Blieskastel
Gollenstein: Aufforderung zum Tanz
Ein heißer Sommertag geht zur Neige. Die Abenddämmerung setzt ein, die Sonne verschwindet wie ein roter Feuerball hinter den Hügeln im Westen. Von Weitem sieht man auf einer Hochfläche loderndes Feuer um einen riesengroßen Stein. Etwas scheint sich zu bewegen um diesen geheimnisvollen Riesen, den ungeahnte Kräfte auf den Berg gebracht haben müssen. Beim Näherkommen sind Frauen zu erkennen, die einen ausgelassenen Tanzreigen um den steinernen Giganten bilden. Flöten und Harfen spielen dazu. Inzwischen ist der Mond aufgegangen und leuchtet hell. Es ist Mittsommer. Andere Frauen sitzen im Kreis auf der Erde, Stimmengemurmel geht durch die Runde. Allerlei Kräuter-wissen wie Rezepte zum Fieberkurieren und Erfahrungen in der Geburtshilfe werden weiter gegeben, während ein sanfter Wind über die Felder streicht.
So ähnlich könnte es gewesen sein vor Jahrtausenden. Vieles ist nicht belegbar und trotz-dem wird manches über diese Zeit bewahrt. Auch um den Gollenstein auf dem Blieskasteler Berg gibt es so viele Vermutungen. Solche Kultsteine werden mit Ahnenverehrung und religiösem Totenkult in Verbindung gebracht. In christlicher Zeit wurden diese Steine als "Heidensteine" oder "Teufelssteine" bezeichnet. Seit der fränkischen Landnahme im fünften und sechsten Jahrhundert soll der Gollenstein auch Grenzstein gewesen sein. Man schätzt, dass er schon seit fast 4.000 Jahren die Geschichte der Saarpfalz miterlebt.
Erwiesen ist jedenfalls, dass dieser Menhir aus Urzeiten mit "21 1/2 Fuß über und 7 1/2 Fuß" unter der Erde der höchste Menhir Mitteleuropas ist. Solch gewaltige Menhire findet man sonst vornehmlich in der Bretagne. Ob Frauen sich noch heute in der Mittsommernacht zum mystischen Tanzfest um den Gollenstein treffen, lässt sich so einfach nicht sagen. Zu finden ist der Menhir, der auch Wahrzeichen der Barockstadt Blieskastel ist, zwischen Blieskastel und Alschbach. Wie Blieskastel im 18. Jahrhundert durch Gräfin Marianne von der Leyen zu seinen Barockbauten kam und sie vor den französischen Revolutionsgruppen fliehen musste, ist wiederum eine andere Geschichte. Noch heute, nach dem 200. Todestag der Gräfin, dreht sich in Blieskastel vieles um die Spuren ihrer Zeit. Blieskastel gewährt lohnende Einblicke in die barocke Lebenswelt.