Mandelbachtal
Auf den Spuren alter Pilger
Sanfte Hügel, grüne Täler, geheimnisvolle, runde "Römertürme", reizvolle Dörfer eingerahmt von Streuobstwiesen - das ist Mandelbachtal. Getauft wurde die Gemeinde nach dem Mandelbach, an dem die traditionellen Kopfweiden - auch Korbweiden oder Mandeln - genannt, wachsen. Der Mandelbach mündet in Habkirchen in die Blies. Die Blies verlässt in Bliesmengen-Bolchen die Saarpfalz auf ihrem Weg zur Mündung in die Saar bei Saargemünd. Von Grenzgängern und Flüchtlingen über diese deutsch-französische Grenze ist einiges zu erfahren im Zollmuseum, dem ehemaligen Zollgebäude, unmittelbar am jahrhundertealten Grenzübergang Habkirchen.
Friedrich Engels und Karl Marx passierten hier die Staatsgrenze, die damals noch eine bayerische war. Nicht nur Grenzwege prägen Mandelbachtal. Nicht minder spannend sind die zahlreichen Reitwege, die an Reithöfen vorbeiführen. Auf gut markierten Radwegen lässt sich Mandelbachtal aus dem Velosattel erkunden. Einige Strecken der Saarland-Rundwanderwege und der Saar-Lor-Lux Kultur-Wanderwege führen auch durch Mandelbachtal und lassen das Wandern in der Natur mit Kultur verbinden.
So entstand Gräfinthal
Pilgerwege halten die Erinnerung wach an Überlieferungen aus längst vergangenen Zeiten. So lebte im 13. Jahrhundert auf dem Brudermannsfeld bei Bebelsheim, eine Stelle, die heute durch ein Wegekreuz markiert und an der als geologische Besonderheit Austernbänke zu sehen sind, ein gottesfürchtiger Eremit. Er verehrte ein Madonnenbildnis in einem hohlen Baumstamm. Viele Menschen pilgerten zu ihm, um sich bei dem frommen Einsiedler Rat und Hilfe zu holen. Eine Tages, so will es die Legende, wurde der Eremit von Wegelagerern überfallen, die das Madonnenbild mit ihren Pfeilen beschossen. Fünfmal trafen sie die Statue und dabei geschah etwas derart Unheimliches, das die Burschen vor Angst erstarren ließ:
Aus den Wunden, die durch die Pfeile verursacht wurden, floss Blut. Die aufgeschreckte Bande floh, der Mönch jedoch erzählte von dem Wunder überall und verbreitete die Geschichte in der gesamten Gegend. Davon hörte auch Gräfin Elisabeth von Blieskastel. Sie kam zu der Wunderstätte und hörte sich die Berichte des Mönches an. Da sie an einer Augenkrankheit litt, bestrich sie ihre Augen mit dem Blutschweiß der Wunden und wurde geheilt. Als Dank wollte sie ein Kloster an der Stätte erbauen. Die Bausteine waren jedoch mehrmals verschwunden und wurden im Letschenbachtal bei Gräfinthal wiedergefunden. Dies wurde als Fingerzeig Gottes gedeutet, und die Kapelle wurde deshalb dort gebaut. So entstand Gräfinthal.
Viele Wege führen nach Mandelbachtal
Auch wenn sich das Madonnenbild heute in der Blieskasteler Klosterkapelle befindet, ist Gräfinthal Ziel für viele Besucher und Wallfahrten geblieben. Gräfin Elisabeth von Blieskastel wurde in Gräfinthal beigesetzt, noch heute ist ihr Grabmal dort zu sehen. Polenkönig Stanislaus Leszczynski förderte Gräfinthal besonders während seines Asyls von 1714 bis 1719 in Zwei-brücken und bevor er nach Nancy und Lunéville in Lothringen zog. Der spätere Herzog von Lothringen galt als sehr wohltätig, kunstliebend und volksnah. Maria, eine seiner Töchter, heiratete später den französischen König Ludwig XV. - aber das ist fran-zösische Geschichte. In der saarpfälzischen Geschichte nahm das Familienschicksal vorher seinen Lauf, als seine Tochter, Prinzessin Anna Leszcynska, einem Giftattentat zum Opfer fiel, das eigentlich für ihren Vater gedacht war. Sie wurde in Gräfinthal beigesetzt. 1785 wurde Gräfinthal als letztes Kloster, das von den Eremitenmönchen des Heiligen Wilhelm in Deutschland betreut wurde, von der Blieskasteler Gräfin Marianne von der Leyen und von Papst Clemens XIV. aufgelöst. 1803 erwarb der Saargemünder Bürgermeister Johann Baptist Matthieu die Anlage und setzte sich für ihre Renovierung ein.
Weitere geheimnisvolle Legenden, die Grundsteine für Pilgerwege wurden, erzählt man sich in Mandelbachtal. So ist der 19. März und der darauffolgende Sonntag Wallfahrtstag in Erfweiler-Ehlingen. Am 24. Juni 1866 legte Pfarrer Anton Pfeiffer von Erf-weiler mit seiner Pfarrgemeinde das Gelübde ab, zu Ehren des Heiligen Joseph auf dem Hölschberg eine Kapelle zu bauen, sollte der Ort von den Kriegswirren verschont bleiben und alle eingezogenen Männer zurückkehren. Das Gelübde wurde erfüllt, als von 1867 bis 1869 die Kapelle von Erfweiler Bürgern freiwillig aufgebaut wurde. Mit dem Steyler Pater Quack gelobte die Pfarr-gemeinde 1945, das Fest des Heiligen Joseph am 19. März als weltlichen und kirchlichen Feiertag zu begehen.