Tote einen schweren goldenen Halsreif, an dessen Enden der Kopf einer keltischen Göttin, die einen Helm mit Greifvogelaufsatz trägt, dargestellt sind. Am rechten Arm erkennt man einen kunstvoll verzierten Armreif aus purem Gold und am linken Arm drei Reife aus Gold, Glas und Ölschiefer. Fibeln aus Gold und Bronze mit Korallenperlenzier halten das schlichte Gewand zusammen und an ihren schlanken Fingern stecken zwei goldene Ringe. Entsprechend den keltischen Riten erhielt die Tote auch Grabbeigaben für das Leben im Jenseits: Auf einem kleinen Tischlein steht ein Gedeck, bestehend aus Bronzeteller, zwei mit Goldblechbeschlag verzierten Trinkhörnern und dem Prunkstück des Grabensembles, eine Röhrenkanne aus goldig glänzender Bronze. Diese über 50 cm große Kanne gilt aufgrund ihrer Gestaltung und ihrer reichhaltigen Ornamentik als Meisterwerk keltischer Handwerksarbeit. Die reichen Grabbeigaben und die religiösen Motive zeugen von der wichtigen weltlichen Stellung und dem Wohlstand der Fürstin, aber auch von der Wahrnehmung kultisch-religiöser Funktionen, etwa als Priesterin. Viele Fragen schwirren durch den Kopf: Was war sie wirklich von Beruf? War sie mit einem Fürsten verheiratet und wo mag dieser nur begraben sein? Hatte sie Kinder? Wie war ihr Name? Wie sah sie wirklich aus? - Fragen über Fragen, die anscheinend nie endgültig beantwortet werden können.